Ohr aus dem 3D Drucker?
Der Kronehit Faktencheck
(25.02.2026) Nach zehn Jahren intensiver Forschung ist einem Schweizer Team ein bedeutender Durchbruch gelungen: Ein im Labor gezüchtetes und per 3D-Druck hergestelltes Ohr wurde erfolgreich in die Haut von Ratten implantiert. Die Ergebnisse wurden im Fachjournal Advanced Functional Materials veröffentlicht.
So entsteht ein Labor-Ohr
An dem Projekt beteiligt waren Forschende der ETH Zürich, des Friedrich Miescher Institutes in Basel sowie des Luzerner Kantonsspitals.
Der Herstellungsprozess ist komplex:
- Aus millimetergroßen Gewebeproben werden Zellen im Labor vermehrt.
- Ein 3D-Drucker formt daraus ein Ohr aus Knorpelmaterial.
- Da das gedruckte Gewebe zunächst sehr weich ist, reift es rund neun Wochen im Labor in einem nährstoffreichen Brutkasten heran, bis es stabil genug ist.
Nach der Implantation in Ratten konnte der künstliche Ohrknorpel sechs Wochen lang seine Form behalten – ein entscheidender Schritt auf dem Weg zu funktionalem Ersatzgewebe.
Hoffnung für Menschen mit Ohrfehlbildungen
Die Forschung ist medizinisch hoch relevant. Jährlich leiden weltweit Tausende Kinder – allein rund 10.000 – an angeborenen Ohrfehlbildungen wie Mikrotie. Auch Brand- oder Unfallopfer verlieren immer wieder Teile ihrer Ohrmuschel.
Bisher wird zur Rekonstruktion häufig Rippenknorpel verwendet. Diese Eingriffe gelten als schmerzhaft und können Narben oder Verformungen verursachen. Zudem sind rekonstruierte Ohren oft steifer als natürliche.
Ein im Labor gezüchtetes, patienteneigenes Ohr könnte diese Probleme langfristig lösen.
Noch kein Einsatz beim Menschen
Trotz des Erfolgs betonen die Forscher: Bis zur Anwendung beim Menschen ist es noch ein weiter Weg.
Das Gewebe muss weiter stabilisiert werden. Entscheidend ist ein sogenannter „biologischer Bauplan“, der exakt vorgibt, wie sich Knorpelzellen organisieren müssen, damit ein dauerhaft belastbares Ohr entsteht. Die Wissenschaftler rechnen damit, innerhalb der nächsten fünf Jahre entscheidende Fortschritte zu erzielen.
Schon vor Jahren gab es die ersten Versuche. Dabei handelte es sich aber nur um Gerüstmaterialien mit Zellen, nicht um vollständig im Labor gereiften, formstabilen Knorpel mit langfristiger struktureller Stabilität.
+++Triggerwarnug+++Tierversuche+++
Zusätzlich stehen regulatorische Zulassungsverfahren bevor, die klinische Studien am Menschen voraussetzen.
Regenerative Medizin vor dem nächsten Schritt
Die Studie zeigt, wie weit die regenerative Medizin und der medizinische 3D-Druck bereits sind. Autologe, also körpereigene, Gewebezüchtungen könnten in Zukunft nicht nur Ohrmuscheln, sondern auch andere Knorpel- oder Weichteilstrukturen ersetzen.
Noch ist das 3D-gedruckte Ohr kein fertiges Medizinprodukt – doch es markiert einen wichtigen Meilenstein auf dem Weg zu individualisierten Implantaten aus dem Labor.
(fd)