Bürgerdialog oder Aufreger?
Stocker tourt durchs Land
(16.07.2026) Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP) startet am Donnerstag seine Österreich-Tour "Österreich im Gespräch". In allen neun Bundesländern will er sich in den kommenden Wochen den Fragen von Bürgerinnen und Bürgern stellen. Doch noch vor dem Auftakt sorgt die Finanzierung der Veranstaltungsreihe für Kritik: Bezahlt wird sie laut "Kronen Zeitung" nicht von der ÖVP, sondern aus dem Budget des Bundeskanzleramts – also mit Steuergeld.
Bürgerdialog in allen Bundesländern
Unter dem Motto "Österreich im Gespräch" sind bis Ende August Veranstaltungen in allen neun Bundesländern geplant. Pro Termin sollen rund 200 Bürgerinnen und Bürger mit dem Bundeskanzler diskutieren. Der Auftakt findet am Donnerstag in Tulln in Niederösterreich statt.
Laut dem Bundeskanzleramt soll die Veranstaltungsreihe dem Informationsauftrag der Bundesregierung dienen. Gegenüber der "Krone" erklärte das Kanzleramt: "Der direkte Austausch zur Arbeit des Bundeskanzlers und der Bundesregierung ist die Gelegenheit, wichtige politische Anliegen direkt zur Sprache zu bringen."
Wie die "Kronen Zeitung" berichtet, wird die Tour nicht von der Partei finanziert, sondern direkt über das Bundeskanzleramt abgewickelt. Demnach übernimmt unter anderem das Bürgerservice des Kanzleramts die Organisation der Anmeldung und betreut auch die Telefon-Hotline für Interessierte.
Die "Krone" sieht darin eine problematische Vermischung von staatlichen Aufgaben und parteipolitischer Kommunikation. Besonders kritisch wird der Zeitpunkt bewertet: Erst vor wenigen Wochen war Stocker wegen seiner Reise zur Fußball-Weltmeisterschaft in den USA mit mehreren Mitarbeitern in die Kritik geraten.
Wer an einer Veranstaltung teilnehmen möchte, muss sich über eine eigens eingerichtete Website anmelden. Für die Auswahl der Teilnehmer wurde Meinungsforscher Peter Hajek beauftragt. Ziel sei laut Bundeskanzleramt ein möglichst repräsentativer Querschnitt der Bevölkerung.
Nach Angaben der "Krone" geben Interessierte bei der Anmeldung unter anderem ihr Alter, ihren Wohnort, die Anzahl ihrer Kinder sowie ihre politische Einstellung an. Die Daten würden anonymisiert ausgewertet, bevor die Teilnehmer ausgewählt werden.
Kritik an Auswahlverfahren
Die "Krone" verweist zudem darauf, dass die Teilnehmer nicht zufällig ausgelost werden, sondern sich aktiv bewerben müssen. Kritiker bezweifeln deshalb, dass auf diese Weise tatsächlich ein repräsentativer Querschnitt der Bevölkerung erreicht werden kann. Zudem wird hinterfragt, ob ohne zusätzliche Werbemaßnahmen genügend Interessierte für die Veranstaltungen gewonnen werden können.
Die Veranstaltungsreihe startet am Donnerstag in Tulln. Weitere Termine in allen Bundesländern sind bis Ende August geplant.
(fd/krone)