Strabag mit 146 Mille Strafe
Höchste Kartellstrafe ever
(11.03.2026) Das Wiener Kartellgericht hat gegen den Baukonzern Strabag eine Rekordstrafe verhängt. In der Baukartell-Causa wurde der Kronzeugenstatus aberkannt, wodurch sich die Geldbuße von ursprünglich 45,4 Millionen Euro auf 146 Millionen Euro erhöhte. Die Bundeswettbewerbsbehörde (BWB) hatte diese Erhöhung beantragt. Es handelt sich um die höchste Kartellstrafe, die jemals in Österreich verhängt wurde.
Baukartell „größtes Kartell der Zweiten Republik“
Für die Wettbewerbshüter markiert der Fall einen historischen Kartellskandal. BWB-Generaldirektorin Natalie Harsdorf sprach nach der Verhandlung vom „größten Kartell der Zweiten Republik“. Insgesamt waren mehr als 20 Bauunternehmen in die Absprachen involviert.
Mit Abschluss des Strabag-Verfahrens sind nun alle Baukartellverfahren beendet. Insgesamt summieren sich die verhängten Kartellstrafen auf rund 300 Millionen Euro, so die Wettbewerbsbehörde.
Strabag akzeptiert Vergleich
Die Strabag akzeptierte den erhöhten Strafantrag der BWB im Rahmen eines Settlements vor dem Kartellgericht in Wien. In einer Stellungnahme erklärte der Baukonzern, man habe sich nach „eingehender Bewertung der Sach- und Rechtslage“ für diese Lösung entschieden, um ein weiteres langwieriges Gerichtsverfahren zu vermeiden. Das Unternehmen betonte zugleich, man habe umfassend mit der Bundeswettbewerbsbehörde kooperiert und wesentlich zur Aufklärung beigetragen. Trotz der deutlich höheren Strafe hält der Baukonzern an seinen Ergebnisprognosen für 2025 und 2026 fest. Die Strabag-Aktie blieb nach Bekanntgabe der Entscheidung stabil bei rund 90 Euro.
Kronzeugenstatus aberkannt
Die Strafe wurde erhöht, weil die Strabag laut BWB nicht vollständig ihrer Kooperationspflicht als Kronzeuge nachgekommen ist. Neue Beweise führten dazu, dass das Verfahren – trotz bereits verhängter Millionenstrafe – nach einer Entscheidung des Obersten Gerichtshofs (OGH) im Jahr 2023 erneut aufgerollt wurde.
Vor Gericht räumten Strabag-Anwälte schließlich ein, dass Hinweise auf mögliche Absprachen bei drei Bauprojekten im Rahmen des Kronzeugenprogramms nicht gemeldet wurden.
Tausende Bauprojekte betroffen
Das Baukartell betraf laut Wettbewerbsbehörde tausende Bauprojekte im Hoch- und Tiefbau in ganz Österreich, darunter auch Straßenbauprojekte. Geschädigt wurden sowohl öffentliche Auftraggeber wie Gemeinden und staatliche Stellen als auch private Bauherren.
Aufgedeckt wurde das Kartell im Jahr 2016, als Ermittler bei der Kärntner Baufirma Kostmann – später selbst Kronzeugin – einen Ordner mit detaillierten Aufzeichnungen über Preisabsprachen fanden.
Mehr als 20 Baufirmen bestraft
Neben der Strabag mussten auch andere große Bauunternehmen hohe Geldbußen zahlen:
- Porr: 62,4 Millionen Euro
- Swietelsky: 27,2 Millionen Euro
- Habau Group: 26,3 Millionen Euro
Zuvor galt die 70-Millionen-Euro-Strafe gegen die Rewe-Gruppe (Billa) als höchste Kartellstrafe in Österreich. Mit 146 Millionen Euro gegen die Strabag wird dieser Rekord nun deutlich übertroffen.
(fd/apa)