WWF Bericht: EU-Lieferketten

Platz 2 Bei Tropenwald-Rodung

(14.04.2021) Das sind Bad-News. Statt Klimaschutz wird weiter fest gerodet und das im Auftrag der EU! Im Lieferketten-Streit hat der WWF jetzt Zahlen vorgelegt. Für den Anbau von Soja, Kaffee und anderen Produkten für den Import in die EU ist zuletzt im Schnitt jährlich Tropenwald auf einer Gesamtfläche von etwa der vierfachen Größe des Bodensees abgeholzt worden. Soja selbst könnte den Menschen klimaschonend ernähren, da es viel weniger Anbauflächen benötigen würde, als das Soja braucht, das derzeit vor allem für die Herstellung von Tiernahrung verwendet wird. Besonders durch unseren großen Hunger auf Fleisch landen Lebensraumzerstörung, Artenverlust und die Auswirkungen der Klimakrise direkt auf unseren Tellern. 16 Prozent der Abholzung von Tropenwald im Zusammenhang mit dem Handel weltweit gingen 2017 auf das Konto von EU-Importen. Die EU liege damit weltweit hinter China (24 Prozent) auf Platz zwei, so der WWF.

Dahinter folgen Indien (9 Prozent) und die USA (7 Prozent). Die mit Abstand größten Verursacher von Abholzung durch EU-Importe waren dem Bericht zufolge Soja und Palmöl, für deren Anbau oder Produktion Wälder in Südamerika beziehungsweise Südostasien weichen mussten. Dahinter folgten Rindfleisch, Holzprodukte, Kakao und Kaffee.

Für Österreich hat sich heute dazu die "Bürgerinitiative für ein Lieferkettengesetz" gemeldet. "Durch fehlende Herkunftskennzeichnung ist eine Rückverfolgbarkeit kaum möglich, Konsumenten werden zu unfreiwilligen Unterstützern des Raubbaus", so die Initiative in einer Aussendung.

"Waren, die auf dem europäischen Markt landen, müssen frei von Menschenrechtsverletzungen und Umweltzerstörung produziert worden sein. Dafür müssen wir Konzerne in die Pflicht nehmen, die mit ihren globalen Lieferketten die Verantwortung tragen", so SPÖ-Umweltsprecherin Julia Herr.

Unter den EU-Ländern ist Deutschland für die meiste Abholzung durch Importe verantwortlich: Im Schnitt wurde dafür zuletzt pro Jahr eine Waldfläche von 43.700 Hektar gerodet - eine Fläche etwa halb so groß wie Berlin. Nach Einwohnern gerechnet liegt Deutschland allerdings in etwa im EU-Schnitt. Der meiste Wald pro Einwohner wurde für Importe in die Niederlande, nach Belgien und Dänemark abgeholzt.

(fd/apa)

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