12,5 Milliarden verschenkt!
Österreich: Schenkungssteuer?
(03.06.2026) Österreichs Bürger haben im vergangenen Jahr Vermögenswerte im Rekordausmaß weitergegeben. Laut aktuellen Zahlen des Finanzministeriums wurden 2025 Schenkungen im Wert von 12,57 Milliarden Euro gemeldet. Damit bleibt das Niveau trotz eines leichten Rückgangs gegenüber dem Rekordjahr 2024 mit 14,5 Milliarden Euro außergewöhnlich hoch.
Die Zahlen zeigen, dass Vermögen in Österreich zunehmend bereits zu Lebzeiten an Kinder, Enkel oder andere Angehörige übertragen wird. Gleichzeitig sorgt das Milliardenvolumen erneut für Diskussionen über eine mögliche Wiedereinführung von Erbschafts- und Schenkungssteuern.
Der Großteil des Vermögens bleibt in der Familie
Von den insgesamt 12,57 Milliarden Euro entfielen laut Statistik des Finanzministeriums rund 11,59 Milliarden Euro auf Schenkungen zwischen Verwandten.
Insgesamt wurden 35.728 meldepflichtige Schenkungen registriert. Der Medianwert lag bei 100.000 Euro, was zeigt, dass viele Vermögensübertragungen deutlich über den gesetzlichen Meldegrenzen liegen.
Bargeld und Firmenanteile dominieren
Die größten Vermögenswerte wurden 2025 in folgenden Kategorien verschenkt:
- Bargeld: 4,3 Milliarden Euro
- Anteile an Kapitalgesellschaften: 3,7 Milliarden Euro
- Kapitalforderungen: 2,9 Milliarden Euro
Zusätzlich wurden auch Betriebe, Unternehmensanteile, Fahrzeuge, Schmuck und andere Vermögenswerte übertragen.
Die tatsächliche Summe dürfte deutlich höher liegen
Die Statistik erfasst nur meldepflichtige Schenkungen. Viele Vermögensübertragungen scheinen daher gar nicht in den offiziellen Zahlen auf.
Eine Meldepflicht besteht derzeit erst:
- bei Schenkungen zwischen nahen Angehörigen ab 50.000 Euro innerhalb eines Jahres
- bei Schenkungen an nicht verwandte Personen ab 15.000 Euro innerhalb von fünf Jahren
Außerdem werden Grundstücksschenkungen in dieser Statistik nicht erfasst, da diese über andere Verfahren gemeldet werden.
Experten gehen daher davon aus, dass das tatsächlich verschenkte Vermögen deutlich über den offiziell gemeldeten 12,57 Milliarden Euro liegen könnte.
Gibt es in Österreich überhaupt eine Schenkungssteuer?
Aktuell lautet die Antwort: Nein.
Seit dem 1. August 2008 gibt es in Österreich weder eine Erbschafts- noch eine Schenkungssteuer. Damals wurde das entsprechende Gesetz nach einer Entscheidung des Verfassungsgerichtshofes aufgehoben. Stattdessen gilt heute lediglich eine Meldepflicht für größere Schenkungen.
Bei Immobilien fallen allerdings weiterhin andere Abgaben wie die Grunderwerbsteuer an.
Kommt die Schenkungssteuer zurück?
Die Debatte ist aktueller denn je. Vor allem die SPÖ fordert seit Jahren eine Besteuerung großer Vermögen, Erbschaften und Schenkungen.
Finanzminister Markus Marterbauer (SPÖ) spricht sich offen für die Einführung einer Erbschaftssteuer aus. Allerdings stellte er zuletzt klar, dass eine solche Steuer in der aktuellen Legislaturperiode nicht kommen werde. Vielmehr sieht er eine mögliche Einführung erst nach der nächsten Nationalratswahl.
Im Februar 2026 wurde ein Antrag zur Wiedereinführung von Erbschafts- und Schenkungssteuern für hohe Vermögen im Nationalrat mehrheitlich abgelehnt. ÖVP und NEOS lehnen entsprechende Pläne weiterhin ab.
Wie könnte eine neue Steuer aussehen?
Diskutiert wird vor allem ein Modell für sehr große Vermögen. Das von der SPÖ vorgestellte Konzept sieht einen persönlichen Freibetrag von einer Million Euro vor. Erst Vermögen, die darüber hinausgehen, würden besteuert werden. Nach Berechnungen der Befürworter wären davon nur die vermögendsten Haushalte betroffen.
Ob es tatsächlich zu einer Wiedereinführung kommt, bleibt offen. Die aktuellen politischen Mehrheitsverhältnisse sprechen derzeit dagegen.
Milliardenvermögen wechseln steuerfrei den Besitzer
Die aktuellen Zahlen zeigen jedenfalls, welche Dimension Schenkungen in Österreich mittlerweile erreicht haben. Mehr als 12,5 Milliarden Euro wurden allein 2025 übertragen – größtenteils innerhalb von Familien und ohne Schenkungssteuer.
Während Befürworter einer neuen Steuer darin ein Argument für mehr Verteilungsgerechtigkeit sehen, warnen Gegner vor zusätzlichen Belastungen für Familien und Unternehmen. Die politische Diskussion dürfte angesichts der Milliardenbeträge daher noch lange nicht beendet sein.
(fd/apa)