Österreich: brutale Dürre
"Klimakrise nicht zu leugnen"
(06.05.2026) „So etwas haben wir noch nicht erlebt“ – Kärntens Bauern schlagen wegen der extremen Trockenheit Alarm. Die Lage spitzt sich dramatisch zu: Wegen der anhaltenden Dürre drohen massive Ernteausfälle, Futtermangel und sogar Notverkäufe von Tieren. Laut Landwirtschaftskammer Kärnten wurden im April regional bis zu 85 Prozent weniger Niederschläge gemessen als üblich. Sollte es in den kommenden Tagen keinen kräftigen Regen geben, könnten die Ernteverluste zwischen 20 und 70 Prozent liegen.
Bei einer Pressekonferenz in Maria Saal schilderten Vertreter der Landwirtschaft die Situation als historisch. Landwirtschaftskammerpräsident Siegfried Huber sagte: „So eine Situation mit lang anhaltender Trockenheit haben wir oft im Spätsommer – aber dass es bereits so früh im Jahr derart trocken ist, habe ich in meinen 31 Jahren als Bauer noch nie erlebt.“ Auch andere Bauern und Experten der Landwirtschaftskammer berichten, dass sie eine derart extreme Dürre im Frühjahr noch nie gesehen haben.
Kärnten leidet unter massivem Niederschlagsdefizit
Die Zahlen zeigen, wie ernst die Lage inzwischen ist: Im April wurde in Teilen Kärntens ein Niederschlagsdefizit von bis zu 85 Prozent gemessen. Österreichweit zählt der April 2026 laut GeoSphere Austria zu den trockensten seit Beginn der Wetteraufzeichnungen im Jahr 1858.
Sollte es in den kommenden zehn Tagen keinen kräftigen Regen geben, rechnen Experten bereits jetzt mit Ernteausfällen zwischen 20 und 70 Prozent.
Besonders betroffen sind:
- Grünland
- Maisfelder
- Getreidekulturen
- Almwirtschaft
- Wälder
Erster Grasschnitt fällt vielerorts komplett aus
Besonders dramatisch ist die Situation bei den Wiesen und Weiden. In manchen Regionen Kärntens fiel der erste Grasschnitt komplett aus. Laut Landwirtschaftskammer liegen die Verluste vielerorts bereits zwischen 50 und 80 Prozent.
Das bringt viele Viehbetriebe in Bedrängnis. Denn ohne ausreichend Gras fehlt das Futter für Rinder und andere Nutztiere.
„Uns geht das Futter aus“, warnt Landwirtschaftskammerpräsident Huber. Er befürchtet, dass es schon bald verstärkt zu Notverkäufen von Rindern kommen könnte.
In einigen Regionen Kärntens müssen Feuerwehren bereits Wasser zu Höfen transportieren, weil natürliche Quellen austrocknen. Im Lavanttal seien manche Wiesen mittlerweile komplett ohne Wasserversorgung.
Auch Seen und Feuchtgebiete zeigen die Auswirkungen der Dürre deutlich. Das Bleistätter Moor am Ossiacher See liegt aktuell rund 50 Zentimeter unter dem normalen Wasserstand.
Mais vertrocknet bereits in der Erde
Auch auf den Äckern verschärft sich die Situation von Tag zu Tag. Mais keimt teilweise zwar noch an, vertrocknet aber oft direkt im Boden.
Teilweise mussten Bauern die Aussaat sogar verschieben, weil die Erde zu trocken ist. Gleichzeitig können teure Mineraldünger ihre Wirkung kaum entfalten, weil die notwendige Feuchtigkeit fehlt.
Sollte es in den nächsten zwei bis drei Wochen keinen ergiebigen Regen geben, drohen laut Landwirtschaftskammer regional sogar Totalausfälle.
Die Bauern werden deshalb bereits jetzt aufgefordert, frühzeitig Futterreserven zu organisieren und vorhandenes Grünland möglichst rasch zu ernten.
Wetter-Prognose bringt nur vorsichtige Hoffnung
Zwar rechnen Meteorologen in den kommenden Tagen mit ersten Regenfronten über Österreich, eine echte Entspannung ist aber noch nicht in Sicht.
Vor allem für Kärnten, die Steiermark und Niederösterreich werden regionale Schauer und Gewitter erwartet. Experten warnen allerdings bereits davor, dass diese Niederschläge vielerorts nicht ausreichen dürften, um die extreme Trockenheit nachhaltig zu beenden.
Besonders problematisch: Nach Wochen ohne Regen sind die Böden vielerorts derart ausgetrocknet, dass Wasser bei Starkregen oft kaum mehr aufgenommen werden kann.
Laut Landwirtschaftskammer Kärnten wären flächendeckend bis zu 50 Liter Regen pro Quadratmeter notwendig, um größere Schäden noch abzuwenden.
Langfristige Wettermodelle zeigen zudem weiterhin unterdurchschnittliche Niederschlagsmengen für Mai und Juni. Gleichzeitig bleiben die Temperaturen laut Prognosen deutlich über dem Durchschnitt.
Auch Niederösterreich kämpft mit extremer Dürre
Nicht nur Kärnten leidet unter der Trockenheit. Auch in Niederösterreich spitzt sich die Lage zu.
Landwirtschaftskammerpräsident Johannes Schmuckenschlager spricht von „einer der angespanntesten Frühjahrsentwicklungen der letzten Jahre“.
Besonders betroffen sind:
- Getreidefelder
- Maiskulturen
- Grünlandflächen
Der erste Grasschnitt brachte auch in Niederösterreich bereits deutliche Einbußen. Der zweite Aufwuchs gilt vielerorts bereits als gefährdet.
„Die Kombination aus Trockenheit, hohen Produktionskosten und unsicheren Erträgen bringt viele Betriebe an ihre Grenzen“, erklärte Schmuckenschlager.
Bauern fordern Freigabe von Biodiversitätsflächen
Als Sofortmaßnahme fordert die Landwirtschaftskammer Kärnten die Freigabe von rund 9.000 Hektar Biodiversitätsflächen. Diese dürfen derzeit wegen EU-Vorgaben nur eingeschränkt genutzt werden.
„Uns geht es jetzt um das Futter und nicht um die Prämie“, so Huber.
Auch Niederösterreich fordert ähnliche Maßnahmen, um zusätzliche Futterflächen nutzen zu können.
Wälder unter Stress – hohe Waldbrandgefahr
Die extreme Trockenheit belastet nicht nur die Landwirtschaft, sondern auch die Wälder massiv.
Bereits geschwächte Bäume kämpfen zusätzlich mit Borkenkäfern, Hitze und Wassermangel. Experten beobachten aktuell ungewöhnlich starken Pollenflug und intensive Samenbildung – ein Zeichen dafür, dass viele Bäume ums Überleben kämpfen.
Zusätzlich steigt die Waldbrandgefahr in mehreren Bundesländern massiv an.
Landwirtschaft sieht klare Folgen des Klimawandels
Für viele Bauern ist klar: Die aktuelle Krise ist eine direkte Folge des Klimawandels.
Landwirtschaftskammerpräsident Huber warnt davor, dass Kärnten künftig klimatische Bedingungen wie in Norditalien bekommen könnte.
Deshalb werde bereits über langfristige Bewässerungssysteme und sogenannte „Bewässerungsschienen“ diskutiert.
„Den Klimawandel kann niemand mehr leugnen“, sagte Huber deutlich.
(fd/apa)