Keine männlichen Marketender!

Schützen: Tiroler Kapelle ausgeladen

(03.06.2026) Wieder Aufregung in Tirol wegen Geschlechterrollenverteilung bei einem Traditionsverein. Die Haller Speckbacher Stadtmusik wurde vom 72. Bezirksschützenfest in Hall in Tirol ausgeladen, weil auch männliche Marketender mitmarschieren. Die Begründung: Der Schützenbezirk möchte nämlich männliche Marketender vermeiden, auch wegen der Entscheidung, Frauen nicht an das Gewehr zu lassen.

Schon länger gibt es hitzige Diskussionen

Schon beim Schützenjahrtag der Speckbacher Schützenkompanie im März ist es zu Meinungsverschiedenheiten gekommen. Die Stadtmusikkapelle wollte zunächst nur mit weiblichen Marketenderinnen ausrücken, das ist vom Schützenbezirk nicht genehmigt worden. Die Folge: die Stadtmusikkapelle ist ausgeladen worden.

Stellungnahme

Kurt Mayr, Bezirkskommandant des Schützenbezirks Hall, kommentiert: "Im Zusammenhang mit der landesweiten basisdemokratischen Entscheidung, künftig keine Frauen als Gewehrschützinnen zuzulassen, sowie der Befürchtung, dass dadurch erneut ein entsprechender Konnex hergestellt werden könnte".  Eine ruhige und sachliche Durchführung des Festes soll gewährt werden. Außerdem bestehe die Sorge, dass die Marketender in unangenehme Situationen kommen. "Dabei spielte die Teilnahme eines männlichen Marketenders eine zentrale Rolle, da dadurch erneute Diskussionen und öffentliche Kontroversen befürchtet wurden."

Die Obfrau der Stadtmusikkapelle, Claudia Posch, sieht das ganz anders. Für sie ist es ausgeschlossen, einen Marketender wegen seinem Geschlecht auszuschließen. Darum hatte sie sich 2026 erstmals dazu entschieden auch männliche Mitglieder zuzulassen. "Zumal einer der Marketender ein fixes Mitglied der Kapelle ist und ihm ein Mitwirken keinesfalls verwehrt werden soll - schon gar nicht aufgrund seines Geschlechts."

Unterschiedliche Reaktionen

Der Landesobmann des Tiroler Blasmusikverbandes, Peter Spanblöchl, ist fassungslos. Seiner Meinung nach ist das Verbot ein “starkes Stück”, denn "auch historisch ist das gar kein Thema, das war immer ein männlicher Beruf".
Der Landeskommandant des Bundes der Tiroler Schützenkompanien, Thomas Saurer, möchte sich jedoch raushalten und die Entscheidung respektieren. Er betont deswegen, "dass die Entscheidung darüber, welche Vereine und Formationen zu einer Veranstaltung eingeladen werden, grundsätzlich beim jeweiligen Veranstalter liegt." 

Die Lösung für ihn sei ein respektvolles und tolerantes Miteinander, so äußert er sich in einem Offenen Brief. "Weder Einmischungen in die Angelegenheiten des Blasmusikverbandes und seiner Musikkapellen, noch Eingriffe in die Eigenständigkeit der Schützenkompanien und Gliederungen unseres Bundes entsprechen meinem Verständnis einer partnerschaftlichen Zusammenarbeit auf Augenhöhe". Er appelliert also "an alle Beteiligten, aufeinander zuzugehen, Brücken zu bauen und den Dialog fortzusetzen."

Große Kritik von Grünen und NEOS

Der Zwischenfall gefällt der Stadtpolitik nicht. Sogar von Streichungen der Förderungen war die Rede. NEOS-Landessprecherin spricht harte Worte. Für sie ist die Ausladung nämlich der “nächste Schritt rückwärts”. "Wer jede Form von Gleichberechtigung oder Offenheit als Kontroverse betrachtet, sollte sich fragen, ob er im Jahr 2026 angekommen ist", führt sie weiter aus. Auch die grüne Partei ist alles andere als erfreut über den Vorfall. "Der Wunsch nach Gleichstellung entsteht längst innerhalb der Vereine selbst und wird dennoch von Teilen des Schützenwesens radikal abgewürgt", so die Landesabgeordnete Zeliha Arslan.

(APA/SG)

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