Budget: Defizit steigt weiter
Trotz aller Sparmaßnahmen
(14.10.2026) Schlechte Nachrichten für Österreichs Staatsbudget: Finanzminister Markus Marterbauer (SPÖ) muss die Defizitprognose für 2027 nach oben korrigieren. Statt der bisher erwarteten 3,5 Prozent soll das Budgetdefizit nun 3,6 Prozent der Wirtschaftsleistung betragen. Grund dafür sind vor allem steigende Zinsen, die Österreich im kommenden Jahr rund 500 Millionen Euro zusätzlich kosten dürften. Trotzdem hält die Bundesregierung am Ziel fest, das Defizit bis 2028 wieder auf drei Prozent zu senken.
Marterbauer erhöht Budgetdefizit für 2027 auf 3,6 Prozent
Österreichs Finanzminister Markus Marterbauer hat am Mittwoch, dem 14. Oktober 2026, im Ö1-Morgenjournal eine Verschlechterung der Budgetprognose angekündigt. Im Bericht an die EU-Kommission wird das erwartete gesamtstaatliche Defizit für 2027 von bisher 3,5 auf 3,6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) angehoben.
Als Hauptgrund nennt Marterbauer die gestiegenen Zinssätze in den USA, die auch Auswirkungen auf die europäischen Finanzmärkte haben. Dadurch wird die Finanzierung der österreichischen Staatsschulden teurer.
Die zusätzlichen Belastungen könne Österreich selbst kaum beeinflussen. Für den Finanzminister ist das eine schlechte Nachricht, zumal das Budget ohnehin unter erheblichem Spardruck steht.
Österreich muss 2027 rund elf Milliarden Euro Zinsen zahlen
Besonders deutlich wird die Belastung bei den Zinsausgaben. Laut der aktualisierten Prognose des Finanzministeriums sollen diese im Jahr 2027 auf rund elf Milliarden Euro steigen.
Das entspricht einem Anstieg um 19,8 Prozent gegenüber 2026. Allein durch die jüngsten Entwicklungen auf den internationalen Finanzmärkten rechnet Marterbauer für das kommende Jahr mit rund 500 Millionen Euro zusätzlichen Zinskosten.
Das Geld muss der Staat für die Finanzierung bestehender und neuer Schulden aufbringen. Steigende Zinsausgaben schränken deshalb den finanziellen Spielraum für andere Bereiche des Budgets ein.
Zusätzlich zu den höheren Zinsen belasten laut Finanzministerium auch steigende Ausgaben für Arbeitslosenversicherungsleistungen die Prognose für 2027.
Budget 2026 entwickelt sich etwas besser als erwartet
Während sich die Aussichten für 2027 verschlechtern, gibt es für das laufende Jahr zumindest eine leichte Verbesserung.
Das Finanzministerium rechnet für 2026 nun mit einem Budgetdefizit von 4,1 Prozent des BIP. Bisher waren 4,2 Prozent erwartet worden. Hintergrund ist unter anderem eine etwas bessere Prognose für die österreichische Wirtschaftsleistung.
Auch bei der Staatsschuldenquote für 2027 gibt es eine kleine rechnerische Verbesserung. Sie soll nun 83,2 Prozent des BIP betragen, nachdem zuvor 83,8 Prozent prognostiziert worden waren.
Das bedeutet allerdings nicht automatisch, dass Österreich weniger Schulden macht. Die niedrigere Quote ergibt sich vor allem daraus, dass die erwartete Wirtschaftsleistung höher ausfällt. Die Schulden werden damit ins Verhältnis zu einem größeren Bruttoinlandsprodukt gesetzt.
Österreich muss wegen EU-Defizitverfahren weiter sparen
Österreich befindet sich aufgrund seiner hohen Neuverschuldung in einem EU-Defizitverfahren. Nach den europäischen Fiskalregeln soll das jährliche gesamtstaatliche Defizit grundsätzlich höchstens drei Prozent der Wirtschaftsleistung betragen.
Die Bundesregierung aus ÖVP, SPÖ und NEOS hat deshalb einen mehrjährigen Sanierungskurs vereinbart. Trotz der nun schlechteren Aussichten für 2027 will Finanzminister Marterbauer das Defizit bis 2028 wieder auf drei Prozent des BIP reduzieren.
Der am Mittwoch im Ministerrat beschlossene Fortschrittsbericht wird an die EU-Kommission in Brüssel übermittelt. Solche Berichte muss Österreich während des laufenden Defizitverfahrens regelmäßig vorlegen.
Marterbauer warnt: Kein Geld für neue Maßnahmen
Angesichts der angespannten Budgetlage fordert der Finanzminister, dass die bereits vereinbarten Sparmaßnahmen konsequent umgesetzt werden.
Das betrifft sowohl die geplanten Einsparungen als auch zusätzliche Einnahmen im Doppelbudget 2027 und 2028. Neue politische Vorhaben sollen nur möglich sein, wenn dafür an anderer Stelle Geld eingespart oder eine entsprechende Finanzierung gefunden wird.
Marterbauer warnt ausdrücklich vor zu hohen Erwartungen an neue staatliche Ausgaben. Die finanziellen Spielräume seien sehr begrenzt. Ohne zusätzliche Budgetdisziplin könnte es schwieriger werden, das EU-Defizitverfahren wie geplant zu verlassen.
ÖVP und NEOS fordern weitere Strukturreformen
Auch die Koalitionspartner betonen, dass Österreich seinen Sparkurs fortsetzen müsse. Finanzstaatssekretärin Barbara Eibinger-Miedl (ÖVP) hält am Ziel fest, das Budgetdefizit bis 2028 mit konsequenter Budgetdisziplin und Strukturreformen wieder auf drei Prozent zu senken.
NEOS-Staatssekretär Josef Schellhorn fordert unterdessen weitere Reformen bei Bund, Ländern und Gemeinden. Alle staatlichen Ebenen müssten gemeinsam daran arbeiten, bestehende Strukturen effizienter und kostengünstiger zu gestalten.
Damit rückt auch die Frage in den Mittelpunkt, wie Österreich langfristig seine Verwaltungsausgaben reduzieren und gleichzeitig wichtige staatliche Leistungen finanzieren kann.
Was bedeutet das höhere Budgetdefizit für die Bevölkerung?
Die Erhöhung der Defizitprognose bedeutet zunächst keine automatisch beschlossenen neuen Steuern oder zusätzlichen Kürzungen. Sie zeigt allerdings, dass die Bundesregierung bei der Finanzierung neuer Maßnahmen noch weniger Spielraum hat als bisher angenommen.
Höhere Zinszahlungen binden öffentliche Mittel, die damit nicht für andere Aufgaben zur Verfügung stehen. Gleichzeitig muss Österreich seinen mit der EU vereinbarten Sanierungskurs einhalten.
Für die Bevölkerung wird deshalb entscheidend sein, ob die Regierung ihre Budgetziele durch bereits geplante Einsparungen, Verwaltungsreformen und eine bessere Wirtschaftsentwicklung erreichen kann oder ob weitere Maßnahmen notwendig werden.
Budget 2027: Österreich hält trotz schlechterer Prognose am Sparziel fest
Trotz der steigenden Zinsbelastung will die Bundesregierung ihren bisherigen Kurs nicht ändern. Das Defizit soll von 4,1 Prozent im Jahr 2026 über nun erwartete 3,6 Prozent im Jahr 2027 auf drei Prozent im Jahr 2028 sinken.
Ob dieser Plan aufgeht, hängt allerdings auch von der internationalen Wirtschaftsentwicklung, den Zinssätzen und den tatsächlichen Ausgaben des Staates ab.
Fest steht: Österreich muss 2027 voraussichtlich deutlich mehr Geld für Zinsen ausgeben. Gleichzeitig bleibt der Druck hoch, die Staatsfinanzen zu sanieren und neue Schulden zu begrenzen.
(fd/apa)