Italien will wieder Atomenergie
Jetzt wird Rückkehr geprüft
(11.03.2026) Italien prüft eine Rückkehr zur Atomenergie und unterstützt das internationale Ziel, die weltweite Nuklearkapazität bis 2050 zu verdreifachen. Während die Energienachfrage für Industrie, Mobilität, Rechenzentren und Künstliche Intelligenz stark zunehme, könne Atomenergie zur Dekarbonisierung, zur Stabilität der Stromnetze und zur Versorgungssicherheit beitragen, sagte Italiens Energieminister Gilberto Pichetto Fratin bei einem Gipfel zur zivilen Kernenergie in Paris.
Italien habe deshalb beschlossen, sich der internationalen Verpflichtung anzuschließen, die globale Nuklearkapazität zu verdreifachen, erklärte der Minister. Diese Initiative war 2023 beim Klimagipfel COP28 in Dubai von über 20 Staaten unterzeichnet worden.
Pichetto Fratin betonte, Italien arbeite an einer "verantwortungsvollen, modernen und transparenten Nuklearstrategie", um einen sicheren, dekarbonisierten und wettbewerbsfähigen Energiemix zu schaffen. Erstmals habe das Land ein Nuklearszenario in den nationalen Energie- und Klimaplan aufgenommen. Demnach könnte bis 2050 eine installierte Leistung von acht bis 16 Gigawatt entstehen, was elf bis 22 Prozent des Strombedarfs decken könnte.
Technologisch richtet Italien den Blick laut dem Minister vor allem auf kleine modulare Reaktoren der fortgeschrittenen dritten Generation sowie auf Reaktortechnologien der vierten Generation, insbesondere auf bleigekühlte schnelle Reaktoren.
Zudem beteiligt sich Italien an europäischen und multilateralen Programmen zur Kernfusion, in deren Bereich das Land mehrere internationale Forschungsinfrastrukturen beherbergt.
Die Regierung von Ministerpräsidentin Giorgia Meloni beschloss im Februar 2025 einen Gesetzesentwurf, auf den zahlreiche Verordnungen für Detailregelungen zum Bau neuer Atomanlagen folgen sollen. Dieser Prozess soll 2027 abgeschlossen sein. Italien setzt nun wie andere Staaten auf modulare Kleinreaktoren, sogenannte Advanced Modular Reactors (AMR). Mit einem Anteil der Atomkraft von elf Prozent im Energiemix könne man so den Weg zur Klimaneutralität bis 2050 um 17 Milliarden Euro verbilligen, lautet das Vorhaben der Regierung. Sie rechnete damit, dass erste Kleinreaktoren schon um 2030 in Betrieb gehen könnten.
Italiener hatten sich für Atomausstieg ausgesprochen
Die Italiener hatten sich 1987 - ein Jahr nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl - in einem Referendum für den Ausstieg aus der Atomenergie ausgesprochen. Die letzten Atomkraftwerke wurden 1990 stillgelegt. 2009 hatte der damalige Regierungschef Silvio Berlusconi angekündigt, wieder in die Kernkraft einsteigen zu wollen, legte sein Vorhaben nach der Katastrophe von Fukushima aber auf Eis. 2011 sprachen sich rund 94,5 Prozent der Italiener in einem weiteren Referendum gegen den Bau neuer Atomkraftwerke aus.
Auch nach dem Atomausstieg hat Italien technische Expertise in der Nukleartechnik behalten. Der staatlich kontrollierte Versorger Enel betreibt AKW in Spanien, ENI investiert in den USA in die Entwicklung eines neuen Reaktortyps.
(apa/mc)