USA drohen Grönland
"Aufs Schlimmste vorbereiten"
(06.01.2026) Ein ranghoher Vertreter des Weißen Hauses hat den US-Anspruch auf die Kontrolle über das zu Dänemark gehörende Grönland als "offizielle Position der US-Regierung" beschrieben. Auf die wiederholte Frage eines CNN-Moderators, ob die Regierung einen Militäreinsatz zur Einnahme Grönlands ausschließe, sagte US-Präsident Donald Trumps Vize-Stabschef Stephen Miller: "Niemand wird wegen der Zukunft Grönlands militärisch gegen die Vereinigten Staaten kämpfen. Das macht keinen Sinn."
Die USA sollten Grönland als Teil der Vereinigten Staaten "haben", betonte Miller. Der Präsident habe dies seit Beginn seiner Amtszeit vor knapp einem Jahr sehr klargemacht. Es gebe dabei überhaupt keinen Bedarf, über einen Militäreinsatz nachzudenken, sagte Miller CNN weiter. Die USA seien die wichtigste Militärmacht der NATO und bräuchten daher die Kontrolle über Grönland, um die Arktisregion zu sichern und damit die Sicherheit des Verteidigungsbündnisses zu garantieren, argumentierte er.
Miller stellte auch infrage, wieso das autonom verwaltete Grönland überhaupt offiziell zum NATO-Partner Dänemark gehört. "Nach welchem Recht hat Dänemark die Kontrolle über Grönland? Was ist die Grundlage ihres Gebietsanspruchs? Was ist die Grundlage dafür, Grönland als eine Kolonie Dänemarks zu haben?", fragte er in dem CNN-Interview.
Grönländerin über Trumps Drohungen: "Das macht mich rasend!"
Auf den Straßen der grönländischen Hauptstadt Nuuk waren die erneuten Drohungen aus den USA Gesprächsthema Nummer eins. "Das ist so respektlos, dass sie glauben, dass sie einfach unser Land übernehmen können", sagte die Grönländerin Mia Schmidt dem dänischen Rundfunk. "Das macht mich rasend!"
Viele Grönländer sagten dem Sender DR, sie seien nun noch beunruhigter als zuvor. "Das ist ein klares Signal der USA, dass sie darauf bestehen, die Kontrolle über Grönland zu übernehmen", sagte Jesper Müller aus Nuuk.
"Müssen uns auf das Schlimmste vorbereiten"
Die grönländische Politikerin Aaja Chemnitz sitzt für ihr Land im dänischen Parlament. Sie sagte: "Wir müssen uns auf das Schlimmste vorbereiten und das Beste hoffen." Auch dänische Politiker meldeten sich nach den neuen Drohungen zu Wort. "Ich habe immer noch nicht die Fantasie, mir vorzustellen, dass die USA eine militärische Invasion in Grönland in Erwägung ziehen", sagte der liberale Politiker Martin Lidegaard dem dänischen Rundfunk. "Aber sie rasseln mit dem Säbel und deuten es an. Und das ist inakzeptabel."
Grönland ist ein autonom verwaltetes Gebiet in der Arktis und gehört zum Königreich Dänemark. Trump hatte bereits in seiner ersten Amtszeit Besitzansprüche auf Grönland angemeldet. Damals hatten viele Menschen in Dänemark dies noch als Scherz aufgefasst. Kurz vor Beginn seiner zweiten Amtszeit hatte Trump Grönland wieder zum Thema gemacht. Seitdem droht er immer wieder mit einer Übernahme der Arktisinsel
(APA/CD)