Agrardiesel kommt früher
Regierung entlastet Bauern
(18.05.2026) Die Bundesregierung zieht die geplante Agrardiesel-Vergütung um ein Jahr vor. Statt erst Ende 2027 und 2028 sollen die Zuschüsse nun bereits 2026 und 2027 an österreichische Landwirte ausbezahlt werden. Damit reagiert die Regierung auf steigende Kosten für Diesel und Düngemittel infolge der internationalen Krisenlage.
Bauern sollen schneller entlastet werden
Wie das Landwirtschaftsministerium am Sonntag mitteilte, sollen Landwirte künftig früher von der Agrardiesel-Vergütung profitieren. Konkret wird die Auszahlung der vorgesehenen Zuschüsse jeweils um ein Jahr vorgezogen. Der Zuschuss dürfte laut aktuellen Angaben bei rund 16 Cent pro Liter Diesel liegen.
Im aktuellen Doppelbudget sind dafür insgesamt 100 Millionen Euro vorgesehen. Die genaue Ausgestaltung des Modells sowie die Auszahlungsmodalitäten werden derzeit noch verhandelt.
Autofahrer bei Spritpreisbremse kaum entlastet
Brisant ist die Entscheidung der Regierung auch deshalb, weil die allgemeine Spritpreisbremse für Autofahrer seit Mitte Mai bereits deutlich abgeschwächt wurde. Während Landwirte nun früher Geld aus der Agrardiesel-Vergütung erhalten sollen, wurde die Entlastung an den Tankstellen zuletzt reduziert.
Die ursprünglich angekündigte Senkung von rund zehn Cent pro Liter fiel nach den jüngsten Änderungen deutlich geringer aus. Aktuell liegt die tatsächliche Entlastung für viele Autofahrer nur noch bei wenigen Cent pro Liter. Auch die strengeren Preisregeln für Tankstellen wurden wieder gelockert.
Kritiker werfen der Regierung deshalb vor, einzelne Branchen gezielt zu bevorzugen, während die breite Bevölkerung weiterhin unter hohen Spritpreisen leidet.
Regierung verweist auf steigende Kosten durch Iran-Krieg
Hintergrund der Maßnahme sind die zuletzt stark gestiegenen Energie- und Betriebskosten in der Landwirtschaft. Besonders die Entwicklungen rund um den Iran-Konflikt sorgen laut Bundesregierung für höhere Preise bei Diesel und Düngemitteln. Agrarminister Norbert Totschnig und Bundeskanzler Christian Stocker (beide ÖVP) betonten in einer gemeinsamen Stellungnahme, dass viele landwirtschaftliche Betriebe aktuell massiv unter Druck stehen. „Mit dem Vorziehen der Auszahlung um ein Jahr wirken wir den aktuell hohen Preisen entgegen und stärken die Liquidität unserer Betriebe“, heißt es aus dem Landwirtschaftsministerium. Nicht alle sind von den Maßnahmen überzeugt, wie man in vielen Foren lesen kann.
FPÖ spricht von „Taschenspielertrick“
Auch die FPÖ reagierte kritisch auf die Ankündigung der Regierung. Budgetsprecher Arnold Schiefer bezeichnete die Maßnahme als „schäbigen Taschenspielertrick auf dem Rücken unserer heimischen Bauern“. Seiner Ansicht nach werde die angekündigte Entlastung durch geplante Erhöhungen bei den Sozialversicherungsbeiträgen für Landwirte wieder aufgehoben.
Unterstützung von Bauernbund und Landwirtschaftskammer
Von Vertretern der Landwirtschaft kam breite Zustimmung zur angekündigten Maßnahme. Bauernbund-Präsident Georg Strasser sprach von einer wichtigen Entlastung in wirtschaftlich schwierigen Zeiten. Auch Landwirtschaftskammer-Österreich-Präsident Josef Moosbrugger begrüßte die frühere Auszahlung ausdrücklich. Viele Betriebe würden derzeit mit enormen finanziellen Belastungen kämpfen. ÖVP-Generalsekretär Nico Marchetti sieht in der Agrardiesel-Verlängerung zudem einen wichtigen Beitrag für leistbare Lebensmittel in Österreich.
Kritik vom WWF: „Falsches Signal“
Kritik kommt hingegen von Umweltorganisationen. Der WWF sieht in der Verlängerung der Agrardiesel-Vergütung ein problematisches Signal in Richtung Klimapolitik. WWF-Klimaexperte Reinhard Uhrig erklärte, öffentliche Gelder sollten genutzt werden, um Betriebe unabhängiger von fossilen Energien zu machen — und nicht bestehende Abhängigkeiten weiter zu verlängern. Die Umweltorganisation fordert stattdessen stärkere Investitionen in nachhaltige Technologien und alternative Antriebssysteme für die Landwirtschaft.
Was die Agrardiesel-Vergütung bedeutet
Die Agrardiesel-Vergütung soll landwirtschaftliche Betriebe bei den hohen Treibstoffkosten entlasten. Landwirtschaftliche Maschinen wie Traktoren oder Erntemaschinen benötigen große Mengen Diesel, wodurch steigende Energiepreise viele Höfe stark belasten.
Mit der vorgezogenen Auszahlung will die Regierung laut eigenen Angaben verhindern, dass vor allem kleinere Betriebe in finanzielle Schwierigkeiten geraten.
Geplante Eckpunkte im Überblick
- Auszahlung nun bereits 2026 und 2027
- Ursprünglich vorgesehen für 2027 und 2028
- Voraussichtlicher Zuschuss: rund 16 Cent pro Liter Diesel
- Budgetvolumen: 100 Millionen Euro
- Weitere Details zur Auszahlung noch offen
Die finalen Beschlüsse sollen im Rahmen der laufenden Budgetverhandlungen fixiert werden.
(fd/apa)