Als Rap und Rock vor den Altar traten

Cross over the line

Ihr denkt, Rap und Rock passen so „gut“ zusammen wie Bratwurst und Bananensplit? Dann liegt ihr ziemlich falsch, denn es ist eine tatsächlich schon seit fast einem halben Jahrhundert bewährte Kombi.

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Die Turntables als wohl wichtigstes Instrument im Rap. Doch selbst wenn über deren Sound eine E-Gitarre erklingt, muss das absolut kein Stilbruch sein. Willkommen im Crossover.

Es gibt unter euch wahrscheinlich manche, die die Nase rümpfen, wenn sie das Wort Rap-Musik hören. Gut, das ist in gewisser Hinsicht verständlich, weil einige Ausprägungen des Rap durchaus „speziellerer“ Natur sind, was Wortwahl sowie Ansichten über Frauen und Minderheiten anbelangt. Das Image mancher Rapper mag ebenfalls diskutabel sein. Gänzlich solltet ihr aber selbst als überzeugte Rocker den Rap nicht vom Tisch wischen. Der steckt nämlich schon länger in der DNA des Rock, als manche von euch auf der Welt sind.

Folgt uns hinein in diese Musik.

1. Sprechen statt Singen zu Gitarrenriffs – wovon wir hier überhaupt reden

Crossover bedeutet so viel wie, dass sich etwas überschneidet. Passend, denn genau darum geht es im Kern. Allerdings gehört noch mehr dazu, um die Komplexität und Genialität dieses Genres zu erfassen.

Warum die Verbindung keine schlechte ist

Musik ist schon sehr lange mehr als ein Selbstzweck. Praktisch immer stecken darin auch soziokulturelle und politische Anklänge. Hier müsst ihr nun bedenken, was der Background sowohl von Rap wie Rock eigentlich ist und worum es in den Texten meistens geht.
• Fahrzeuge
• Freundschaft
• Liebe
• Party
• Soziales
• Sport
• Ungerechtigkeit

Einer der zweifellos größten Rocksongs aller Zeiten, Ace of Spades von Motörhead, dreht sich ausschließlich ums Pokern. Aerosmith wussten ebenfalls, Deuces are wild und hoben damit aufs Casino ab. Wenn nun MIKI einen ganzen Track über den Wettanbieter Tipico macht oder eine ganze Riege anderer Rapper ebenfalls diese „spielerische“ Thematik bedient, dann ist das bereits ein Ausdruck (von vielen) davon, wie viele thematische Schnittmengen es gibt.

Natürlich könnten wir hier noch den harten „Grind“ aufführen, den es in beiden Genres bedeutet, sich hochzuarbeiten, und der immer als Rock- und Rap-Thema taugt. It’s a long way to the top ist thematisch deckungsgleich mit All the way up.

Und dass hinter beiden Genres in ihren Wurzeln die unsagbare musikalische Kreativität junger Schwarzer steht, kommt noch obendrein. Fest steht, dass es eine enorm vielschichtige Verästelung beider Genres gibt. Der Rest ist buchstäblich nur, dass es in dem einen Genre um Singen zur Melodie geht, während im anderen stakkatoartig gesprochen wird – über welchen Sound, spielt keine Rolle.

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Thematisch, soziokulturell und selbst musikalisch gibt es gar nichts, was gegen ein Rap-Rock-Crossover spricht. Beide Genres sind perfekt zueinander passende Puzzleteile.

Was Crossover auch ist und warum wir diese Form hier nicht meinen

Crossover wird heutzutage meistens für die Verbindung von Rap und Rock respektive weiterer rockiger Verzweigungen benutzt, etwa Metal. Allerdings müssen wir der Vollständigkeit halber erwähnen, dass es eigentlich ein Gattungsbegriff ist: Immer, wenn i musikalische Genres vermengt werden, ist fachsprachlich von Crossover die Rede.

Damit wäre Funk-Metal ebenso Crossover-Musik wie beispielsweise Schlager-Techno. Im US-Amerikanischen heißt deshalb das, was wir hier meinen, präziser Rap-Rock. Wir bleiben jedoch dabei, schon weil es der im Deutschen bekannteste Begriff für Rock+Rap ist. Und nachdem nun die Theorie abgehakt wäre, geht’s an die Praxis der Geschichte.

2. Wie man Rocker und Rapper gleichermaßen verwirrt: Die Anfänge des Crossover

Wann immer ein Musiker seine Genre-Grenzen übertritt, kann er sich sicher sein, dass er damit nicht nur auf Gegenliebe stößt – sowohl von seinen Anhängern wie denjenigen der anderen Musikrichtung. Crossover machte da keine Ausnahme, begann aber zunächst ziemlich harmlos.

Eric Burden und die Animals – mal wieder

Eric Burden and the Animals kennt ihr vielleicht als Band, die seit ihren Anfängen 1963 niemals Stillstand kannte und immer an den Grenzen ihres jeweiligen Stils operierte. Kein Wunder also, dass sie zu den ersten gehörte, die etwas machten, das nach Rap-Rock klang – zu einem Zeitpunkt, als selbst in schwarzen US-Großstadtvierteln bestenfalls sowas wie Proto-Rap existierte. Aber hört selbst, denn Year of the Guru von 1968 erfüllt bereits alle Merkmale dieser Musik:

Stottert Paul Stanley etwa?

Kiss kennt ihr sicherlich für vieles auch abseits der markant geschminkten Gesichter. Aber selbst so mancher eingefleischte Fan weiß nicht, dass die Rocker maßgeblich daran beteiligt waren, dass Anfang der 80er immer häufiger in Rocksongs gerappt wurde.

Zugegeben, ungleich zu anderen Rockern blieb die Sache bei Kiss mit All hell’s breakin‘ loose einzigartig. Aber es zeigt euch, dass Paul Stanley durchaus Qualitäten als MC hat…

Danke, Eddie Martinez

Bis 1984 war Crossover davon geprägt, nahezu ausschließlich von Rockern betrieben zu werden. Dazu müsst ihr allerdings verstehen, dass Rap zu diesem Zeitpunkt selbst noch viel zu sehr in den Kinderschuhen steckte. Anders ausgedrückt: Dieses noch junge Genre musste sich erst einmal selbst (er)finden, bevor seine Vorreiter darüber nachdachten, die Fühler in andere Richtungen auszustrecken.

Zudem war das Erfolgsgefälle noch viel zu krass. Rap war nach wie vor ein „Straßen-Ding“ aus dem „Ghetto“ oder „the Hood“, während Rock damals schon seit Jahrzehnten gigantische Kommerz-Erfolge feierte.

Besagtes Jahr war allerdings maßgeblich dafür verantwortlich, dass auch von dieser Seite eine Annäherung begann. Es war das Jahr, in dem die ersten Superstars des Rap, Run-D.M.C., ihr gleichnamiges Debütalbum veröffentlichten.

Vielen ist die Scheibe zwar nur über den Klassiker It’s like that geläufig, tatsächlich fand sich darauf aber auch Rock Box. Dahinter wiederum stand jemand, der viel zu selten genannt wird: Eddie Martinez. Der Gitarrist ist Studiomusiker und als solcher unter Eingeweihten als legendäres Multitalent bekannt.

Er gab Rock Box die nötigen Riffs hinter dem Sprechgesang. Und obwohl Joseph "Run" Simmons und Darryl "DMC" McDaniels von der Sache zunächst gar nicht angetan waren („I didn't want the guitar version playing in the hood.“) wurde der Track zu einem Kracher, der sogar als Single ausgekoppelt wurde.

Dass die Jungs ihre Meinung schnell revidierten, zeigte bereits das zweite Run-D.M.C.-Album: King of Rock hieß nicht ohne Grund so und zeigte bei Roots, Rap, Reggae obendrein, dass die Rapper Lust an weiterführendem Crossovern gefunden hatten.

Wenn AC/DC etwas freigiebiger gewesen wären…

…dann wäre die Musikgeschichte anders verlaufen. Das bringt uns zu den Beastie Boys und wieder dem Jahr 1984. Die Beasties waren schon deshalb bemerkenswert, weil sie die „Seiten gewechselt“ hatten. Denn eigentlich hatte dieses Projekt (noch als The Young Aborigines) 1978 als Hardcore Punk Band begonnen.

Anfang der 80er jedoch waren daraus faktisch die ersten Weißen geworden, die ernsthaft rappten – und allein deshalb schon mit gewissen Problemen ihrer Credibility zu kämpfen hatten; ähnlich, als einige Jahrzehnte zuvor Weiße Blues gemacht hatten.

Doch frei nach dem Motto „Ist der Ruf erst ruiniert…“ machten die drei Jungs das, was ihnen Spaß machte. Dementsprechend handelten sie in bester Rap-Manier: Sie nahmen ein Sample, loopten es und rappten darüber.

Dumm nur, dass sie sich dafür AC/DCs Back in Black aussuchten, ohne zu fragen. Selbst ein persönliches Telefonat zwischen Mike D und Malcolm Young konnte die Wogen nicht glätten („Nothing against you guys, but we just don't endorse sampling.”). Die Single wurde dementsprechend nach kürzester Zeit wieder eingestampft. Ein verdammt scharfer Track ist Rock Hard deshalb trotzdem bis heute:

Junger Rapper rockt die Glocken – aber sowas von!

LL „Ladies Love” Cool J war Mitte der 80er eines der größten aufstrebenden Talente am Rap-Himmel. Jemand, der der Kultur wirklich ein Gesicht gab. Nicht nur zufällig war er 1985 beim selben Label wie die Beastie Boys – Def Jam Records. Das wiederum verstand sich damals als wichtiger Sammelpool, der möglichst vielen Rappern ein Zuhause geben sollte.

Hier müssen wir nun eine Klammer einschieben. Denn hinter Def Jam stand unter anderem Rick Rubin. Einer der vielleicht genialsten Produzenten aller Zeiten, mit Sicherheit aber einer mit gigantischem Gespür für Talente und Stile. Er war es, der seine Schützlinge motivierte, Grenzen zu überschreiten.

Das bringt uns zurück zu LL Cool J. Der wollte für sein Debütalbum Radio seiner harten Straßen-Rap-Linie treu bleiben. Nicht zuletzt Rubin animierte ihn jedoch dazu, die eigentlich in seinem Song Rock the Bells omnipräsenten Glocken gegen Gitarrenriffs zu tauschen. Fertig war ein weiterer Crossover-Meilenstein:

Vorhang auf für die Red Hot Chili Peppers

Bislang waren die meisten erfolgreichen Ausprägungen von Rap-Rock davon geprägt gewesen, dass Musiker kurzzeitig die Grenzen ihres eigentlichen Genres erfolgreich überschritten hatten. Wirklich als Crossover-Kombo gegründet hatte sich kaum jemand.

Nun ja, „kaum” jemand. Denn ab 1983 experimentierten einige Jugendliche in Los Angeles, die einen schweren Hang zu Punk Funk und Rap hatten. Und sie nannten sich Red Hot Chili Peppers.

Als ein Jahr darauf das gleichnamige Debütalbum herauskam, war die Welt um etwas reicher, was in der Retrospektive als erste dedizierte Crossover-Band gelten darf. Müssen wir an dieser Stelle erwähnen, dass abermals Rick Rubin seine Finger im Spiel hatte?

Walk This Way! Ein Song nebst Video für die junge MTV-Generation

Wenn ihr bislang genannte Songs noch nicht kanntet, dann ist das nicht schlimm. Den nächsten werdet ihr jedoch wahrscheinlich kennen. 1986 war Crossover zumindest keine Mainstream-Unbekannte mehr. Und MTV hatte sich zum televisionären Sprachrohr einer ganzen Jugendgeneration gemausert. Wer dort nicht präsent war, war schlicht nicht existent.

Und wieder, wieder, wieder war es Rick Rubin, der es einfach nicht lassen konnte – zum Glück! 1986 saßen Run-D.M.C. im Studio und experimentierten herum. Wie in so manchen Live-Shows rappten sie dabei spaßeshalber über ein Loop des Aerosmith-Songs Toys in the Attic vom gleichnamigen 1975er Album – dem Vernehmen nach, ohne dass Simmons und McDaniels überhaupt wussten, wer Aerosmith waren.

Rick Rubin saß am Mischpult, hörte den Jungs zu und schaute immer wieder auf das Album. Plötzlich schlug er vor, Walk this Way neu aufzunehmen. Simmons und McDaniels waren dagegen, nur Jason „Jam Master Jay“ Mizell war aufgeschlossener. Aerosmith waren nach Kontaktaufnahme ebenfalls nicht gerade happy, erklärten sich jedoch bereit, mitzumachen – vielleicht auch, weil sie zu jener Zeit ein kleines Karrieretief erlebten.

So machten also beide Gruppen eher widerstrebend mit – und staunten Bauklötze. Denn der Song wurde nicht nur auf sämtlichen Radiosendern auf und ab gespielt, sondern rollte die Mainstream-Charts von hinten bis auf Platz 4 auf. Der erste Crossover-Song, der das schaffte.

Eilends wurde ein Video hinterhergeschoben, um auf MTV präsent zu sein. Natürlich nicht, ohne dass beide Gruppen die Abneigung gegenüber dem jeweils anderen Stil augenzwinkernd auf die Schippe nahmen:

Wir könnten nun noch viel mehr erzählen, denn im weiteren Verlauf der 80er wurde Crossover noch viel größer. Doch man kann die Gesamtgeschichte dieser faszinierenden Kombination nicht ausrollen, ohne auf ihr bislang größtes Jahrzehnt einzugehen.

3. Ein Jahrzehnt der Siege: Crossover und die 90er

Schnell ist gar kein Ausdruck dafür, wie Crossover von einem Kuriosum zu einem ernsthaften, eigenständigen Genre wurde. Ende der 80er hatten selbst die Thrash-Legenden Anthrax mit I’m the man einen passenden Track veröffentlicht.

Doch erst in den 90ern wurde das Genre wirklich Mainstream und etablierten sich diejenigen Bands, die man bis heute damit verbindet. Es sei uns verziehen, dass wir aus Platzgründen nur ausgewählte Gruppen nennen können.

Richtig wütende Jungs: Rage Against the Machine und Body Count

Die frühen 90er waren geprägt von einer Zeit des gesellschaftlichen Umbruchs. Fast konnte man meinen, dass alles, was unter der Oberfläche gebrodelt hatte, gleichzeitig wie ein Vulkan explodierte. Kein Wunder also, dass in der Musik ebenfalls einiges eine sehr zornige Wendung nahm.

Was Crossover anbelangt, haben wir es hier vor allem mit zwei Bands zu tun:

• Rage Against the Machine waren von Anfang an eine dem Crossover verschworene Kombo, die sich durch ihre stark sozialkritischen und politisch revolutionären Texte auszeichneten – und dadurch, dass ihre Tracks durch die Bank weg unheimlich wütend klangen.
• Body Count hingegen waren eigentlich mehr Metal als Crossover. Jedoch standen dahinter ausschließlich schwarze Mitglieder, die eigentlich bestens im Rap verankert waren; mit Ice-T als etabliertem Gangsta-Rapper. Sie alle fanden jedoch Gefallen an Rock und empfanden es als besseres Genre, um ihrer Wut vor allem gegen Polizeigewalt Luft zu machen – und vielen anderen Themen, die damals die schwarze US-Kultur bewegten.

Anhand dieser beiden Bands könnt ihr erleben, was für eine Kreativität Wut hervorrufen kann. Die Künstler schafften es, ihren Zorn zu kanalisieren und dürfen somit ohne Übertreibung dafür geehrt werden, vor allem der ersten Hälfte der 90er und des 90s-Crossovers einen (zurecht) ziemlich wütenden Touch verliehen zu haben – „F*CK YOU, I WON’T DO WHAT YOU TELL ME!“ war der mittelfingerbewehrte Schlachtruf gegen alles, was als ungerecht und autoritär empfunden wurde:

Und Cop Killer von Body Count rief damals sogar eine riesige gesellschaftlich-politische Debatte darüber hervor, wo die Grenzen von Kunst endeten. Dabei war es abermals nur kanalisierte Wut, die sich im Nachgang des Falles Rodney King Luft über vollkommen überzogene Polizeigewalt gegenüber schwarzen US-Amerikanern machte: „better you than me […] tonight we get even“.

Dass Body Count auch im modernen BLM-Amerika noch wütend sind, dürfte nicht verwundern. Und ihr viel neuerer Track No Lives Matter trifft abermals den „Zorn der Zeit“ perfekt: „But honestly it ain't just black, it's yellow, it's brown, it's red, it's anyone who ain't got cash, poor whites that they call trash […] when it comes to the poor no lives matter”.

Was sollen denn die Ameisenkostüme? Die H-Blockx

Bis 1991 waren die H-Blocks eigentlich nur als spezielle Gefängnisblocks für nordirische IRA-Kämpfer bekannt. Dann jedoch machten einige Jungs aus Münster den Begriff zu ihrem Bandnamen und deuteten ihn so zum Qualitätssiegel für Crossover Made in Germany um.

Ganz ähnlich wie die US-Musiker es bei MTV schafften, gelang es den H-Blockx auf dem deutschen Musiksender Viva. Und wie der Zeitgeist anno 1994 war, verlangte er, dass das erste Video der Band zu Move ebenso herrlich schräg wurde wie Video Nummer 2 zu Risin‘ high:

Crossover superlustig und etwas eklig: Die Bloodhound Gang

Man kann die Geschichte des Crossovers nicht erzählen, ohne dabei in eine Pfütze Erbrochenes zu treten. Denn das Motto der Bloodhound Gang war von Anfang an, erst gar nicht zu versuchen, irgendwelche Konventionen einzuhalten. Und dazu gehörte es aus Sicht der aus Pennsylvania stammenden Band eben, ziemlich ungehemmt mit Körperflüssigkeiten zu spielen – vielleicht erinnern sich einige von euch diesbezüglich noch an ein berühmt-berüchtigtes Live-Konzert, das einst von MTV Europe gezeigt wurde.

Allerdings dürfen die ganzen Eskapaden nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Bloodhound Gang seit Mitte der 90er eine wichtige Größe des Crossover war. Und spätestens, als Along Comes Mary 1998 im Soundtrack des nicht minder kultigen Films „Half Baked“ auftauchte, wurden die Jungs auch in Europa zum festen Mainstream-Begriff.

I Did It All For The Nookie: Limp Bizkit

In der zweiten Hälfte der 90er war Crossover von einem erfolgreichen Genre unter vielen zu dem beherrschenden Stil im Mainstream geworden. Wer damals irgendwo auf dem Globus jung war, bei dem gehörte eine Mischung aus Rock und Rap zum Soundtrag seiner Jugend felsenfest dazu.

In dieser Zeit, mit dem Millennium vor Augen, war das Genre tatsächlich so gigantisch, dass wir problemlos einen riesigen Artikel nur für die Jahre ´95 bis ´00 verfassen könnten. Eine der damals mit Abstand größten Bands waren Limp Bizkit. Die Jungs hatten sich bereits Mitte der 90er unter Eingeweihten einen Namen gemacht, als sie mit anderen Größen wie Primus, Blink-182 oder den Deftones getourt waren.

1999 veröffentlichten sie jedoch ihr zweites Album Significant Other. Das traf den Zeitgeist des ausgehenden Jahrtausends so perfekt, dass es Platz 1 der US-Albumcharts erreichte und sich 16 Millionen Mal verkaufte. Gleichzeitig zeigte das Album bereits, dass sich Crossover längst in Richtung Nu Metal weiterentwickelt hatte. Nicht zuletzt Nookie schlägt in dieser Hinsicht andere Töne an als typische Crossover-Stücke nur wenige Jahre zuvor. Übrigens: Nookie ist Slang für ein Schäferstündchen.

Die größte Party des ausgehenden Jahrtausends: Woodstock ´99

1969 war das Woodstock-Festival der absolute Höhepunkt der gesamten 60s-Gegenkultur. Ein riesiges Feuerwerk, dem aber danach eine große Leere folgte, als die Hippie-Kultur sich rasend schnell auflöste.

Dreißig Jahre später war es ganz ähnlich. Erneut feierte die Jugend noch einmal ihre Kultur, die in den vergangenen Jahren zu einem so wichtigen Teil ihres Lebens geworden war. Doch ganz ähnlich wie das erste Woodstock zeigte auch Woodstock ´99, dass die Zeit des Umbruchs sehr nah war. Unsere Kollegen von Vice schreiben dazu treffend „Der Tag, an dem die 90er starben“.

Und selbst wenn das 99er-Festival längst nicht so bekannt ist wie das Original, so wissen doch diejenigen, die es erlebten, dass sie hier an etwas wirklich Besonderem teilgenommen hatten; dem würdigen Abschluss einer Ära.

4. Untergegangen oder assimiliert? Crossover heute

Endete Crossover mit dem zweiten Jahrtausend? Klares Nein. Aber er hörte auf, ein für Mainstream-Rock bestimmendes Einzelelement zu sein. Korn, Linkin Park und viele andere Bands hatten auch in den 00er Jahren noch riesige Erfolge. Doch das Rad der Musik drehte sich weiter.

Heute ist Crossover deshalb so allgegenwärtig, dass er kaum noch als eigenständiges Genre erkannt werden kann. Es sind viele Jahre und Tracks vergangen, seitdem sich die Beastie Boys dazu entschlossen, einfach mal Hells Bells zu bootleggen und darüber zu rappen. Doch selbst wenn es so scheint, dass die große Zeit der Crossover Bands vorbei sei, so täuscht das.

So, wie der einstmals so rebellische Rock ´n´ Roll irgendwann Mainstream wurde, verhält es sich auch bei der „unholy union“ von Rock und Rap: Er ist mittlerweile so allgegenwärtig, dass vor allem Jüngere unter euch ihn kaum noch als herausstechend bemerken. Nicht schlecht für etwas, das anfangs bei Musikern und Fans beider Richtungen vielfach blankes Entsetzen hervorrief, oder?

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