Krebs: CT-Screening wirkt
Österreich im Rückstand
(15.04.2026) Ein neues Krebs Früherkennungsprogramm in Deutschland sorgt für Aufsehen und Diskussionen auch in Österreich. Aktuelle Daten zeigen, dass regelmäßige CT-Untersuchungen nicht nur die Krebssterblichkeit um mindestens 20 Prozent senken, sondern auch das Risiko für andere tödliche Krankheiten reduzieren. Während Nachbarländer bereits handeln, schlagen Experten in Österreich aufgrund politischer Trägheit nun lautstark Alarm.
Deutschland in Vorreiterrolle
In Deutschland hat ein großflächiges, kostenloses Früherkennungsprogramm für Personen mit erhöhtem Risiko begonnen. Zielgruppe sind drei bis fünf Millionen Menschen zwischen 50 und 75 Jahren, die eine „relevante Rauchervorgeschichte (mehr als eine Packung pro Tag über 15 Jahre und länger)“ aufweisen, so in einer Pressekonferenz der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM). Das Verfahren setzt auf die Niedrig-Dosis-Computertomografie, deren Wirksamkeit durch internationale Langzeitstudien belegt ist.
Bedeutende Ergebnisse
Die wissenschaftlichen Ergebnisse fallen dabei eindeutig aus. Bereits eine der ersten groß angelegten Studien in den USA mit rund 53.000 Teilnehmern zeigte, dass sich die Sterblichkeit durch Lungenkrebs um 20 Prozent reduzieren lässt. Weitere europäische Untersuchungen bestätigen diesen Trend. Besonders eindrucksvoll sind die geschlechtsspezifischen Ergebnisse. Eine niederländisch-belgische Untersuchung mit knapp 16.000 Teilnehmern zeigte bei Männern eine um 24 Prozent geringere Sterblichkeit an Lungenkrebs, während dieser Wert bei den Frauen sogar zu einem Rückgang um 33 Prozent führte.
Verringert auch allgemeine Sterblichkeit
Interessanterweise schützt das Screening nicht nur vor den direkten Folgen von Tumoren. Analysen des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWIQ) belegen, dass die allgemeine Sterblichkeit durch das Programm um fünf Prozent sinkt. Experten führen dies darauf zurück, dass bei der Computertomografie des Brustkorbs nicht nur Tumore, sondern häufig auch andere Gesundheitsrisiken wie verkalkte Herzkranzgefäße frühzeitig erkannt werden.
Experten kritisieren Regierung
Während international Fakten geschaffen werden, hinkt Österreich dem medizinischen Standard hinterher. Der Wiener Pneumologe Arschang Valipour warnt vor den Folgen des Zögerns: „Wir haben in Österreich noch nicht einmal annähernd eine Entwicklung in Richtung eines Lungenkarzinom-Früherkennungsprogramms. Auch da werden wir voraussichtlich die Letzten in Europa sein, so ähnlich wie beim Prostatakarzinom.“ Die Begründung, es fehle an finanziellen Mitteln, hält er für nicht nachvollziehbar.
Tatsächlich entstehen jährlich enorme Kosten durch die Behandlung fortgeschrittener Erkrankungen. Laut Valipour belaufen sich diese auf „300 bis 500 Millionen Euro“. Ein strukturiertes Screening-Programm würde lediglich ein Viertel bis ein Zehntel dieser Summe kosten und nach einer Anlaufzeit von etwa fünf Jahren sogar zu realen Einsparungen im Gesundheitssystem führen.
4.000 Menschen sterben in Österreich jährlich an Lungenkrebs
Fakt ist: Die Ausgangslage ist ernst. Rund 5.000 Menschen erkranken jährlich in Österreich an Lungenkrebs, etwa 4.000 sterben daran. Besonders problematisch ist, dass rund 75 Prozent der Diagnosen erst in einem späten, oft nicht mehr heilbaren Stadium erfolgen. Genau hier könnte eine systematische Früherkennung ansetzen und Leben retten.
(apa/mk)