Proteste und Demo in Wien

Wegen Lesung von Drag Queen

(17.04.2023) Unter massivem Polizeiaufgebot und dem Lärm von Demo und Gegendemo ist am Sonntagvormittag in einem Szenelokal der LGBTIQ+-Community in Wien eine Drag-Queen-Lesung für Kinder über die Bühne gegangen. Während sich vor der Türkis Rosa Lila Villa in der Linken Wienzeile rechte und linke Demonstranten lautstark mit Marschmusik bzw. queeren Hymnen beschallten, verfolgten im Obergeschoß des Lokals Villa Vida zahlreiche Familien die Performance von Künstlerin Freya Van Kant.

Geschätzte hundert Personen hatten sich direkt vor der Türkis Rosa Lila Villa versammelt, um zu den Klängen u.a. des Radetzkymarschs gegen die Drag-Queen-Lesung zu protestieren, darunter auch Vertreter der FPÖ, der Identitären um Martin Sellner und Personen aus dem Hooligan-Umfeld. Auch christliche Fundamentalisten waren erwartet worden. Zu sehen war neben Bannern mit dem Schriftzug "Kinder schützen ist kein Verbrechen" oder "Keine Genderindoktrination mit meinen Steuern" auch ein Demonstrant mit Kreuz. Der Wiener FPÖ-Chef Dominik Nepp hatte eine Absage der Drag-Queen-Lesung gefordert, hier finde eine "eine inakzeptable Frühsexualisierung von Kleinkindern" statt. Anfang März hatte die FPÖ in einer Sondersitzung des Wiener Landtags ein generelles Verbot von Drag-Queen-Shows für Kinder gefordert.

Ein Vielfaches an Demonstranten hatte - getrennt durch eine Pufferzone mit Sperrgittern - ebenfalls vor der Villa Vida, dem Lokal der Türkis Rosa Lila Villa, lautstark für die Rechte der LGBTIQ+-Community Stimmung gemacht. Zu den Klängen von Nummern wie "I will survive" wurden Regenbogenfahnen geschwenkt, die geschätzt 400 bis 500 Teilnehmer skandierten etwa "Es gibt kein Recht auf Nazi-Propaganda". Noch bis 18 Uhr läuft eine Solidaritätskundgebung unter dem Motto "Wien ist queer! Drag is not a crime", bei der u.a. auch Conchita Wurst auftreten wird. Solidarisch zeigte sich u.a. auch Vizekanzler Werner Kogler (Grüne), der auf Twitter den Satz "Für ein Klima der Vielfalt" samt gemeinsamem Bild mit einer Drag-Queen postete.

Jene Familien, die sich für die Drag-Queen-Lesung angemeldet hatten, ließen sich von dem Trubel nicht abschrecken. "Es kann nicht die Konsequenz sein, dass die Einschüchterung funktioniert", betonte eine Mutter im Gespräch mit der APA. Rund 40 Personen waren, wie ursprünglich geplant, zur Veranstaltung gekommen, die wegen der Demos in den ersten Stock verlegt worden war. Dort inszenierte Künstlerin Freya van Kant im roten Glitzer-Tüllkleid und auftoupierter blonder Perücke eine Märchengeschichte, wie man sie aus dem klassischen Erlebnis-Kindertheater kennt, samt Tanzeinheit und Fechtrunde mit Schwimmnudeln - nur dass diesmal die Prinzessin den vom Drachen verschleppten Prinzen retten musste und nicht umgekehrt.

"Hier wird nicht über Sex gesprochen. Hier geht es um Lieblingsfarben, um Lieblingskleidung und darüber was es bedeutet, einzigartig zu sein", betonte Stephane Magloire, Organisator des "Queens Brunch" und der insgesamt dritten Drag-Queen-Lesung in der Villa Vida, im APA-Gespräch. Bei den Drag-Queen-Lesungen würden Geschichten vorgelesen, in denen es darum gehe, man selbst zu sein und zu einem glücklichen Menschen zu werden, erklärte auch van Kant. "Das sind Geschichten, die jedem Kind gut tun", es gehe darin um Menschenwürde und auch um christliche Werte wie Nächstenliebe. Es sei sehr befremdlich, dass ein "rechter Mob", dessen einziges Ziel es sei, Zwietracht zu sähen und Angst zu verbreiten, gegen Derartiges mobilisiere.

Die Türkis Rosa Lila Villa war erst Ende März Angriffsziel, als mutmaßliche Rechtsextreme auf ein Baugerüst kletterten, ein Plakat mit einer gegen die Community gerichteten Parole befestigten und hunderte Flugblätter verteilten. Auch Drag-Queen-Lesungen waren bereits im Visier von mutmaßlich Rechtsextremen: Im Vorjahr wurde vor einer Lesung in einer Wiener Bücherei im Rahmen des Pride-Monats der Eingang zugemauert. Aktivistinnen und Aktivisten der Community, Grüne und SPÖ hatten für die heutige Lesung ursprünglich ein Platzverbot gefordert, um den Lesungsteilnehmern sicheren Zugang zu ermöglichen. Stattdessen wurde nur der bei mehreren Demos vorgeschriebene Schutzbereich eingerichtet.

Van Kant hatte im Vorfeld angesichts der Gewaltdrohungen im Internet und von Medienberichten, in denen gegen die Community polemisiert worden sei, kurz über eine Absage der Veranstaltung nachgedacht. Es sei aber schnell klar gewesen, dass es hier um etwas Wichtiges gehe. "Die Angstmacher-Taktik hat nicht gefruchtet." Auch die zur Veranstaltung angemeldeten Eltern hätten einhellig rückgemeldet, dass es ihnen trotz der Demo wichtig sei, zur Veranstaltung zu kommen. "Wir stehen auf als Community", so Magloire. Van Kant zeigte sich nach der Veranstaltung mit Blick auf die Solidaritäts-Veranstaltung zufrieden. "Am heutigen Tag hat die Wiener Gesellschaft gezeigt, wie tolerant und bunt sie ist."

(MK/APA)

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