Spritpreise: Bremse zu früh??
Regierung zögert
(09.03.2026) Der eskalierende Krieg im Nahen Osten sorgt weltweit für Turbulenzen an den Finanzmärkten – und trifft nun auch Autofahrer in Österreich direkt. Der Ölpreis sprang zeitweise auf fast 120 Dollar pro Fass, die Börsen reagierten mit deutlichen Verlusten, und an den heimischen Tankstellen klettern die Preise spürbar nach oben. Gleichzeitig sorgt eine Aussage der Politik für Kritik: Ein Eingriff in die Spritpreise sei derzeit „zu früh“.
Ölpreis-Schock durch Krieg im Nahen Osten
Der Konflikt zwischen Israel, dem Iran und deren Verbündeten hat den globalen Energiemarkt erschüttert. Allein zu Wochenbeginn stieg der Preis für die wichtige Rohölsorte Brent zeitweise um bis zu 29 Prozent, bevor er wieder etwas nachgab. Solche geopolitischen Spannungen führen regelmäßig zu starken Preisschwankungen, weil Händler Lieferausfälle oder Blockaden wichtiger Handelsrouten befürchten.
Besonders kritisch ist dabei die Straße von Hormus – eine der wichtigsten Öltransportrouten der Welt. Drohungen oder Angriffe in dieser Region lassen die Preise sofort steigen, selbst wenn noch keine tatsächlichen Lieferausfälle vorliegen.
Spritpreise steigen auch in Österreich deutlich
Die Auswirkungen sind bereits an den heimischen Zapfsäulen sichtbar. Laut aktuellen Daten kostete zuletzt ein Liter Diesel im Schnitt rund 1,74 Euro, Superbenzin etwa 1,64 Euro pro Liter. Innerhalb nur einer Woche verteuerte sich Diesel um rund 17 Cent, Super um etwa 12 Cent.
Auch längerfristige Daten zeigen: Der Preisschock kommt schnell. In Österreich können die Literpreise binnen weniger Tage um mehrere Cent steigen, sobald der Ölpreis an den internationalen Märkten nach oben schießt.
Kritik: Preisanstieg schneller als Ölpreis
Der Mobilitätsclub ÖAMTC äußert Zweifel an der Geschwindigkeit der Preissteigerungen. Der aktuelle Rohölpreis liege ungefähr auf einem Niveau wie Anfang 2025 – damals waren die Preise an der Zapfsäule jedoch deutlich niedriger.
Auch die Arbeiterkammer kritisiert seit Jahren ein bekanntes Muster:
Steigende Rohölpreise werden sehr schnell an Autofahrer weitergegeben – sinkende Preise hingegen oft nur langsam.
Warum die Regierung derzeit nicht eingreifen will
Trotz der wachsenden Kritik hält sich die Politik derzeit zurück. Mehrere Gründe werden genannt:
- Unsichere Lage am Ölmarkt
Der Preisanstieg ist vor allem durch geopolitische Risiken getrieben. Solange unklar ist, wie sich der Krieg entwickelt, wollen viele Regierungen keine kurzfristigen Eingriffe vornehmen. - Struktur des Spritpreises
Ein großer Teil des Literpreises besteht aus fixen Abgaben. In Österreich entfallen mehr als 50 Prozent des Preises auf Steuern und Abgaben, etwa Mineralölsteuer, CO₂-Preis und Mehrwertsteuer. - EU-Marktregeln
Staatliche Preisdeckel oder direkte Eingriffe gelten als schwierig, weil Kraftstoffpreise stark vom internationalen Markt abhängig sind.
Besonderheit in Österreich: Preisregeln an Tankstellen
Ganz unreguliert ist der Markt jedoch nicht. Seit 2011 gilt in Österreich eine spezielle Regel:
Tankstellen dürfen Preise nur einmal täglich – um 12 Uhr – erhöhen, während Senkungen jederzeit möglich sind. Ziel ist mehr Transparenz für Konsumenten.
Politische Forderungen nach Steuersenkungen
Oppositionsparteien fordern dennoch rasche Maßnahmen. Diskutiert werden vor allem:
- Senkung der Mineralölsteuer
- Abschaffung der CO₂-Abgabe
- Reduktion der Mehrwertsteuer auf Treibstoffe
Doch bislang sieht die Regierung dafür keinen unmittelbaren Handlungsbedarf – und verweist darauf, dass die Situation am Energiemarkt noch zu volatil sei. Der Krieg im Nahen Osten zeigt erneut, wie stark globale Konflikte die Energiepreise beeinflussen. Während der Ölpreis weltweit nach oben schießt, spüren auch österreichische Autofahrer die Folgen an der Zapfsäule. Ob und wann die Politik eingreifen wird, bleibt offen. Klar ist jedoch: Solange der Konflikt andauert, könnten Benzin- und Dieselpreise weiterhin stark schwanken.
(fd)