Roadrunner im (Laser) Visier

385 Anzeigen gegen Raser

(18.03.2024) Seit Beginn des Monats können Fahrzeuge bei eklatanten Geschwindigkeitsüberschreitungen beschlagnahmt werden. Bei der Aktion "Roadrunner" waren von Samstag bis Sonntag in der Früh 16 Beamte am Währinger Gürtel sowie in ganz Wien gegen Raser im Einsatz, sagte Generalmajor Thomas Losko, Leiter der Landesverkehrsabteilung Wien, vor Journalisten. Autos wurden diesmal keine abgenommen.

Das heißt, dass jener Raser, der in der Nacht auf Montag am Hernalser Gürtel mit bis zu 114 km/h unterwegs gewesen sein soll, vorerst der einzige Verkehrsteilnehmer bleibt, der in Wien wegen zu hoher Geschwindigkeit seinen Pkw abgeben musste. Etwas weiter nördlich, auf der Höhe des Allgemeinen Krankenhauses (AKH) wurden auch am Samstagabend Lasermessungen durchgeführt. Davor ist auf der Gegenfahrbahn am Äußeren Gürtel mit einem "Verkehrstrichter" sowie einem Planquadrat kontrolliert worden. Der Fokus lag dabei primär auf "hochmotorisierten Fahrzeugen", sagte Losko.

Schwerpunktaktionen

"Wir machen regelmäßig - nahezu täglich - Schwerpunktaktionen im Verkehrsbereich in verschiedenen Größenordnungen", so Losko. Eine Verschärfung der Kontrolldichte, die in Wien sowieso schon einen sehr hohen Grad erreicht habe, sei wegen der neuen Gesetzgebung derzeit nicht erforderlich.

34. Novelle der Straßenverkehrsordnung

Mit der 34. Novelle der Straßenverkehrsordnung (StVO) kann seit Monatsbeginn das Auto von extremen Rasern an Ort und Stelle beschlagnahmt und in weiterer Folge auch versteigert werden. Das vom Verkehrs- und Klimaschutzministerium auf den Weg gebrachte Maßnahmenpaket richtet sich gegen schwere Vergehen und Geschwindigkeitsübertretungen von mehr als 60 km/h innerorts und 70 km/h außerhalb des Ortsgebiets.

Gesetzesverschärfung

Zwar sei die Gesetzesverschärfung medial sehr stark präsent gewesen, bei der entsprechenden Community sei sie aber noch nicht ganz angekommen. "Es wird noch eine gewisse Zeit dauern, doch wenn es mal mehrere Vorfälle gibt, die sich herumsprechen, sollte die generalpräventive Wirkung greifen", vermutete Losko.

107 statt 50 km/h

Die massivste Übertretung wurde laut Polizei bei einem Fahrzeug gemessen, das mit 107 statt erlaubten 50 km/h im Stadtgebiet unterwegs war, wie ein Sprecher der APA am Sonntag berichtete. Insgesamt wurden im Zuge des Schwerpunkts 109 Alkovortests durchgeführt, 385 Anzeigen gegen Raser ausgestellt, fünf Führerscheine wegen Suchtgiftbeeinträchtigung abgenommen sowie zwei Verfahren zum Entzug der Lenkberechtigung eingeleitet. Zudem müssen drei Lenkerinnen und Lenker mit einer Abnahme des Kennzeichens wegen technischer Mängel rechnen. Auch 29 Strafverfügungen wurden ausgestellt. Unterstützt wurde die Aktion durch Schnellrichter und Amtsärzte der Landespolizeidirektion Wien.

6 Millionen Übertretungen

Im vergangenen Jahr hat die Verkehrspolizei österreichweit mehr als sechs Millionen Geschwindigkeitsübertretungen angezeigt oder als Organstrafverfügung geahndet - ein neuer Höchstwert, wie das Innenministerium am Donnerstag mitteilte. "In Wien kontrollieren wir in den letzten Jahren mehr, es gab auch einen Anstieg was die Zahl der Anzeigen betrifft", sagte Losko. Aber um valide Aussagen zu treffen, müsse man, auch wegen Schwankungen während der Corona-Zeit, noch ein bis zwei Jahre abwarten.

"Tuning"-Szene

Mit der "Tuning"-Szene sieht Losko bei den Geschwindigkeitsüberschreitungen keinen direkten Zusammenhang: Zwar gebe es in diesem Bereich in Wien sogenannte Poser, die ihr Auto sehr stark individualisieren, sich aber auf der Straße normalerweise keine Rennen liefern. "Von denjenigen, die sich auf der Straße illegal mit Höchstgeschwindigkeiten duellieren, gibt es hier relativ wenige - da haben wir die Situation durch unsere Kontrollmaßnahmen gut im Griff", betonte Losko.

(fd/apa)

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