Wahlärzte: Honorarobergrenzen?
SPÖ mit Forderung!
(03.03.2026) Gesundheitsministerin Korinna Schumann (SPÖ) bringt neue Maßnahmen zur Regulierung von Wahlarzt-Honoraren in Österreich ins Spiel. Im Fokus stehen mehr Preistransparenz, mögliche Honorarobergrenzen nach deutschem Vorbild sowie die Veröffentlichung von Musterhonoraren durch die Ärztekammer.
Wahlarzt-System belastet Patienten finanziell
Schumann bekräftigte im Interview mit der „Krone“ das Ziel, Wahlärzte stärker in die öffentliche Gesundheitsversorgung einzubinden. Hintergrund ist der anhaltende Rückgang von Kassenärzten und die steigende Zahl an Wahlärzten.
„Ich möchte nicht, dass eine Familie überlegen muss, wie sie die Behandlung ihres Kindes finanzieren kann“, so die Ministerin.
Das Problem: Patienten müssen beim Wahlarzt die Behandlung zunächst vollständig selbst bezahlen. Rückerstattet werden von der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK) zwar 80 Prozent – allerdings nur vom deutlich niedrigeren Kassentarif, nicht vom tatsächlichen Wahlarzt-Honorar.
Allein im Vorjahr wurden laut Schumann 766 Millionen Euro an Wahlarzt-Honoraren zur Refundierung eingereicht.
Honorar-Deckel und Musterpreise im Gespräch
Die Ministerin zeigte sich offen für variable Honorarobergrenzen, wie sie in Deutschland existieren. Zudem brachte sie die Möglichkeit ins Spiel, dass die Ärztekammer Musterhonorare veröffentlicht, ähnlich wie bei Rechtsanwälten. Das Problem ist nicht neu.
Ein weiterer SPÖ-Vorschlag sieht vor, dass Wahlärzte künftig 10 bis 15 Prozent ihrer Kapazitäten für Kassenpatienten reservieren und dafür nur den Kassentarif verrechnen.
Unterschiedliche Reaktionen aus Politik und Gesundheitswesen
ÖGK sendet gemischte Signale
Innerhalb der Österreichischen Gesundheitskasse gibt es unterschiedliche Positionen:
- Obmann Peter McDonald (ÖVP) lehnt staatliche Preisvorgaben für Privatärzte ab.
- Co-Obmann Andreas Huss (SPÖ) unterstützt hingegen Transparenzregeln und strukturelle Obergrenzen.
Koalitionspartner bremsen
Die ÖVP verweist auf die geplante Gesundheitsreform und betont, dass alle Maßnahmen in der Reformpartnerschaft besprochen werden müssten. Ziel sei vor allem, mehr Ärzte ins Kassensystem zu bringen. Die NEOS sprechen sich ebenfalls dafür aus, die Kassenversorgung attraktiver zu machen, statt primär an Honorardeckeln anzusetzen. Seit 2023 schon gibt es immer wieder Kritik zu fehlenden Kassenärzten, da die Honorare der ÖGK für sie zu wenig attraktiv sind. Wahlärzte sind teuer, aber springen in die Bresche.
Grüne und Gewerkschaft GPA signalisieren Unterstützung für mehr Transparenz und leistbare Behandlungen.
Ärztekammer und FPÖ klar dagegen
Deutliche Kritik kommt von der Ärztekammer. Präsident Johannes Steinhart bezeichnete Honorarobergrenzen als „populistische Symbolpolitik“. Das eigentliche Problem sei der Mangel an Kassenstellen, Unterfinanzierung und Bürokratie. Auch die FPÖ lehnt die Pläne strikt ab. Gesundheitssprecher Gerhard Kaniak sprach von einem „kommunistischen Anschlag“ auf die freie Arztwahl.
Debatte um Zukunft des Wahlarzt-Systems
Die Diskussion um Wahlarzt-Honorare, Kassensystem und Gesundheitsreform in Österreich dürfte damit weiter an Fahrt aufnehmen. Während die SPÖ auf Regulierung und Transparenz setzt, warnen Kritiker vor Eingriffen in die freie Preisgestaltung und ärztliche Selbstständigkeit.
(fd/apa)