Handel: KV-Verhandlungsstart!

"Teuerung muss abgedeckt sein"

(22.10.2026) Am Donnerstagvormittag starten die Kollektivvertragsverhandlungen für rund 420.000 Angestellte und 19.000 Lehrlinge im Handel. Um elf Uhr übergeben in der Wirtschaftskammer im vierten Wiener Gemeindebezirk die Arbeitnehmervertreter der Gewerkschaft GPA ihre Forderungen an die Arbeitgebervertreter von der Wirtschaftskammer. Wie hoch die Gehaltsforderung für den KV 2026 sein wird, hat die GPA im Vorfeld nicht verraten.

Nur soviel ließ sie sich entlocken: Die rollierende Inflation, also die Teuerung der vergangenen zwölf Monate, müsse abgedeckt sein. Diese liegt bei 3,3 Prozent. Die vergangenen drei KV-Abschlüsse lagen unter der rollierenden Inflation und brachten somit einen Reallohnverlust.

1.237 netto bei 25-Stunden Woche

Der Mindestlohn im Verkauf liegt derzeit bei 2.251 Euro brutto pro Monat. Das durchschnittliche Vollzeitgehalt im Handel beträgt 2.586 Euro brutto, was 1.949 Euro netto entspricht - bei einer Wochenarbeitszeit von 38,5 Stunden. Bei einem 25-Stunden-Job sinkt das Netto-Einstiegsgehalt auf 1.237 Euro. Im Handel ist die Teilzeitquote besonders hoch - mehr als jeder und jede Zweite hat keinen Fulltime-Job. Zwei von drei Beschäftigten sind Frauen, im Einzelhandel fast drei Viertel.

Geht es nach der GPA, dann läuft es für den Handel durchaus gut. "Die Branche verzeichnete 2025 im Durchschnitt einen Anstieg des ordentlichen Betriebserfolges um 7,8 Prozent", rechnet die neue GPA-Chefverhandlerin Linda Keizer vor. Zum aktuellen Zeitpunkt würden die Gewinnausschüttungen bei rund einer Milliarde Euro liegen. "Gleichzeitig steigt der Anteil der Gewinne, der an die Eigentümer:innen fließt", betonte Keizer bei einem Medientermin. Dem gegenüber stünde eine sinkende Kaufkraft, was nicht im Sinne des Handels sein könne.

2025 plus von 2,55 Prozent

Im Vorjahr haben sich die Sozialpartner in der dritten Verhandlungsrunde überraschend schnell auf einen neuen Handels-Kollektivvertrag geeinigt. Die Angestellten-Mindestgehälter stiegen mit 1. Jänner 2026 um 2,55 Prozent. Die den Verhandlungen zugrunde liegende Jahresinflation lag bei drei Prozent.

Traditionell läutet die Metallindustrie die Herbstlohnrunde ein, nach einer Einigung auf einen Zwei-Jahres-Abschluss im Vorjahr fällt das heurige Feilschen aber aus. Ab dem 1. November 2026 steigen in der Metallindustrie die Ist-Löhne und Gehälter um 1,9 Prozent und die kollektivvertraglichen Mindestentgelte um 2,1 Prozent, also deutlich unter der Teuerungsrate.

Mehrere große Branchen befinden sich bereits in der Herbstlohnrunde, wie etwa die Bahnen, der IT-Sektor und die A1 Telekom Austria. Eine Bezahlung der Beschäftigten unter dem Kollektivvertrag für die jeweilige Branche ist verboten, der KV gilt auch für den Leiharbeitssektor.

(apa/mc)

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