225.000 sammeln Pfandflaschen
Österreicher empfinden Empathie
(11.02.2026) Seit knapp über einem Jahr gilt in Österreich das Pfandsystem für Dosen und PET-Flaschen. Hierbei steht mittlerweile aber nicht mehr nur der ökologische Nutzen im Vordergrund. Viele Menschen in Österreich sammeln auch Pfandflaschen, um ihr Einkommen aufzubessern. Laut den Ergebnissen einer online-Umfrage von fritz-kola und dem Meinungsforschungsinstitut TQS handelt es sich hierbei zwischen 225.000 und 228.000 Menschen. 70 Prozent der Befragten gaben an, regelmäßig Pfandsammler wahrzunehmen.
Vier Prozent gaben auch an, im öffentlichen Raum gezielt nach Pfandflaschen und – dosen zu suchen. Die Gründe dafür haben vor allem einen finanziellen Hintergrund. 14 Prozent der Befragten wollen mit dem Pfand ihre zu niedrige Pension aufbessern, 13 Prozent möchten ihr unzureichendes Einkommen aus der Erwerbsarbeit aufbessern. Aber auch Vorsorge für die eigene Familie oder die Erfüllung von Wünschen von Kindern und Enkelkindern wurden von den Befragten als Motivation für das Pfandsammeln angegeben.
Viele empfinden Mitleid
Auf der Suche nach dem Pfand schauen sich die meisten (78 Prozent) auf der Straße um. Aber auch in und neben Mistkübeln oder sogar in Mülltonnen suchen manche nach Dosen und Flaschen. Pascal Fromme ist der Head of Sustainability & Public Affairs bei fritz-kola. Er sieht in den Antworten zu der Umfrage vor allem auch belastbare Daten zu den sozialen Dimensionen des Pfandsammelns in Österreich. Er meint auch, dass man von einer noch höheren Dunkelziffer ausgehen muss, da zum Beispiel ärmere Gruppen wie wohnungslose Menschen bei der Umfrage nicht erfasst werden.
Pfandsammler sind in Österreich zu einem sichtbaren Teil des österreichischen Raums geworden. 70 Prozent der Befragten gaben an, Pfandsammler bereits beobachtet zu haben. 34 Prozent empfinden mit den Pfandsammlern Mitleid, 29 Prozent sehen Pfandsammler aber auch positiv. Lediglich zwei Prozent nehmen sie als negativ wahr.
„Pfand gehört daneben“
Mehr als die Hälfte der Befragten sind auch dafür, dass es Pfandgebinde neben Mistkübeln geben soll, damit das Sammeln von Pfandflaschen leichter wird. In manchen Städten, etwa Linz und Innsbruck, wurden bereits Pfandringe an öffentlichen Mistkübeln angebracht. In Wien sind sie derzeit nicht vorgesehen. Eine Sprecherin der MA 48 meint, sie würden keinen Mehrwert bringen, seien nicht treffsicher und würden die Stadtsauberkeit nicht verbessern. Sie sagt, wo Flaschen abgestellt werden dürfen, entstehe zusätzlicher Müll, außerdem würden zusätzliche Kosten für Anschaffung, Wartung und Reinigung entstehen. Die Einführung des Pfandsystems wird seitens der MA 48 aber als positiv gesehen.
(APA/ts)