Sonntagsöffnung für Geschäfte?
Touri-Shopping nach ESC?
(18.03.2026) Rund um den Eurovision Song Contest könnte Wien nicht nur zur Musik-Hauptstadt Europas werden, sondern auch zum Testfeld für eine alte politische Forderung: Die Wiener ÖVP will Geschäfte in touristischen Zonen auch am Sonntag öffnen lassen. Doch der Vorstoß sorgt bereits jetzt für Kritik.
ESC als „idealer Zeitpunkt“ für Öffnung
Für ÖVP-Landesparteiobmann Markus Figl ist der Songcontest die perfekte Gelegenheit, um den Handel anzukurbeln. Die vielen internationalen Gäste sollen nicht nur feiern, sondern auch einkaufen können – und das auch am Sonntag. Geplant ist ein Testlauf an zwei Tagen im Mai: zu Christi Himmelfahrt und am darauffolgenden Sonntag. Damit würde genau in jener Phase geöffnet, in der besonders viele Besucher in der Stadt erwartet werden.
Wie genau die Sonntagsöffnung aussehen könnte, ist derzeit allerdings noch unklar. Welche Geschäfte teilnehmen dürfen, wie lange geöffnet wird und welche Zonen konkret betroffen sind, wurde noch nicht festgelegt. Klar ist nur: Der Fokus liegt auf stark frequentierten Tourismusgebieten. Der Antrag soll demnächst erneut im Gemeinderat eingebracht werden – es wäre bereits der fünfte Versuch der ÖVP, dieses Thema durchzusetzen.
Appell an die Stadtregierung
Mit ihrem Vorschlag richtet sich die ÖVP direkt an die Wiener SPÖ-Spitze rund um Bürgermeister Michael Ludwig und Stadträtin Barbara Novak. Sie sollen grünes Licht für den Testlauf geben. Gleichzeitig betont Figl, dass eine Umsetzung nur gemeinsam mit den Sozialpartnern erfolgen dürfe. Eine Entscheidung „über die Köpfe der Betroffenen hinweg“ lehnt die Partei ab.
Gewerkschaft spricht von „Showpolitik“
Doch genau an diesem Punkt kommt deutlicher Gegenwind. Die Gewerkschaft GPA zeigt sich irritiert über den Vorstoß und stellt klar, dass es bisher keinerlei Gespräche gegeben habe. Für sie wirkt die Forderung daher wie ein politisches Manöver. Von „Showpolitik auf dem Rücken der Beschäftigten“ ist die Rede. Besonders kritisch sieht die Gewerkschaft die Auswirkungen auf die Arbeitnehmer im Handel. Diese würden ohnehin bereits unter hohem Arbeitsdruck stehen und hätten oft wenig Planungssicherheit. Eine zusätzliche Öffnung an Sonn- und Feiertagen könnte diese Situation weiter verschärfen.
Die Frage nach Sonntagsöffnungen ist in Österreich seit Jahren umstritten. Der ESC bringt nun neuen Schwung in die Diskussion, weil hier wirtschaftliche Interessen und soziale Aspekte direkt aufeinandertreffen. Während die ÖVP auf zusätzliche Einnahmen und Impulse für den Handel setzt, warnen Kritiker davor, dass der Preis dafür von den Beschäftigten bezahlt wird.
Der Eurovision Song Contest wird damit nicht nur ein musikalisches Großereignis, sondern auch ein politischer Prüfstein. Ob es tatsächlich zu geöffneten Geschäften am Sonntag kommt, ist noch offen – sicher ist aber: Die Debatte darüber wird Wien noch länger beschäftigen.
(fd/apa)