Wien: Physiotherapeut in Haft
Kinder missbraucht?
(12.03.2026) Ein 44-jähriger Physiotherapeut, der in betreuten Wohneinrichtungen in Wien tätig gewesen sein soll, sitzt nun in Untersuchungshaft. Der Mann steht im Verdacht, mindestens drei wehrlose oder psychisch beeinträchtigte Menschen sexuell missbraucht zu haben.
U-Haft wegen Tatbegehungsgefahr
Das Landesgericht für Strafsachen Wien verhängte am Donnerstag Untersuchungshaft über den Beschuldigten. Als Haftgrund wurde Tatbegehungsgefahr angenommen, bestätigte Gerichtssprecherin Christina Salzborn. Die Untersuchungshaft ist vorerst bis zum 26. März rechtswirksam. Der 44-Jährige wurde am Donnerstagnachmittag von einer Haftrichterin vernommen. Zu den Vorwürfen äußerte er sich laut Gericht nicht.
Opfer zwischen 12 und 25 Jahren
Der Mann war bereits am Montag festgenommen worden. Nach bisherigen Ermittlungen sollen mindestens drei Opfer betroffen sein. Die Betroffenen sind laut Polizei zwischen zwölf und 25 Jahre alt.
Den Ermittlern zufolge soll der Physiotherapeut die Übergriffe während therapeutischer Behandlungen begangen haben. Die Taten sollen sich über einen längeren Zeitraum erstreckt haben. Nach Angaben der Polizei hat der Beschuldigte die Vorwürfe gestanden.
Videos und Bilder bei Hausdurchsuchung entdeckt
Bei einer Hausdurchsuchung stellten Ermittler außerdem einschlägige Bilder und Videos sicher. Mindestens eine betroffene Einrichtung ist eine Vertragseinrichtung der Wiener Kinder- und Jugendhilfe (MA 11). Das bestätigte MA-11-Sprecherin Ingrid Pöschmann. Der Mann war dort als externer Mitarbeiter eines sozialen Trägers tätig. Nachdem die Vorwürfe bekannt wurden, leitete die MA 11 bereits am Dienstag ein Verfahren ein.
Politik fordert Aufklärung
Der Fall sorgt auch politisch für Reaktionen in Wien. Die Wiener Grünen sprachen von einem möglichen „dramatischen Versäumnis“ und forderten ein umfassendes Kinderschutzkonzept für Wohngemeinschaften und Krisenzentren. Zudem solle es künftig Kinderschutzbeauftragte in jeder Einrichtung geben sowie strengere „Safe Recruitment“-Verfahren, bei denen Bewerber genauer überprüft werden.
Auch die Wiener ÖVP kritisierte die bestehenden Kontrollmechanismen. Laut Familiensprecherin Sabine Keri hätten die Aufsichts- und Kontrollsysteme der MA 11 versagt. Die Partei fordert eine vollständige Aufklärung und kündigte eine parlamentarische Anfrage an Jugend- und Bildungsstadträtin Bettina Emmerling (NEOS) an.
Polizei sucht weitere Hinweise
Die Ermittlungen dauern weiterhin an. Die Polizei schließt derzeit weitere mögliche Opfer nicht aus. Hinweise können – auch anonym – unter der Telefonnummer 01 / 31310-67800 an die Ermittler gemeldet werden.
(fd/apa)