Europas Zukunft bedroht?
EU in 5 Jahren weggefegt?
(10.02.2026) Frankreichs Präsident Emmanuel Macron sieht Europas Zukunft ernsthaft in Gefahr. Grund dafür seien die instabile US-Politik und die Handelskonflikte zwischen den USA und China. In einem am Dienstag veröffentlichten Interview mit mehreren europäischen Zeitungen – darunter die „Süddeutsche Zeitung“ – sagte Macron:
„Wenn wir nichts tun, ist Europa in fünf Jahren weggefegt.“
Macron beschreibt die aktuelle Lage als einen „Grönland-Moment“. Dieser Moment habe den Europäern „zweifellos bewusst gemacht, dass es bedroht ist“.
Europa im Trauma – und die Angst vor den USA wächst
Macron spricht von einem regelrechten Trauma in Europa: Viele Menschen würden zweifeln, weil man nicht mehr wisse, wie weit die Amerikaner tatsächlich bereit seien zu gehen.
„Man weiß nicht mehr, wie weit die Amerikaner bereit sind zu gehen.“
Nach jeder kurzen Entspannung in Konflikten gebe es laut Macron oft eine Art „feige Erleichterung“ – als Beispiel nennt er die Diskussion um die US-Strafzölle im vergangenen Sommer.
Macron warnt allerdings deutlich davor, sich jetzt in Sicherheit zu wiegen:
„Jeden Tag, jede Woche wird es neue Drohungen geben.“
Für ihn ist klar: Diese Krise sei ein tiefgreifender geopolitischer Bruch. Europa müsse jetzt „aufwachen“ und aus dem Zustand der „geopolitischen Minderjährigkeit“ herauskommen.
Die zentrale Frage sei:
Will Europa „Zuschauer“ oder „Akteur“ sein?
Macron fordert besseren Schutz für Europas Industrie
Macron bekräftigte außerdem seine Forderung nach einem besseren Schutz der europäischen Industrie. Dabei gehe es seiner Meinung nach nicht um klassischen Protektionismus, sondern um eine klare Priorisierung:
„Ich meine damit nicht Protektionismus, sondern die Bevorzugung europäischer Produkte.“
Besonders nennt er dabei den Schutz von europäischem Stahl. Macron wollte am Dienstag auch ein Werk des Stahlkonzerns ArcelorMittal im nordfranzösischen Dünkirchen besuchen.
Seine Begründung:
„Wenn sich die beiden Großmächte, denen wir gegenüberstehen, nicht mehr an die Regeln der Welthandelsorganisation halten, müssen wir uns wehren.“
Sonst, so Macron:
„Sonst verschwinden wir vom Markt.“
Investitionen in Verteidigung, KI und Quantencomputer
Macron fordert außerdem deutlich stärkere Investitionen in Europa. Dafür seien aus seiner Sicht Eurobonds notwendig.
„Für zukunftsorientierte Ausgaben müssen wir eine gemeinsame Verschuldungskapazität schaffen.“
Investiert werden solle unter anderem in:
- Verteidigung
- grüne Technologien
- künstliche Intelligenz
- Quantencomputer
Macron betonte:
„Wir investieren viel weniger als die Chinesen und die Amerikaner.“
Macron lobt neue Nähe zu Bundeskanzler Friedrich Merz
Auch politisch setzt Macron auf stärkere Zusammenarbeit. Er begrüßte die seit dem Amtsantritt von Deutschlands Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) wieder intensiveren deutsch-französischen Beziehungen.
„Wir reden ständig miteinander.“
Macron betont außerdem:
„Das deutsch-französische Tandem ist unverzichtbar, damit sich Europa bewegt. Aber allein reicht es nicht aus.“
Er sagte auch, es sei „normal“, dass Deutschland und Italien bei ihrem jüngsten Gipfeltreffen ein gemeinsames Papier zum Wachstum verfasst hätten. In einigen Wochen werde es außerdem einen französisch-italienischen Gipfel geben.
Macron dementiert FCAS-Aus: „Jet der Zukunft“
Spekulationen über ein mögliches Ende des geplanten deutsch-französischen Kampfjets FCAS wies Macron zurück:
„FCAS ist der Jet der Zukunft. Wir brauchen ein solches Flugzeug.“
Er habe mit Merz nicht über ein Ende des Projekts gesprochen, betonte er. Seine Meinung sei klar:
„dass die Dinge vorangehen müssen“.
Macron will wieder Dialog mit Russland – aber europäisch organisiert
Mit Blick auf die Ukraine und die Bemühungen um einen Waffenstillstand unterstrich Macron die Notwendigkeit eines europäischen Dialogs mit Russland.
„Es muss möglich sein, den Dialog mit Russland wieder aufzunehmen.“
Das müsse allerdings über einen gut organisierten europäischen Ansatz laufen – und nicht über zu viele einzelne Gesprächspartner.
Macron sagte auch, die Diskussion dürfe nicht „an andere delegiert“ werden – mit Blick auf die USA.
Kreml bestätigt Kontakte auf Arbeitsebene
Russland bestätigte inzwischen Kontakte auf Arbeitsebene. Diese könnten helfen, einen Kontakt auf höchster Ebene herzustellen.
Kremlsprecher Dmitri Peskow sagte jedoch:
„Bisher haben wir keinerlei Hinweise erhalten, dass ein solcher Wunsch besteht.“
Macron über Trump: „Respektvoll, berechenbar, aber nicht schwach“
Zum Abschluss sprach Macron auch über sein persönliches Verhältnis zu US-Präsident Donald Trump. Er selbst sei im Umgang mit dem Rechtspopulisten:
„immer respektvoll, berechenbar, aber nicht schwach“.
Und er fügte hinzu:
„Wenn es zu einer eindeutigen Aggression kommt, denke ich, dass wir uns nicht beugen sollten.“
(fd/apa)