Rekord-Dürre in Italien!

Stromproduktion geht zurück

(27.06.2022) Italien kämpft angesichts drückender Hitze gegen die schlimmste Dürre seit Jahren. Die italienische Bewässerungsbehörde ANBI schlug am Donnerstag Alarm und warnte, das Land bewege sich angesichts der für Ende Juni erwarteten Spitzentemperaturen von 40 Grad Celsius und der schlimmsten Trockenperiode der vergangenen Jahre auf eine "dramatische" Lage von Umwelt und Wirtschaft zu.

Der ausbleibende Regen hat dazu geführt, das Flüsse und Stauseen ausgetrocknet sind. Der Po, Italiens längster Fluss, ist von der schlimmsten Dürre seit rund 70 Jahren betroffen. Der 652 Kilometer lange Strom im Norden des Landes ist für rund ein Drittel der landwirtschaftlichen Produktion existenziell. "Der Wasserdurchfluss hat sich innerhalb von zwei Wochen halbiert", teilte ANBI mit. Der Wasserpegel müsste mehr als doppelt so hoch wie aktuell liegen, um zu verhindern, dass Meereswasser in das Flussbett fließt und landwirtschaftliche Flächen zerstört. Auch die großen Seen in Norditalien hätten Tiefststände erreicht. Der Pegel von Wasserreservoirs in Mittelitalien sei ebenfalls gesunken.

Die Provinz Lazio, die um Rom liegt, hat in dieser Woche angesichts der Wasserknappheit den Notstand ausgerufen. In einigen Gemeinden wurden Verbote beschlossen, so soll Wasser nicht die Bewässerung von Gärten oder das Füllen von Schwimmbecken benutzt werden. Die Temperaturen sollen in der kommenden Woche zehn bis zwölf Grad über die jahreszeitlich üblichen Temperaturen liegen. Auf den Inseln Sardinien und Sizilien werden Spitzenwerte von bis zu 44 Grad erwartet.

Von Jänner bis Mai dieses Jahres sei die Stromproduktion aus Wasserkraft um 40 Prozent im Vorjahresvergleich gefallen, teilte der Wasserversorgungsverband Utilitalia am Freitag auf AFP-Anfrage mit. Der Bauernverband Coldiretti erklärte, 30 Prozent der landwirtschaftlichen Produktion landesweit seien in Gefahr.

Wasserkraftwerke gibt es vor allem in den Bergen im Norden des Landes. Sie liefern normalerweise fast ein Fünftel des in Italien benötigten Stroms. Seit vergangenem Sommer aber gehe die Produktion bereits zurück, sagte ein Sprecher von Utilitalia. Das ist aktuell besonders ein Problem, weil auch Italien die Gas- und Öllieferungen aus Russland stark zu verringern versucht.

In Piacenza südöstlich von Mailand musste ein kleines Wasserkraftwerk diese Woche bereits ganz abgeschaltet werden, weil der Po zu wenig Wasser führt, wie der Energiekonzern Enel mitteilte. Auch die Landwirtschaft nutzt das Wasser des Flusses stark. Die Trockenheit im Po-Delta ist die schlimmste seit 70 Jahren.

In der Region Piemont im Nordwesten des Landes wird laut der Nachrichtenagentur Ansa bereits in mehr als 200 Gemeinden das Wasser rationiert. Der Wasserspiegel des Lago Maggiore und des Gardasees liegen deutlich tiefer als sonst für diese Jahreszeit üblich, und auch der Tiber, der durch Rom fließt, führt Niedrigwasser.

(MK/APA

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