Soziale Kipppunkte?
Caritas warnt vor Kürzungen
(02.02.2026) Besonders Einschnitte bei den Familienleistungen und der Sozialhilfe führen zu sozialen "Kipppunkten", die es so bisher nie gegeben hat. Das ist ein Statement! Die Caritas begrüßt grundsätzlich den begünstigten Mehrwertsteuer-Satz auf Lebensmittel, sieht Menschen mit geringem Einkommen aber dadurch nicht wirklich entlastet. Von der Regierung beschlossene Kürzungen seien weitaus bedrohlicher für armutsbetroffene Menschen, so Präsidentin Nora Tödtling-Musenbichler im APA-Interview.
"Die Senkung der Mehrwertsteuer, gerade für Produkte des alltäglichen Lebens, ist sicher eine Entlastung, gerade für armutsbetroffene Familien", meint Tödtling-Musenbichler zur jüngsten Regierungsmaßnahme. Ersparnisse zwischen 80 und 100 Euro im Jahr würden auf den ersten Blick zwar nach wenig klingen. Allerdings handle es sich um eine "kleine Maßnahme, die gerade für jene notwendig ist, die jetzt wirklich um ihre Existenz kämpfen müssen". Für Menschen mit wenig bis gar keinem Einkommen würde die Senkung "wieder ein Stück weit Freiheit" bedeuten.
Warnung vor gesellschaftlicher "Klimakrise"
Dem gegenüber stehen laut der Caritas-Präsidentin aber "sehr hohe Kürzungen, die dazu führen, dass ein großes Loch für gerade jene Menschen entsteht, die wirklich am Ende des Monats kein Geld mehr zur Verfügung haben". Sorge bereitet Tödtling-Musenbichler, dass es auf der anderen Seite zu noch mehr Einschnitten bei Sozial- und Familienleistungen kommt. "Wir erleben auch, dass das wirklich soziale Kipppunkte sind, wo wir an der Grenze stehen. Diese bedeuteten einen "Kipppunkt hin zu einer sozialen oder gesellschaftlichen Klimakrise".
Essenziell aus dem Blickwinkel der Caritas ist, gerade in diesen Zeiten von Budgetkonsolidierung nicht bei den Ärmsten zu sparen, betont Tödtling-Musenbichler ein weiteres Mal. Daher brauche es ein Schutzpaket, das Existenz sichert, Kinder schützt und Chancen sichert. Gerade Frauen und Kindern müsste eine Perspektive geboten werden, dass diese ohne Armut aufwachsen können - "weil Armut wird vererbt". Konkret bedeute das eine Valorisierung der Familienleistungen, die derzeit ausgesetzt ist. Gerade Familien mit mehr Kindern würden dadurch Hunderte Euro weniger bekommen, "und das ist eine große Gefahr". Oft gehe dies auf Kosten der Bildung.
Appell an Bund und Länder wegen Ukraine-Vertriebenen
Eine der jüngsten Maßnahmen der Caritas betrifft die Unterbringung von aus der Ukraine vertriebenen Menschen in Wiener Pfarren angesichts fehlender staatlicher Unterkünfte. "Ich setze hier wirklich einen großen Appell an Bund und Länder, ihre Verantwortung wahrzunehmen", so die Caritas-Präsidentin. "Wir reden hier von Menschen aus einem Kriegsgebiet, wo jeden Tag Häuser zerbombt werden, wo Kinder wirklich in Schutzkellern leben." Die Caritas-Präsidentin erinnert in diesem Zusammenhang an das Bekenntnis der politisch Verantwortlichen, "und ich glaube, das muss nach dem vierten Winter einfach aufrechterhalten bleiben".
(fd/apa)