STMK: Zugbeleiter attackiert
Zug-Polizei gefordert!
(11.02.2026) Ein brutaler Zwischenfall in der Steiermark sorgt für Aufregung – und bringt die Debatte um Sicherheit in Zügen erneut ins Rollen: Ein betrunkener Fahrgast ohne Ticket hat am Montag gleich zwei Zugbegleiter attackiert, eine 52-Jährige wurde dabei schwer verletzt. Nun fordert die Gewerkschaft vida drastische Maßnahmen – bis hin zur Einführung einer „Eisenbahnpolizei“.
Betrunkener stößt Zugbegleiterin nieder
Laut Polizei waren ein 41-jähriger Slowake und sein 33-jähriger polnischer Freund am Montagmittag in Graz in einen Zug Richtung Leibnitz gestiegen. Bereits kurz nach der Abfahrt wurden sie kontrolliert – beide konnten keine Fahrscheine vorweisen. Der 41-Jährige reagierte aggressiv, bedrohte den 32-jährigen Zugbegleiter verbal. Die Männer stiegen schließlich am Bahnhof Graz-Puntigam aus.
Doch damit war der Vorfall nicht vorbei.
Kurz nach 14 Uhr tauchten die beiden Männer laut Ermittlern am Bahnhof Hengsberg (Bezirk Leibnitz) wieder auf. Eine 52-jährige Zugbegleiterin eines anderen Zuges erkannte die Situation – sie war bereits über den Vorfall von Graz informiert – und verweigerte den Männern den Einstieg. Der 41-Jährige soll daraufhin völlig ausgerastet sein und die Frau im Einstiegsbereich attackiert haben. Sie stürzte zu Boden und erlitt eine schwere Verletzung am Bein. Die Zugbegleiterin wurde vom Roten Kreuz ins LKH Südsteiermark nach Wagna gebracht.
Flucht auf Hochsitz – Polizei nahm 41-Jährigen fest
Nach der Attacke flüchteten die beiden Männer. Die Polizei leitete eine Fahndung ein – mit Erfolg: Eine Zivilstreife entdeckte rund 150 Meter vom Bahnhof entfernt eine Person auf einem Jägerhochsitz. Tatsächlich hatten sich dort beide Männer versteckt. Der 41-Jährige wurde festgenommen und ins Polizeianhaltezentrum Graz gebracht. Er verweigerte die Aussage und befindet sich in Haft. Sein 33-jähriger Begleiter wurde freigelassen – gegen ihn lag laut Polizei kein konkreter Tatverdacht vor. In Deutschland hat erst vor wenigen Tagen ein Angriff einem Zugbeleiter das Leben gekostet.
Nach dem Angriff in der Steiermark fordert die Gewerkschaft vida nun ein deutlich härteres Sicherheitskonzept. Vorsitzender Roman Hebenstreit verlangt die Einführung einer „Eisenbahnpolizei“ sowie eine personelle Doppelbesetzung in Zügen – vor allem abends und auf „kritischen Linien“.
„Wir können nicht länger zusehen, wie unsere Kolleginnen und Kollegen täglich ihre Gesundheit und im schlimmsten Fall ihr Leben riskieren“, erklärte Hebenstreit.
Anlass seien unter anderem die Attacke in der Steiermark – aber auch ein tödlicher Angriff in Deutschland.
ÖBB: Runder Tisch mit Ministerien nächste Woche
Die ÖBB reagieren auf die Debatte und erklären, dass ein Runder Tisch bereits in Vorbereitung sei. Dieser solle Mitte kommender Woche stattfinden – mit Einbindung betroffener Berufsgruppen sowie zuständiger Ministerien. Auch unsere deutschen Nachbarn suchen nach Lösungen.
„Über allfällige Ergebnisse werden wir zeitnah berichten“, teilten die ÖBB in einem Mail mit.
Die Bahn verweist außerdem auf bereits bestehende Maßnahmen, darunter:
- Deeskalations-Schulungen für Personal
- Bodycams
- Schwerpunktaktionen
- Begleitung durch Polizei oder Sicherheitsdienste
- Fair-Play-Kampagnen für respektvollen Umgang
Gleichzeitig räumen die ÖBB ein:
„Fakt ist, dass es angepasste Strategien im Umgang mit dem gestiegenen Aggressionspotenzial im öffentlichen Raum braucht.“
(fd/apa)