Doppelbudget 2027/28
Mittelschicht als Melkkuh?
(28.04.2026) Die Bundesregierung hat sich auf die Eckpunkte des Doppelbudgets 2027/28 geeinigt und will damit Österreich aus dem EU-Defizitverfahren führen. Doch während die Regierung von Entlastung spricht, sorgt ein Punkt besonders für Aufregung: Ein großer Teil der Kosten dürfte bei der Mittelschicht, Familien und Pensionisten landen.
Regierung setzt auf Sparen und Entlastung
Im Zentrum des Doppelbudgets steht ein Mix aus Einsparungen und gezielten Entlastungen. Besonders im Fokus: die geplante Senkung der Lohnnebenkosten ab 2028, mit der Unternehmen finanziell entlastet werden sollen. Gleichzeitig will die Regierung durch höhere Abgaben – etwa bei Banken und großen Unternehmen – zusätzliche Einnahmen generieren. Ziel ist es, das Budgetdefizit deutlich zu senken und die Staatsfinanzen langfristig zu stabilisieren. Doch genau bei der Gegenfinanzierung beginnt die Kritik.
Mittelschicht soll Milliarden stemmen
Denn laut den bisher bekannten Details wird ein erheblicher Teil der Entlastung nicht von Unternehmen selbst getragen, sondern von der breiten Bevölkerung. Konkret geht es um rund eine Milliarde Euro, die laut Kritik von Arbeitnehmern, Familien sowie Pensionistinnen und Pensionisten aufgebracht werden müssen. Damit wird aus einer angekündigten Entlastung für Betriebe für viele Menschen eine indirekte Zusatzbelastung – ein Punkt, der politisch besonders brisant ist.
Pensionisten und Familien im Fokus der Kritik
Auch im Sozialbereich zeichnen sich Einschnitte ab, die für viele zum Problem werden könnten. Diskutiert werden unter anderem Anpassungen bei der Arbeitslosenversicherung sowie mögliche Kürzungen oder Veränderungen bei Familienleistungen.
Gerade für vulnerable Gruppen könnte das spürbar werden: Alleinerziehende könnten laut Berechnungen jährlich mehrere hundert Euro verlieren. Auch kleine Pensionen und Haushalte mit geringem Einkommen geraten stärker unter Druck. Sozialorganisationen warnen bereits, dass genau jene belastet werden könnten, die ohnehin wenig finanziellen Spielraum haben.
Entlastung für Betriebe, Belastung für die Mitte?
Politisch besonders heikel ist die Kombination der Maßnahmen: Während Unternehmen perspektivisch entlastet werden sollen, wird ein Teil dieser Entlastung über die breite Bevölkerung gegenfinanziert. Kritiker sprechen deshalb von einer Verschiebung der Lasten hin zur Mittelschicht. Besonders Frauen in Teilzeit, Familien und Pensionisten würden die Folgen überproportional spüren.
Opposition spricht von „Ungerechtigkeit“
Die Opposition reagiert entsprechend scharf. FPÖ-Chef Herbert Kickl sieht im Doppelbudget eine verpasste Chance für echte Reformen und kritisiert zusätzliche Belastungen für die Wirtschaft und Bevölkerung. Noch deutlicher wird Grünen-Chefin Leonore Gewessler. Sie spricht von einer „in Zahlen gegossenen Ungerechtigkeit“. Für sie ist klar: Während breite Bevölkerungsschichten zahlen müssten, blieben große Vermögen – etwa durch das Fehlen einer Erbschaftssteuer – weiterhin unangetastet.
Auch Experten und Organisationen schlagen Alarm
Nicht nur Parteien äußern Kritik. Auch die Arbeiterkammer, Gewerkschaften und Organisationen wie die Caritas oder die Volkshilfe sehen die soziale Ausgewogenheit des Doppelbudgets gefährdet. Sie warnen davor, dass Einsparungen und Gegenfinanzierungen zulasten jener gehen könnten, die ohnehin stärker von Teuerung und steigenden Lebenshaltungskosten betroffen sind.
Streit um Budgetkurs spitzt sich zu
Damit entwickelt sich das Doppelbudget 2027/28 zu einem der größten politischen Streitpunkte in Österreich. Die Regierung setzt auf Konsolidierung und wirtschaftliche Stabilität – doch der Preis dafür könnte aus Sicht der Kritiker zu hoch sein. Vor allem eine Frage wird in den kommenden Wochen im Zentrum stehen: Wer zahlt am Ende wirklich für dieses Budget – und wie gerecht ist die Verteilung der Lasten?
Die endgültigen Details werden mit der Budgetrede im Juni erwartet, ein Beschluss im Parlament könnte Anfang Juli erfolgen.
(fd/apa)