Schule: Latein-Kürzung geplant

Prominenter Widerstand

(04.02.2026) Das Bildungsministerium will Lateinstunden kürzen, um mehr KI in den Unterricht zu bringen. Mehrere Nobelpreisträger leisten Widerstand.

Weniger Latein, mehr KI

Bildungsminister Christoph Wiederkehr (NEOS) will in der AHS-Oberstufe den Unterricht zu künstlicher Intelligenz, Medien und Demokratiebildung ausbauen. Dafür sollen Lateinstunden beziehungsweise Stunden der zweiten lebenden Fremdsprache gestrichen werden. Über alle vier Oberstufenjahre hinweg sollen statt 12 Unterrichtstunden lediglich acht stattfinden. Konkret betrifft das laut Bildungsressort geschätzte 20 Prozent der rund 360 AHS-Standorte, die keine autonomen Stundentafeln nutzen. Jedes Gymnasium könne aber nach wie vor mit 3 bis 4 Stunden pro Jahrgang eigene Schwerpunkte setzen. Latein könne also weiterhin im gewohnten Maß angeboten werden. Wiederkehr sieht sich selbst eine "Schutzfunktion" innehaben: Schüler müssten fit für die Zukunft gemacht werden, ohne sie mit immer mehr Inhalten zu überfordern.

Prominenter Widerstand

Prominente aus Kunst, Kultur und Wissenschaft sprechen sich klar gegen den Plan des Bildungsministerium aus. Darunter finden sich die Nobelpreisträger Peter Handke, Elfriede Jelinek und Anton Zeilinger sowie Alt-Bundespräsident Heinz Fischer. "Wer Latein marginalisiert, schwächt bewusst jene Fähigkeiten, die eine demokratische Gesellschaft dringend braucht: strukturiertes Denken, sprachliche Präzision, historische Urteilskraft", heißt es in der Petition. Kein Unterrichtsstoff würde gestrichen werden, sondern Denkfähigkeit. Historisch und logisch geschultes Denken sei notwendig, damit KI nicht zur "Black Box für Unmündige" werde. Neben dem Erhalt des Fachs Latein fordert die Petition außerdem den Ausbau der Literatur in Lehrplänen und Sprachunterricht. Bereits zuvor hatte auch die ÖVP-nahe Lehrervertretung die neue Latein-Maßnahme kritisiert.

Bevölkerung unterstützt schulische Neuerungen

Bei einer Umfrage im Jänner haben sich 83 Prozent der Schüler und 74 Prozent der Eltern für eine Kürzung von bestehenden Lehrinhalten ausgesprochen, wenn dadurch Platz für neue Themen geschaffen wird. Auch 71 Prozent der Lehrkräfte stimmen dem zu. Laut Meinungsforscher Peter Hajek finden sich unter den AHS-Oberstufenlehrern allerdings vergleichsweise viele Stimmen für ein Aufstocken der Stunden. Die Umfrage wurde vor Bekanntwerden der Pläne des Bildungsministeriums mit 45.000 Befragten durchgeführt.

(APA/AD)

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