Paketsteuer trifft alle
Auch stationärer Handel leidet
(09.10.2026) Die seit 1. Oktober geltende Paketsteuer trifft nicht nur größere Onlinehändler, sondern offenbar ebenfalls den filialisierten Einzelhandel. "Auch aus dem stationären Handel hören wir erste negative Meldungen, da viele Kunden jetzt statt Ergänzungskäufen bei Onlineplattformen Großbestellungen machen, um die Paketsteuer auf möglichst viele Produkte aufzuteilen", sagte Handelsverband-Geschäftsführer Rainer Will zur APA.
Versandhändler mit mehr als 100 Mio. Euro Umsatz in Österreich müssen die Steuer in Höhe von zwei Euro pro Paket oder Bestellung bezahlen. Inklusive Umsatzsteuer sind es 2,40 Euro. 15 große Onlinehändler und Online-Marktplätze, die Pakete an Endverbraucher verschicken, sind von der nationalen Paketsteuer betroffen. Zu den Unternehmen zählen die dominierenden Online-Handelskonzerne Amazon, Temu und Zalando, aber auch Shop-Apotheke, Ebay.at/Ebay.de, Otto, Best Secret, AliExpress, Mediamarkt, Apple, Universal, Ikea, Shein und XXXLutz. Weiters müssen laut Handelsverband rund 4.000 heimische Händler, die über Online-Marktplätze wie Amazon oder Ebay verkaufen, ebenfalls Paketsteuer zahlen.
Mehrere Händler reichen Paketsteuer derzeit nicht weiter
Betroffene Händler können sich entscheiden, ob sie die Steuer pro Paket oder pro Bestellung berechnen und abführen. Ikea, Shop-Apotheke und XXXLutz reichen die Paketabgabe derzeit nicht an ihre Kunden weiter. Otto und Universal übernehmen bei Bestellungen die Paketsteuer bis 11. Oktober. Bei Rücksendungen nach erfolgreicher Paketzustellung bleibt die Steuerpflicht bestehen. Amazon, Otto Österreich und Zalando wollen bei vollständigen, zeitnahen Retouren den Kunden die Paketsteuer aber zurückerstatten.
Das Finanzministerium rechnet weiterhin mit einem Paketsteueraufkommen von 280 Mio. Euro pro Jahr. Dies soll die seit 1. Juli geltende Mehrwertsteuersenkung auf ausgewählte Grundnahrungsmittel zum Teil gegenfinanzieren. "Obwohl für den Versandhandel auch die heimische Infrastruktur notwendig ist, leisten Versandhändler oftmals einen vergleichsweise geringen Beitrag zur nationalen Wertschöpfung und der Bewältigung der sich aus dem Versandhandel ergebenden Herausforderungen", hieß es in einer Stellungnahme des Finanzministeriums zur APA. Das Ministerium verwies auch auf die durch den Onlinehandel stark gestiegene Anzahl von zugestellten Paketen in Österreich und die daraus resultierenden "erheblichen Herausforderungen, beispielsweise im Bereich des Umweltschutzes".
Ein durchschnittlicher österreichischer Haushalt spart sich nach Angaben des Handelsverbandes durch die Mehrwertsteuersenkung auf Grundnahrungsmittel rund sechs Euro im Monat. "Durch die neue Paketabgabe zahlt jetzt jeder Haushalt im Land das Doppelte drauf", kritisierte Will.
Neues Paketsteuergesetz wird rechtlich bekämpft
Handelsverband und Wirtschaftskammer lehnen die nationale Paketabgabe ab und verweisen auf den neuen EU-Pauschalzoll in Höhe von drei Euro für Artikel aus Drittstaaten ab Juli und auf die EU-Handling-Fee von zwei Euro pro Artikel ab November. Der Handelsverband hat am Dienstag eine Binnenmarkt-Beschwerde bei der Europäischen Kommission eingereicht. Der Handelsverband sieht bei der Paketabgabe erhebliche Verstöße gegen EU-Recht, unter anderem gegen die Warenverkehrsfreiheit und Dienstleistungsfreiheit. Der deutsche Online-Modehändler Zalando hat sich als erster Händler rechtlich gewehrt und wie berichtet bereits am 20. August eine Klage gegen das Paketsteuergesetz am Verfassungsgerichtshof (VfGH) in Wien eingebracht. Der Versandhändler Otto Österreich will gegen die Paketsteuer-Bescheide Beschwerde einlegen.
Das Wirtschaftsministerium hat im Begutachtungsverfahren zum Paketsteuergesetz auch auf europarechtliche Bedenken hingewiesen. "Wenn die Paketabgabe rechtlich aufgehoben wird, dann fällt die Paketabgabe", so Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer (ÖVP) in einer Stellungnahme. Dann brauche es "keinen neuen Anlauf".
(apa/mc)