Stocker will billige Energie
Forderung bei EU-Gipfel
(19.03.2026) Beim EU-Gipfel in Brüssel macht Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP) Druck: Die Energiepreise in Europa – und damit auch in Österreich – müssten dringend gesenkt werden. Nationale Maßnahmen allein würden nicht ausreichen.
Stocker: „Brauchen europäische Lösungen“
Zu Beginn des Gipfels betonte der Kanzler, dass Österreich zwar bereits reagiert habe – etwa mit der geplanten Senkung der Spritpreise um rund 10 Cent pro Liter. Doch das sei nur ein erster Schritt. „Es braucht auch europäische Lösungen“, so Stocker. Die Entwicklung der Energiepreise sei entscheidend für die Wettbewerbsfähigkeit der gesamten EU – und besonders für Österreich.
Problem Strompreise: Grüne Energie wird teuer gemacht
Ein zentraler Kritikpunkt des Kanzlers ist das aktuelle Strompreissystem in Europa.
Obwohl Österreich rund 90 Prozent seines Stroms aus erneuerbaren Energien erzeugt, richtet sich der Preis nach dem teuersten Kraftwerk – meist Gaskraftwerken. Dieses sogenannte Merit-Order-System führt dazu, dass auch günstige, grüne Energie plötzlich teuer wird. Stocker fordert daher Änderungen auf EU-Ebene. Sollte das System nicht reformiert werden, müsse zumindest der Gaspreis gesenkt werden, da dieser maßgeblich den Strompreis bestimmt.
Industrie entlasten: Gratiszertifikate verlängern
Ein weiteres zentrales Thema sind die CO₂-Zertifikate im EU-Emissionshandel (ETS). Gemeinsam mit mehreren EU-Staaten fordert Österreich, dass die Gratiszertifikate für die Industrie über 2034 hinaus verlängert werden. Diese würden Unternehmen spürbar entlasten – gerade in Zeiten steigender Energiepreise. Zusätzlich will Österreich erreichen, dass der Einfluss des Gaspreises auf die Zertifikate reduziert wird. Auch zum Nahostkonflikt hat der Bundeskanzler eine klare Meinung.
„Österreich-Aufschlag“ soll fallen
Ein Erfolg zeichnet sich laut Stocker bereits ab: Der sogenannte „Österreich-Aufschlag“ – also höhere Preise für viele Markenprodukte im Vergleich zu anderen EU-Ländern – könnte bald Geschichte sein. Die EU-Kommission soll bis Ende 2026 Vorschläge vorlegen, um Lieferbeschränkungen im Binnenmarkt abzubauen. Damit sollen Preisunterschiede zwischen den Ländern reduziert werden.
Energiekrise durch Nahost-Konflikt verschärft
Überschattet wird der Gipfel von der internationalen Lage.
Die Sperre der Straße von Hormus, durch die rund 20 Prozent des weltweiten Ölhandels laufen, sorgt für zusätzliche Unsicherheit.
Für Stocker stehen dabei zwei Punkte im Fokus:
👉 Versorgungssicherheit
👉 stabile Energiepreise
Ein militärisches Eingreifen lehnt Österreich mit Verweis auf seine Neutralität ab.
Auch Kritik an Orbán-Blockade
Mit Blick auf die blockierte Ukraine-Hilfe durch Ungarns Premier Viktor Orbán äußerte Stocker ebenfalls Kritik. Beschlüsse dürften nicht aus innenpolitischen Gründen blockiert werden.
Fazit: Österreich drängt auf EU-weite Lösungen
Der EU-Gipfel zeigt: Die Energiepreise bleiben eines der zentralen Themen für Europa. Für Österreich ist klar: Ohne gemeinsame Maßnahmen auf EU-Ebene wird es schwierig, die Preise langfristig zu stabilisieren und die Wettbewerbsfähigkeit zu sichern.
(fd/apa)