Mutter sperrt Tochter ein!
Jahrelang im Haus isoliert!
(08.01.2026) In einem der erschütterndsten Kinder-Schicksale der letzten Jahre hat am Landgericht Siegen der Strafprozess gegen eine Mutter und ihre Eltern begonnen. Der 49-jährigen Frau wird vorgeworfen, ihre Tochter über sieben Jahre lang von der Außenwelt isoliert und in einem Haus im Sauerland versteckt zu halten. Auch die Großmutter (80) steht wegen Beihilfe auf der Anklagebank, der Großvater (83) fehlt zu Prozessbeginn überraschend.
Leben in Isolation: gesamte Kindheit im Haus
Der Fall aus Attendorn im Sauerland hatte bundesweit Entsetzen ausgelöst: Nach Polizei- und Jugendamtsermittlungen wurde das Mädchen im September 2022 im Alter von acht Jahren aus dem Einfamilienhaus der Großeltern befreit. Laut Staatsanwaltschaft soll es seit etwa 2015 keinerlei Kontakt zur Außenwelt gehabt haben – keine Schule, kein Kindergarten, keine Arztbesuche, kein Spiel mit anderen Kindern.
Die Mutter hatte den Behörden zunächst vorgetäuscht, sie und das Kind seien nach Italien ausgewandert. Erst durch Hinweise kam die Polizei 2022 dem Aufenthaltsort auf die Spur.
Anklagepunkte: Freiheitsberaubung, Misshandlung, Körperverletzung
Der Mutter werden mehrere schwere Straftaten zur Last gelegt, darunter:
- Entziehung Minderjähriger,
- Freiheitsberaubung,
- Misshandlung von Schutzbefohlenen,
- Körperverletzung und
- Verletzung von Fürsorge- und Erziehungspflichten.
Die Großeltern sollen durch Bereitstellung des Hauses und Unterstützung der Lügen geholfen haben.
Zum Start des Prozesses am 7. Januar 2026 war der 83-jährige Großvater nicht anwesend. Er habe sich laut Rechtsbeistand erst kürzlich von einem Krankenhausaufenthalt erholt, berichtete ein Gerichtssprecher. Aufgrund dessen und weiterer Verfahrensaspekte wurde der Prozessauftakt teilweise vertagt. Insgesamt sind mehr als zehn Verhandlungstermine angesetzt; ein Urteil könnte laut Gericht am 19. Februar 2026 fallen.
Entwicklungsrückstände des Kindes
Nach Angaben des Gerichts erlitt das Mädchen während der jahrelangen Isolation erhebliche körperliche und soziale Entwicklungsrückstände. Beim Fund konnte es laut Zeugenaussagen zunächst kaum Treppen steigen und hatte keinen Kontakt zu Gleichaltrigen.
Das inzwischen zwölfjährige Kind lebt heute in einer Pflegefamilie; Details zu seinem aktuellen Gesundheits- und Lebenszustand werden aus Gründen des Kindesschutzes und der Privatsphäre nicht veröffentlicht.
Bundesweiter Schock und Kritik an Behörden
Der Fall hatte nicht nur lokal, sondern deutschlandweit Diskussionen über Versagen von Jugendamt und Behörden ausgelöst, nachdem bereits vor Jahren Hinweise auf das isolierte Kind eingingen.
(fd/apa)