zwei Babys tot: Milchpulver?
Produktrückruf in 60 Ländern
(23.01.2026) Nach dem Tod zweier Säuglinge hat die französische Justiz Ermittlungen wegen "möglicher Verunreinigung" der von den Babys verzehrten Flaschenmilch aufgenommen. Bisher gebe es aber "noch keinen Beleg für einen Kausalzusammenhang zwischen der Babynahrung und den Symptomen der Säuglinge", teilte das Gesundheitsministerium am Donnerstagabend mit. Beide Babys hatten Säuglingsnahrung der Nestlé-Marke Guigoz erhalten, die von einem Rückruf betroffen war.
Eines der beiden Babys war in der Nähe von Bordeaux am 25. Dezember geboren und Anfang Jänner nach Verdauungsproblemen gestorben. Es war zuvor mit Säuglingsnahrung der Marke Guigoz gefüttert worden. Bei ersten Analysen habe das Bakterium Bacillus cereus nicht nachgewiesen werden können, teilte der Staatsanwalt von Bordeaux, Renaud Gaudeul, mit. Es seien jedoch weitere Analysen im Gange, betonte er.
Im westfranzösischen Angers meldete sich am Mittwoch eine Mutter bei Ermittlern, deren Tochter im Dezember im Alter von vier Wochen gestorben war. Das Baby war ebenfalls mit Flaschenmilch der Marke Guigoz gefüttert worden. Ein Zusammenhang mit der Verunreinigung sei eine "ernst zu nehmende Spur", sagte der Staatsanwalt Eric Brouillard. Es sei aber noch zu früh, um sie zur Hauptspur zu erklären. Er habe ein Labor mit dringenden Analysen beauftragt.
Rückruf in mehr als 60 Ländern
Anfang Jänner musste der Schweizer Lebensmittelriese Nestlé Babynahrung in etwa 60 Ländern, darunter auch in Österreich, wegen möglicher Belastung mit Cereulid zurückrufen. Am Mittwoch rief auch der französische Milchindustriekonzern Lactalis Säuglingsnahrung in mehreren Ländern zurück. Es bestand ebenfalls der Verdacht, dass diese Cereulid enthalten könnte. Die französischen Behörden verwiesen darauf, dass beide Unternehmen eine aus China gelieferte Substanz verwendeten.
Laut der Organisation Foodwatch handelt es sich bei der chinesischen Firma um einen der weltweit wenigen Lieferanten von Arachidonsäure (ARA), einer in Europa streng regulierten Substanz, die als Quelle für Omega-6-Fettsäuren in bestimmten Säuglingsmilchprodukten enthalten ist.
In Österreich bisher keine Krankheitsfälle bekannt
In Österreich wurden im Zuge behördlicher Probenziehungen zwei Produktchargen positiv auf Cereulid getestet. Diese wurden dem Gesundheitsministerium zufolge umgehend aus dem Verkehr gezogen. "Die nachgewiesenen Konzentrationen des Toxins waren so gering, dass eine Gesundheitsgefährdung ausgeschlossen werden kann", hieß es. Zur Sicherheit hat die Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) demnach auch Produkte anderer Hersteller stichprobenartig untersucht - "alle Proben waren unauffällig". Laut Gesundheitsministerium sind in Österreich keine Krankheitsfälle bekannt, die auf den Konsum der betroffenen Produkte zurückzuführen sind.
Cereulid ist eine Substanz bakteriellen Ursprungs, die Durchfall und Erbrechen verursachen kann. Säuglingsmilch, die als Ergänzung oder Ersatz für Muttermilch verwendet wird, wird streng kontrolliert.
(APA/JuF)