Kommt der digitale Euro?
Was passiert mit dem Bargeld?
(20.10.2026) Der digitale Euro soll das Bezahlen in Österreich und der gesamten Eurozone verändern. Doch ausgerechnet bei den Österreichern stößt die geplante Digitalwährung der Europäischen Zentralbank (EZB) auf wenig Begeisterung. Eine neue Studie zeigt: Zwar haben sieben von zehn Menschen bereits vom digitalen Euro gehört, wirklich gut informiert fühlen sich aber nur wenige. Schon 2027 soll der erste große Praxistest starten. Doch was bedeutet das für unser Bargeld und unsere Bankkonten?
70 % kennen digitalen Euro – aber kaum wer weiß Bescheid
Der digitale Euro ist vielen Österreicherinnen und Österreichern mittlerweile ein Begriff. Laut einer aktuellen Studie von Payment Services Austria (PSA), durchgeführt vom Marktforschungsinstitut Integral, haben bereits 70 Prozent der Bevölkerung von dem geplanten Zahlungsmittel gehört.
Allerdings gibt es eine deutliche Wissenslücke: Von jenen Menschen, die den digitalen Euro kennen, fühlt sich nur jede fünfte Person ausreichend über seine Funktionsweise und seinen Zweck informiert. Für die Untersuchung wurden insgesamt 1.400 Personen befragt.
Entsprechend zurückhaltend fällt auch die Bereitschaft aus, die neue Digitalwährung tatsächlich zu verwenden. Am ehesten können sich noch jüngere Menschen zwischen 18 und 29 Jahren eine Nutzung vorstellen. Mit zunehmendem Alter sinkt das Interesse.
Was ist der digitale Euro überhaupt?
Beim digitalen Euro handelt es sich um eine geplante elektronische Form des Euro-Bargelds, die direkt von der Europäischen Zentralbank beziehungsweise dem Eurosystem ausgegeben werden soll.
Anders als beim Geld auf einem gewöhnlichen Bankkonto wäre der digitale Euro eine direkte Verbindlichkeit der Zentralbank. Bezahlen könnte man damit beispielsweise über eine digitale Geldbörse auf dem Smartphone, im Geschäft, beim Online-Shopping oder beim Geldtransfer zwischen Privatpersonen.
Der digitale Euro wäre keine Kryptowährung wie Bitcoin. Sein Wert würde nicht spekulativ schwanken, sondern exakt dem gewöhnlichen Euro entsprechen. Ein digitaler Euro wäre immer einen Euro wert.
Wird unser Bargeld durch den digitalen Euro abgeschafft?
Eine der wichtigsten Fragen für Verbraucher betrifft die Zukunft des Bargelds. Die EZB betont ausdrücklich, dass der digitale Euro Scheine und Münzen nicht ersetzen, sondern ergänzen soll.
Auch künftig sollen Menschen in Österreich mit Bargeld bezahlen können. Der digitale Euro soll lediglich eine zusätzliche Zahlungsmöglichkeit schaffen, die im gesamten Euroraum funktioniert.
Ein weiterer Unterschied zu herkömmlichen Kartenzahlungen: Der digitale Euro soll unter bestimmten Voraussetzungen auch ohne Internetverbindung genutzt werden können. Damit wären beispielsweise Zahlungen zwischen zwei Personen direkt über ihre Geräte möglich.
Wie sicher ist der digitale Euro – wer sieht meine Zahlungen?
Ein zentraler Punkt bei der Entwicklung ist der Datenschutz. Die Europäische Zentralbank verspricht hohe Sicherheitsstandards und einen besonderen Schutz privater Zahlungsinformationen.
Bei geplanten Offline-Zahlungen sollen persönliche Transaktionsdetails grundsätzlich nur für die beteiligten Personen sichtbar sein. Bei Online-Zahlungen gelten hingegen weiterhin gesetzliche Anforderungen, etwa zur Bekämpfung von Geldwäsche.
Die genauen technischen und rechtlichen Datenschutzregeln sind Teil der laufenden Vorbereitungen. Der digitale Euro soll jedenfalls kein Instrument zur Überwachung einzelner Einkäufe werden.
Digitaler Euro: Erste Tests starten 2027
Obwohl das Interesse in Österreich derzeit gering ist, laufen die Vorbereitungen bereits auf Hochtouren. Die Europäische Zentralbank plant für die zweite Jahreshälfte 2027 ein zwölfmonatiges Pilotprojekt.
Dabei sollen ausgewählte Banken, Zahlungsdienstleister, Händler und Mitarbeiter der Zentralbanken den digitalen Euro unter realistischen Bedingungen testen. Insgesamt wurden bereits 36 Zahlungsdienstleister aus der Eurozone für den Pilotversuch ausgewählt.
Dabei wird beispielsweise untersucht, wie zuverlässig Zahlungen im Geschäft, im Internet und zwischen Privatpersonen funktionieren. Für die breite Bevölkerung wird der digitale Euro im Jahr 2027 noch nicht allgemein verfügbar sein.
Wann wird der digitale Euro in Österreich eingeführt?
Eine mögliche Einführung wird derzeit frühestens für das Jahr 2029 angestrebt. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass die entsprechenden europäischen Rechtsvorschriften beschlossen werden und die technischen Tests erfolgreich verlaufen.
Die EZB hat noch keine endgültige Entscheidung über die Ausgabe getroffen. Der geplante Start 2029 ist deshalb kein verbindlicher Einführungstermin.
Bis dahin bleiben Bankomatkarten, Überweisungen, bestehende Bezahldienste und Bargeld wie gewohnt nutzbar.
Europa will unabhängiger von Visa, Mastercard & Co. werden
Hinter dem Projekt steckt auch ein wirtschaftspolitisches Ziel. Europa möchte beim digitalen Zahlungsverkehr weniger stark von internationalen Unternehmen abhängig sein.
Derzeit spielen US-Konzerne wie Visa, Mastercard, PayPal und Apple eine wichtige Rolle beim Bezahlen. Mit dem digitalen Euro will die EU eine eigene europäische Zahlungsmöglichkeit schaffen, die überall im Euroraum genutzt werden kann.
Ob sich diese neue Bezahlform tatsächlich durchsetzen wird, hängt jedoch wesentlich davon ab, ob Verbraucher einen konkreten Vorteil erkennen.
Die aktuelle österreichische Studie zeigt jedenfalls: Bevor der digitale Euro zum alltäglichen Zahlungsmittel werden kann, besteht noch erheblicher Informationsbedarf.
(fd/apa)