Verbrenner-Aus ab 2035?
DE und FR mit Kompromiss?
(16.10.2026) Das geplante Verbrenner-Aus in der EU steht vor einer entscheidenden Wende. Deutschland und Frankreich haben sich offenbar auf einen Kompromiss verständigt, der den Verkauf neuer Benzin- und Dieselautos auch nach 2035 ermöglichen könnte. Für die europäische Autoindustrie wäre das eine weitreichende Änderung.
Deutschland und Frankreich mit Kompromiss
Im Streit um das EU-weite Verbrenner-Aus ab 2035 zeichnet sich eine politische Einigung ab. Bundeskanzler Friedrich Merz und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron wollen die bisherigen Klimavorgaben für neue Autos deutlich lockern. Frankreich hatte sich lange gegen eine Abschwächung ausgesprochen, kommt Deutschland nun aber offenbar entgegen.
Im Gegenzug unterstützt Deutschland strengere Vorgaben zur Förderung europäischer Fahrzeuge. Damit sollen die heimischen Autobauer gestärkt und Arbeitsplätze in der europäischen Automobilindustrie geschützt werden.
Verbrenner könnten auch nach 2035 verkauft werden
Nach den derzeit geltenden EU-Regeln müssen die durchschnittlichen CO₂-Emissionen neuer Pkw ab 2035 um 100 Prozent gegenüber 2021 sinken. Das kommt einem weitgehenden Verkaufsstopp für neue Fahrzeuge mit klassischen Verbrennungsmotoren gleich.
Die EU-Kommission hatte bereits im Dezember 2025 vorgeschlagen, dieses Ziel auf eine Reduktion von 90 Prozent abzuschwächen. Die verbleibenden zehn Prozent sollten allerdings durch Maßnahmen wie den Einsatz von klimafreundlichem Stahl, E-Fuels oder Biokraftstoffen ausgeglichen werden.
Der deutsch-französische Kompromiss geht nun offenbar noch weiter: Autohersteller sollen die verbleibenden Emissionen nicht mehr vollständig kompensieren müssen. Dadurch könnten auch nach 2035 neue Benzin- und Dieselautos zugelassen werden.
Neue Kaufprämien: Förderung für Autos aus Europa
Ein wichtiger Bestandteil der Einigung betrifft die staatliche Förderung von Elektroautos. Frankreich fordert schon länger, dass öffentliche Fördergelder vor allem Fahrzeugen aus europäischer Produktion zugutekommen.
Deutschland zeigt sich nun bereit, solche „Made in Europe“-Regeln zu unterstützen. Staatliche Kaufprämien und öffentliche Aufträge sollen stärker an die europäische Herkunft von Fahrzeugen geknüpft werden. Auch Großbritannien könnte unter bestimmten Bedingungen einbezogen werden.
Damit wollen beide Länder die europäische Autoindustrie gegen die wachsende Konkurrenz aus China absichern. Besonders chinesische Elektroautohersteller setzen europäische Marken zunehmend unter Druck.
Autoindustrie unter Druck
Die geplanten Änderungen sollen Herstellern wie Volkswagen, BMW, Mercedes-Benz, Renault und Stellantis mehr Flexibilität beim Umstieg auf Elektromobilität verschaffen. Gleichzeitig sollen Produktionsstandorte und Arbeitsplätze in Europa gesichert werden.
Kritik kommt hingegen von Umweltverbänden und Teilen der Politik. Sie warnen davor, dass eine weitere Lockerung der CO₂-Vorgaben den Klimaschutz im Verkehrssektor schwächen und die langfristige Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Autoindustrie gefährden könnte.
Ist das Verbrenner-Aus ab 2035 jetzt endgültig vom Tisch?
Nein, eine endgültige Entscheidung gibt es noch nicht. Deutschland und Frankreich haben sich nach übereinstimmenden Medienberichten auf eine gemeinsame politische Linie verständigt. Die geplante Lockerung muss aber erst auf EU-Ebene beschlossen werden. Dafür sind die Zustimmung des Europäischen Parlaments und des EU-Rats erforderlich.
Für Autofahrer in Österreich, Deutschland und der gesamten EU bedeutet das zunächst keine unmittelbare Änderung. Bereits zugelassene Benzin- und Dieselautos dürfen ohnehin auch nach 2035 weitergefahren werden.
Sollte der neue Kompromiss tatsächlich umgesetzt werden, könnten künftig aber auch Neuwagen mit Verbrennungsmotor nach 2035 weiterhin auf den europäischen Markt kommen. Das ursprünglich geplante Verbrenner-Aus wäre damit deutlich entschärft.
(fd/apa)