Militäreinsatz in Grönland?
Kaufen oder erobern?
(07.01.2026) Wird die einstige sogenannte "globale Polizei" zur globalen Bedrohung? Die US-Regierung hat im Streit um die Kontrolle Grönlands ihre Haltung bekräftigt und schließt auch einen Militäreinsatz weiter nicht aus. Der Erwerb Grönlands habe für die nationale Sicherheit der USA Priorität und sei entscheidend, um Gegner in der Arktis abzuschrecken, teilte das Weiße Haus am Dienstag mit. Präsident Donald Trump und sein Stab diskutierten eine Reihe Optionen. Der Einsatz des Militärs sei dabei immer eine, die dem Oberbefehlshaber zur Verfügung stehe.
Trumps wiederbelebtes Interesse an der strategisch wichtigen Insel steht im Zusammenhang mit der kürzlichen Festnahme und Entmachtung des venezolanischen Präsidenten Nicolas Maduro. Trump fühle sich dadurch bestärkt und wolle die amerikanische Dominanz in der westlichen Hemisphäre sichern, hieß es aus dem Weißen Haus.
Außenminister favorisiert Kauf
Einem hohen US-Beamten zufolge werden verschiedene Wege für einen Erwerb diskutiert. Dazu zählten ein direkter Kauf von Dänemark oder die Bildung eines "Compact of Free Association" (COFA), eines speziellen Assoziierungsabkommens, mit dem Territorium. "Diplomatie ist immer die erste Option des Präsidenten, und das Aushandeln von Geschäften. Er liebt Geschäfte", sagte der Beamte.
Das Ziel sei ein Kauf, berichtete auch das "Wall Street Journal" unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen. Außenminister Marco Rubio habe in einer vertraulichen Sitzung mit US-Abgeordneten gesagt, dass die jüngsten Drohungen keine militärische Invasion signalisieren sollten. Das berichtete auch die "New York Times" und schrieb zudem unter Berufung auf Beamte, dass Trump seine Mitarbeiter um die Vorlage eines aktualisierten Plans für einen Erwerb gebeten habe. Trump hatte einen solchen Plan bereits während seiner ersten Amtszeit ins Spiel gebracht.
Widerstand im US-Senat
Zuvor hatten mehrere europäische Staaten die USA in deutlichen Worten vor einer Annexion Grönlands gewarnt. In einer gemeinsamen Erklärung hatten Dänemark, zu dem die autonome Arktisinsel mit ihren 57.000 Einwohnern gehört, Deutschland, Frankreich, Italien, Polen und Spanien am Dienstag betont, Grönland gehöre seinem Volk. Die dänische Ministerpräsidentin Mette Frederiksen hatte am Montag mit dem Ende des westlichen Verteidigungsbündnisses NATO gedroht.
Auch innerhalb der USA gibt es jedoch Widerstand. Führende Senatoren beider Parteien forderten die Regierung auf, die Souveränität Dänemarks zu respektieren. Trump hat wiederholt angedroht, Grönland zu übernehmen. Die Insel ist wegen der Zugehörigkeit zu Dänemark NATO-Gebiet, gehört allerdings nicht wie Dänemark zur EU. Die USA haben bereits Militärstützpunkte auf der Insel. Spekuliert wird, dass es Trump vor allem um die Ausbeutung der reichen Bodenschätze der Insel geht.
Europäer arbeiten an Reaktion auf US-Drohung
Die Europäer stimmen sich nach Angaben aus Berlin und Paris derzeit über das weitere Vorgehen im Streit um US-Ansprüche auf das zu Dänemark gehörende Grönland ab. "Mehrere europäische Staaten arbeiten mit Dänemark eng zusammen", hieß es am Mittwoch in Kreisen der deutschen Bundesregierung in Berlin. Dabei würden weitere Schritte besprochen. In Paris sagte Außenminister Jean-Noel Barrot, das Thema solle noch im Laufe des Tages bei dem Treffen mit seinen Kollegen aus Deutschland und Polen zur Sprache kommen.
Auch die AfD, die in den vergangenen Monaten verstärkt die Nähe der rechtsgerichteten US-Regierung gesucht hatte, sprach sich gegen eine US-Annexion aus. "Grönland ist Dänemark, ist Teil der NATO. Da gibt es keinen Angriff", sagte der Parlamentarische Geschäftsführer der AfD-Bundestagsfraktion, Bernd Baumann, im ZDF. "Da wird es keine Eskalation geben."
(fd/apa)