ÖBB mehr Sicherheit?
Polizei und Bodycams
(19.02.2026) Nach wiederholten Übergriffen auf Bahnpersonal wollen die Bahnunternehmen in Österreich die Sicherheitsmaßnahmen deutlich verstärken. Bei einem Round Table zur Sicherheit von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern am Mittwoch wurde beschlossen, die Zusammenarbeit mit der Polizei auszubauen. Diskutiert wurde dabei auch ein erweiterter Einsatz von Bodycams in Zügen und auf Bahnhöfen. Ein gemeinsam erarbeiteter Zehn-Punkte-Plan sieht neben mehr Personal, intensiveren Deeskalations- und Situationstrainings sowie besserer Ausrüstung auch eine stärkere Polizeipräsenz im Bahnverkehr vor.
Round Table mit Innenministerium, ÖBB, Westbahn und vida
Am Sicherheitsgespräch nahmen Vertreterinnen und Vertreter des Innenministeriums, des Infrastrukturministeriums, des ÖBB-Managements, der Gewerkschaft vida, der Westbahn sowie Betroffene teil.
Ziel war es, konkrete Maßnahmen zu entwickeln, um das Bahnpersonal besser zu schützen. Die ÖBB erklärten am Donnerstag, Übergriffe würden sich sowohl in Österreich als auch international auf einem konstant hohen Niveau bewegen – und seien ein ernsthaftes Problem.
Ticketkontrollen gelten als besonders heikel
Für Übergriffe gebe es unterschiedliche Auslöser, erklärte ein ÖBB-Sprecher. Besonders kritisch seien Situationen, in denen Personen direkt angesprochen werden – etwa bei:
- Ticketkontrollen im Zug
- Kontrollen auf Bahnhöfen
- Konflikten im Umfeld von Sicherheits- oder Serviceeinsätzen
Das Aggressionspotenzial im öffentlichen Raum mache laut ÖBB deutlich, dass umfassende Strategien notwendig seien.
„Kein Platz für Gewalt“
ÖBB-CEO Andreas Matthä betonte, dass Sicherheit höchste Priorität habe:
„Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind die wichtigste Ressource unseres Unternehmens. Die Sicherheit unserer Kolleginnen und Kollegen hat für uns oberste Priorität – jeder einzelne Übergriff ist einer zu viel.“
Auch Westbahn-Geschäftsführer Thomas Posch stellte klar:
„Gewalt und Übergriffe am Zug haben in keiner Form Platz. Sicherheit für alle im Bahnverkehr – Reisende und Mitarbeitende – hat höchste Priorität.“
Zehn-Punkte-Plan
Als Ergebnis des Round Tables wurde ein Zehn-Punkte-Plan vorgestellt, der sowohl bei Prävention als auch bei Schutz und Intervention ansetzt. Geplant sind unter anderem:
- Vertiefte Zusammenarbeit mit der Polizei
- Gemeinsame Streifen in Zügen und auf Bahnhöfen
- Mehr sichtbare Präsenz von Sicherheitskräften
- Ausweitung gemeinsamer Sicherheitskampagnen
- Mehr Personal im Service- und Kontrollbereich
- Intensivere Deeskalations- und Situationstrainings
Neue Generation von Bodycams geplant
Bereits seit mehreren Jahren setzen Service- und Kontrollteams der ÖBB Bodycams ein. Künftig soll jedoch eine neue Generation von Bodycams verstärkt zum Einsatz kommen.
Die Kamera-Technik gilt als ein wichtiges Mittel, um Vorfälle besser zu dokumentieren, abschreckend zu wirken und im Ernstfall Beweise zu sichern.
Gewerkschaft vida: „Entscheidend ist sichtbare Präsenz“
Für die Gewerkschaft vida ist vor allem eines entscheidend: schnelle Verbesserungen im Alltag.
„Entscheidend ist jetzt, dass in einem ersten Schritt durch organisatorische Maßnahmen mehr Personal und sichtbare Polizeipräsenz in den Zügen eine spürbare Verbesserung für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eintritt“, sagte Roman Hebenstreit, Vorsitzender der vida.
(fd/apa)