Impfung in der Apotheke?
Zugang wird erleichtert
(05.11.2026) Für eine Impfung extra vom Medikamentenkauf in der Apotheke noch zum Arzt fahren? Ab 2027 soll dieser zusätzliche Weg bei bestimmten Impfungen wegfallen. Die Bundesregierung hat am Mittwoch beschlossen, dass entsprechend ausgebildete Apotheker künftig selbst Impfungen durchführen dürfen. Starten soll das neue Angebot möglichst bereits zur Zeckensaison im Frühjahr 2027.
Diese drei Impfungen sollen in Apotheken möglich werden
Zum Start konzentriert sich die Regierung auf Totimpfstoffe, die bereits bisher direkt in Apotheken gekauft werden konnten.
Vorgesehen sind Impfungen gegen:
- FSME, also die sogenannte Zeckenimpfung
- Hepatitis B
- Diphtherie, Tetanus und Keuchhusten als Kombinationsimpfung, teilweise auch in Kombination mit Polio
Damit soll der Zugang zum Impfschutz einfacher werden. Gesundheitsministerin Korinna Schumann (SPÖ) betont, dass Ärzte dadurch nicht ersetzt werden sollen. Vielmehr werde eine zusätzliche Möglichkeit geschaffen.
Impfen ab 14 Jahren
Nicht jeder kann künftig einfach für jede Impfung in die Apotheke gehen. Vorgesehen ist das Angebot zunächst für Personen ab dem vollendeten 14. Lebensjahr.
Ausgenommen sind unter anderem Schwangere, akut erkrankte Personen sowie Menschen mit erhöhtem medizinischem Risiko bei Impfungen. Bei ihnen soll weiterhin eine entsprechende ärztliche Abklärung erfolgen.
Auch Kinder unter 14 Jahren werden vorerst nicht in Apotheken geimpft.
Apotheker brauchen eigene Ausbildung und Prüfung
Nicht jeder Apotheker darf automatisch eine Spritze setzen. Voraussetzung ist eine spezielle Impfausbildung mit abschließender Prüfung.
Die Ausbildung soll von der Apothekerkammer organisiert und mit dem Gesundheitsministerium abgestimmt werden. Auch regelmäßige Auffrischungen sind vorgesehen.
Außerdem muss die Impfung in einem abgetrennten Bereich der Apotheke erfolgen. Jede durchgeführte Immunisierung wird dokumentiert und soll im elektronischen Impfpass eingetragen werden.
Apotheken müssen den Service allerdings nicht anbieten. Die Teilnahme bleibt freiwillig.
Impfstoff kaufen und direkt impfen lassen
Der große Unterschied zum bisherigen System: Patienten können den Impfstoff künftig nicht nur in der Apotheke kaufen, sondern ihn dort unter den entsprechenden Voraussetzungen gleich verabreicht bekommen.
Genau diese zusätzliche Hürde wollte die Regierung beseitigen. Wer etwa eine FSME-Impfung kauft, musste bisher anschließend noch einen Arzttermin organisieren.
Schumann hofft, dadurch mehr Menschen zu erreichen und die Durchimpfungsrate in Österreich zu erhöhen.
Start möglichst zur Zeckensaison 2027
Als Ziel nennt die Regierung das Frühjahr 2027. Besonders die FSME-Impfung soll möglichst bereits zu Beginn der nächsten Zeckensaison in Apotheken angeboten werden.
Fix ist dieser Termin aber noch nicht. Der entsprechende Gesetzesentwurf geht zunächst in die Begutachtung und muss anschließend das parlamentarische Verfahren durchlaufen.
2027 bezeichnet Schumann als eine Art Probejahr. Danach könnte das Angebot deutlich ausgeweitet werden.
Apotheker wollen auch Grippe-Impfung
Der Apothekerkammer geht der Beschluss noch nicht weit genug. Sie begrüßt grundsätzlich, dass das Impfen in Apotheken endlich ermöglicht werden soll, fordert aber eine rasche Erweiterung.
Künftig sollten möglichst alle geeigneten Nicht-Lebendimpfstoffe verabreicht werden dürfen. Besonders dringend nennt die Apothekerkammer die Influenza-Impfung.
Auch Grippeimpfungen direkt in der Apotheke könnten ihrer Ansicht nach dazu beitragen, Menschen zu erreichen, die sonst auf eine Immunisierung verzichten.
FPÖ und Grüne fordern ebenfalls Ausweitung
Auch aus der Opposition kommt grundsätzlich Zustimmung.
FPÖ-Gesundheitssprecher Gerhard Kaniak bezeichnet die Entscheidung als Schritt in die richtige Richtung, kritisiert aber die Beschränkung auf nur wenige Impfungen.
Ähnlich argumentieren die Grünen. Gesundheitssprecher Ralph Schallmeiner fordert, dass weitere Impfungen künftig unkompliziert ergänzt werden können. Neben Influenza nennt er dabei ausdrücklich auch HPV.
Ärztekammer bleibt strikt dagegen
Deutlich kritischer reagiert dagegen die Österreichische Ärztekammer.
Präsident Johannes Steinhart argumentiert, höhere Impfquoten würden nicht alleine dadurch erreicht, dass zusätzliche Impfstellen geschaffen werden. Wichtiger seien ausreichend verfügbare Impfstoffe, funktionierende Versorgungsstrukturen und Maßnahmen, die das Vertrauen und die Impfbereitschaft erhöhen.
Die Ärztevertretung sieht außerdem medizinische Beratung und Patientensicherheit als zentrale Punkte und wirft den Apotheken vor, dass hinter der Forderung auch wirtschaftliche Interessen stehen würden.
In 19 europäischen Ländern bereits Realität
Für die Regierung ist das Argument gegen Impfungen in Apotheken dagegen wenig überzeugend. Laut Gesundheitsministerium dürfen Apotheker bereits in 19 europäischen Ländern Impfungen durchführen.
Österreich folgt damit einem Modell, das international längst verbreitet ist.
Die Regierung erwartet sich davon vor allem einen niederschwelligeren Zugang: mehr Impfstellen, weniger zusätzliche Wege und möglicherweise höhere Impfquoten.
Ab 2027 könnte der Weg zum Stich deutlich kürzer werden
Für Patienten bedeutet die Änderung vor allem mehr Auswahl. Wer beispielsweise seine FSME-, Hepatitis-B- oder Tetanus-Keuchhusten-Diphtherie-Impfung auffrischen möchte, könnte das künftig direkt dort erledigen, wo der Impfstoff ohnehin gekauft wird.
Vorausgesetzt, das Gesetz passiert das Parlament wie geplant, könnte es bereits im Frühjahr 2027 die ersten Impfungen direkt in österreichischen Apotheken geben.
Ob danach auch Grippe, HPV und weitere Impfungen dazukommen, dürfte eine der nächsten großen gesundheitspolitischen Diskussionen werden.
(fd/apa)