Robohand: Revolution?
Vielseitig einsetzbar
(21.01.2026) Kriecht da wirklich eine Roboterhand einfach davon? Was nach einer Szene aus einem Science-Fiction-Film klingt, ist tatsächlich Realität. Forschende der ETH Lausanne (EPFL) haben eine neuartige Roboterhand entwickelt, die sich von ihrem Roboterarm lösen kann – und anschließend selbstständig weiterarbeitet. Die außergewöhnliche Entwicklung wurde nun im renommierten Fachjournal „Nature Communications“ veröffentlicht.
Im Gegensatz zu herkömmlichen Robotersystemen ist diese Hand nicht dauerhaft mit dem Arm verbunden. Wird ein Objekt benötigt, das außerhalb der Reichweite liegt, kann sich die Hand eigenständig abkoppeln. Auf ihren Fingern bewegt sie sich dann krabbelnd durch den Raum – fast wie eine Spinne – nimmt Gegenstände auf und kehrt anschließend selbstständig zum Roboterarm zurück, wo sie wieder andockt.
Damit überwinden die Forschenden eine zentrale Einschränkung klassischer Roboter: den begrenzten Arbeitsraum. Bisher endete die Reichweite immer dort, wo der Arm aufhörte – die neue Hand erweitert diesen Radius deutlich.
Kein Daumen, dafür maximale Flexibilität
Auch der Aufbau der Roboterhand unterscheidet sich grundlegend von der menschlichen Anatomie. Statt eines Daumens besitzt sie mehrere identische Finger, die symmetrisch um die Handfläche angeordnet sind. Jeder dieser Finger kann sich in beide Richtungen bewegen und je nach Aufgabe unterschiedliche Funktionen übernehmen.
Beim Greifen bilden jeweils zwei beliebige Finger ein gegenüberliegendes Paar – vergleichbar mit dem Zusammenspiel von Daumen und Zeigefinger beim Menschen. Für andere Aufgaben können Objekte aber auch direkt auf der Handfläche abgelegt und transportiert werden. Dieser flexible Aufbau erlaubt es der Hand, sich optimal an unterschiedliche Situationen anzupassen.
Finger werden zu Beinen
Wird die Hand vom Arm getrennt, übernehmen die Finger eine neue Rolle: Sie dienen als Beine. So kann sich die Roboterhand eigenständig fortbewegen, dabei das Gleichgewicht halten und sogar mehrere Gegenstände gleichzeitig transportieren. Laut den Forschenden geschieht das kontrolliert und stabil – ein entscheidender Faktor für den praktischen Einsatz.
Große Chancen für Industrie, Logistik und Rettungseinsätze
Die möglichen Anwendungsbereiche sind vielfältig. Besonders in Industrie und Logistik könnte die Technologie Vorteile bringen, etwa in dicht bestückten Regalen oder auf Werkbänken, die für klassische Roboterarme schwer zugänglich sind. Darüber hinaus sehen die Wissenschafter großes Potenzial bei Inspektions-, Erkundungs- und Rettungseinsätzen. In engen, unübersichtlichen oder gefährlichen Umgebungen – etwa nach Unfällen, in technischen Anlagen oder beschädigten Gebäuden – könnte die abgekoppelte Roboterhand als kleiner, beweglicher „Erkunder“ eingesetzt werden, während der Roboterarm an einem sicheren Ort bleibt.
Fazit
Was zunächst nach Science-Fiction klingt, ist ein realer Durchbruch in der Robotik. Die krabbelnde Roboterhand aus Lausanne zeigt, wie flexibel und vielseitig künftige Robotersysteme sein könnten – und eröffnet neue Möglichkeiten für Einsätze, bei denen herkömmliche Technik an ihre Grenzen stößt.
(fd)