1,7 Millionen gefährdet!
Österreich versinkt in Armut
(29.04.2026) Die Armut in Österreich nimmt weiter zu: Im Jahr 2025 waren rund 1,699 Millionen Menschen bzw. 18,8 Prozent der Bevölkerung armuts- oder ausgrenzungsgefährdet. Das zeigen aktuelle Daten der Statistik Austria aus der EU-SILC-Erhebung. Damit ist die Zahl der Betroffenen im Vergleich zu 2024 deutlich gestiegen – um rund 170.000 Personen.
Als armuts- oder ausgrenzungsgefährdet gilt laut EU-Definition, wer unter der Armutsgrenze lebt, stark eingeschränkte Lebensbedingungen hat oder nur eingeschränkt am Arbeitsmarkt teilnehmen kann. Diese Kennzahl ist zentral für die Bewertung sozialer Ungleichheit in Europa.
Armutsgefährdung wächst trotz steigender Einkommen
Obwohl das durchschnittliche Haushaltseinkommen in Österreich zuletzt auf 50.709 Euro pro Jahr gestiegen ist, profitieren nicht alle Bevölkerungsgruppen gleichermaßen.
Besonders auffällig:
- Der Anteil der Menschen unter der Armutsgefährdungsschwelle stieg von 14,3 Prozent (2024) auf 16 Prozent (2025)
- Die Schwelle liegt aktuell bei rund 1.806 Euro netto pro Monat für eine Einzelperson
Das zeigt: Steigende Durchschnittseinkommen bedeuten nicht automatisch weniger Armut – vielmehr wächst die soziale Ungleichheit.
Besonders gefährdete Gruppen in Österreich
Die aktuellen Zahlen zeigen klar, welche Gruppen überdurchschnittlich betroffen sind:
- Arbeitslose: rund 34 Prozent unter den einkommensschwächsten 10 %
- Menschen ohne österreichische Staatsbürgerschaft: bis zu 36 Prozent
- Personen mit niedriger Bildung: deutlich erhöhtes Risiko
- Alleinerziehende: etwa 25 Prozent betroffen
- Familien mit drei oder mehr Kindern: 18 Prozent
- Alleinlebende: rund 18–19 Prozent
Diese Entwicklungen bestätigen langfristige Trends: Faktoren wie Bildung, Erwerbsstatus und Haushaltsform beeinflussen das Armutsrisiko massiv.
Jeder Fünfte kann sich keinen Urlaub leisten
Armut zeigt sich nicht nur beim Einkommen, sondern auch im Alltag. 17,8 Prozent der Menschen in Österreich konnten sich 2025 keinen einwöchigen Urlaub leisten. Auch grundlegende finanzielle Rücklagen fehlen häufig – etwa für unerwartete Ausgaben von rund 1.570 Euro. Insgesamt gelten 2,9 Prozent der Bevölkerung als erheblich materiell und sozial benachteiligt – sie können sich zentrale Lebensbereiche wie Wohnen, Ernährung oder soziale Teilhabe nicht leisten.
Zusammenhang zwischen Einkommen und Lebensqualität
Die Daten zeigen einen klaren Zusammenhang:
- Gesamtbevölkerung: 2,9 % stark benachteiligt
- Armutsgefährdete Personen: 10,1 % stark benachteiligt
Damit ist das Risiko sozialer Ausgrenzung bei einkommensschwachen Menschen mehr als dreimal so hoch.
NGOs schlagen Alarm: „Inakzeptables Niveau“
Sozialorganisationen reagieren besorgt auf die Entwicklung.
Das Rote Kreuz spricht von einem „Alarmsignal“, die Armut habe sich auf einem inakzeptablen Niveau verfestigt. Auch Caritas und Samariterbund warnen vor den Folgen steigender Lebenshaltungskosten – insbesondere für Studierende und einkommensschwache Haushalte.
Forderung der NGOs: Einsparungen im Staatshaushalt dürften nicht zulasten der ärmsten Bevölkerungsgruppen gehen.
Kinderarmut im Fokus der Politik
Besonders alarmierend ist die Situation von Kindern:
- 411.000 Kinder und Jugendliche sind armuts- oder ausgrenzungsgefährdet
- 81.000 mehr Kinder leben unter der Armutsgefährdungsschwelle als im Jahr davor
Sozialministerin Korinna Schumann betont, dass hinter jeder Statistik ein individuelles Schicksal steht. Maßnahmen wie Schulstart-Hilfen oder Wohnunterstützung sollen gezielt helfen.
Gleichzeitig fordern Organisationen wie die Volkshilfe eine Kindergrundsicherung, um Armut nachhaltig zu bekämpfen.
EU-SILC als zentrale Grundlage für Armutsdaten
Die Zahlen stammen aus der EU-SILC-Erhebung („Statistics on Income and Living Conditions“), die jährlich durchgeführt wird und europaweit vergleichbare Daten zu Einkommen, Lebensbedingungen und sozialer Ausgrenzung liefert. Sie gilt als wichtigste Grundlage für sozialpolitische Entscheidungen – sowohl in Österreich als auch auf EU-Ebene.
Fazit: Armut bleibt eines der größten sozialen Probleme
Die aktuellen Zahlen zeigen klar: Armut ist in Österreich nicht nur ein Randphänomen – sie betrifft mittlerweile fast jeden fünften Menschen.
Steigende Lebenshaltungskosten, ungleiche Einkommensentwicklung und strukturelle Probleme am Arbeitsmarkt verschärfen die Lage weiter. Besonders betroffen sind Kinder, Alleinerziehende und Menschen mit geringem Einkommen. Ohne gezielte Maßnahmen droht sich die soziale Kluft weiter zu vergrößern – mit langfristigen Folgen für Gesellschaft und Wirtschaft.
(fd/apa)