Ermittlungen gegen Internist
Zumindest ein Opfer war minderjährig
(15.06.2026) Im Fall des Grazer Internisten, gegen den wegen Missbrauchs und heimlichen Videoaufnahmen in der Ordination ermittelt wird, hat die Staatsanwaltschaft Graz am Montag auf APA-Nachfrage bekannt gegeben, dass zumindest eines der Opfer noch minderjährig war. Ermittelt werde bereits seit Herbst 2025, nachdem ein Rechtshilfeersuchen der Schweizer Justizbehörden in Graz eingetroffen war. Der Beschuldigte, er ist über 60 Jahre alt, betreibe nämlich auch eine Praxis in der Schweiz.
Wie die Staatsanwaltschaft weiter ausführte, sollen sämtliche sichergestellten Datenträger im Wesentlichen ausgewertet worden sein. Die Ermittlungen würden aber noch andauern. Auf dem gesichteten Material seien auch noch mehrere bisher nicht namentlich bekannte Opfer zu sehen. Eine genaue Zahl könne allerdings noch nicht festgemacht werden, sagte Sprecher Christian Kroschl am Montag. Dass der Internist, der offenbar seit 2012 heimlich Aufnahmen angefertigt haben soll, sogar mehrere Kameras, teilweise in Taschentücherboxen versteckt, in seiner Ordination positioniert hatte, bestätigte der Staatsanwalt nicht. Dies hatte die "Kronen Zeitung" am Montag berichtet.
Suche nach Namen von weiteren Opfern
Offen bleiben auch weitere Umstände der mutmaßlichen Übergriffe. Diese würden vorerst nicht seitens der Staatsanwaltschaft kommuniziert. Der Fall war am Wochenende publik geworden: Der Grazer Internist soll Patientinnen jahrelang in seiner Privatordination sexuell missbraucht und heimlich nackt gefilmt haben. Der Mediziner soll die Frauen teilweise sogar sediert, sich auf einem Gynäkologenstuhl sexuell an ihnen vergangen und dies aufgenommen haben. Zahlreiche Fotos und Videos wurden offenbar sichergestellt.
Laut einem Bericht der "Kronen Zeitung" soll einer Klientin des Mediziners ein verstecktes Mobiltelefon aufgefallen sein, dessen Linse genau auf den intimen Untersuchungsbereich ausgerichtet war. Unter einem Vorwand soll der Arzt die meist jungen Patientinnen dazu gebracht haben, sich auszuziehen. Die Behandlung hätte er laut Bericht dann in einem Gynäkologenstuhl statt auf einer Liege vorgenommen, wobei diese Untersuchungen von der Notwendigkeit her ebenso hinterfragbar wären. Die Frauen sollen außerhalb der regulären Ordinationszeiten behandelt worden sein, als keine Sprechstundenhilfe mehr zugegen war.
Derzeit sollen acht Betroffene bekannt sein, aber die Polizei geht von weiteren Opfern aus und bittet diese, sich bei einem Verdacht zu melden. Der Verdächtige darf seinen Beruf laut "Krone" mittlerweile nicht mehr ausüben. Er verteidigte sich bei seiner Einvernahme damit, dass sein Handeln medizinisch indiziert und die Filmaufnahmen abgesprochen gewesen seien.
(mt/apa)