Produktiver mit KI?
Was ChatGPT & Co. wirklich bringen
(16.02.2026) Recherchen vorsortieren, Grobkonzepte für Präsentationen erstellen oder Mails an verärgerte Kunden vorschreiben lassen – alles Aufgaben, die mittlerweile gerne durch die KI erledigt werden. In vielen Büros ist die Künstliche Intelligenz längst ein alltägliches Tool geworden. Wie viel unserer Arbeitszeit sie dadurch wirklich einspart und was mit der gewonnenen Arbeitszeit passiert, hat die IMC Hochschule in einer österreichweiten Studie untersucht.
Im zweiten Halbjahr des Jahres 2025 wurden dazu Büromitarbeiter in ganz Österreich online befragt. Inhalt dieser Studie waren Systeme wie ChatGPT, Perplexity & Co. Daraus entstanden 1016 vollständige Umfragen, wo knapp 60 Prozent der Befragten in kleinen bis mittleren Unternehmen arbeiten, der Rest in großen Betrieben. Geleitet wurde die Studie von Michael Bartz, Professor für Management mit Schwerpunkt Digitalisierung und KI an der IMC Krems.
Mehr Zeit für mehr Aufgaben
Das zentrale Ergebnis der Studie zeigt, dass die KI tatsächlich für viele der Befragten Zeit spart. Viele berichten über Zeitersparnisse von ein bis vier Stunden die Woche. Ein Fünftel der Befragten gibt an, dass sie durch den Einsatz von KI sogar vier bis acht Stunden pro Woche sparen. Bei einer 40-Stunden-Woche ist das bei acht Stunden eine Zeitersparnis von einem ganzen Arbeitstag pro Woche. Die Angaben beruhen jedoch auf Selbsteinschätzungen und wurden nicht tatsächlich gemessen. Offen bleibt zudem, wie stark die Nutzung und die damit einhergehenden Effekte von der Unternehmensgröße abhängig seien. Studien deuten darauf hin, dass größere Betriebe oft über mehr interne Expertise verfügen, als kleinere und der KI-Effekt dort somit geringer ausfallen könnte.
Im Vergleich dazu hat die Einführung des PCs in den 1980er-Jahren nur knapp fünf Prozent Produktivitätssteigerung bewirkt. Eine weitere interessante Erkenntnis der Studie ist zudem, was mit der gewonnenen Zeit passiert: Nur ein Viertel der Befragten nutzt sie nämlich für mehr Pausen oder persönliche Entlastung. Ein Großteil investiert die Mehrzeit in mehr Aufgaben, schnellere Reaktionszeiten oder höherqualifizierte Aufgaben. Somit profitieren zum Großteil die Unternehmen selbst von der Zeitersparnis der KI-Nutzung.
Konflikt zwischen Jung und Alt
Fast drei Viertel der Studienteilnehmer nutzen die KI in beruflichen Kontext erst seit weniger als einem Jahr. Das heißt, sie stehen erst ganz am Anfang der Lernkurve, was vor allem für die Unternehmen zentrale Erfolgspotenziale ergeben könne. Jedoch herrscht auch hier Vorbildfunktion, denn dort wo Führungskräfte wenig KI nutzen, bleibt die Nutzung auch bei den Mitarbeitern eher eingeschränkt.
Außerdem zeigt sich ein Generationenkonflikt in der Nutzung. Ältere Beschäftigte, welche der Babyboomer-Generation angehören, sind in der Umfrage deutlich unterrepräsentiert. Das deute darauf hin, dass gerade diese Generation der Nutzung von KI-Tools, speziell im beruflichen Kontext, sehr skeptisch gegenübersteht oder sie bewusst weniger nutze. Doch gerade diese Gruppe befindet sich aktuell vermehrt in Führungspositionen, welche Vorbildungsfunktion für den Umgang mit KI haben.
Wenn KI-Nutzung ohne klare Abstimmung oder Leitlinien im Arbeitsalltag stattfindet, können daraus Risiken für das Unternehmen selbst entstehen. Durch das Hochladen sensibler Daten kann es beispielsweise zu Datenschutz-, Qualitäts- oder Compliance-Risiken kommen. Bartz spricht sich für eine Integration von KI-Nutzung in die Unternehmenskultur aus, denn Verbote und strenge Regeln würden von Mitarbeitern meist wenig angenommen und als sinnbefreit eingeschätzt werden.
(hb)