Pension erst mit 67?

NEOS fordern offene Debatte!

(23.06.2026) Die Diskussion über die Zukunft des österreichischen Pensionssystems nimmt wieder Fahrt auf. Die NEOS sprechen sich offen für eine Debatte über eine Anhebung des gesetzlichen Pensionsantrittsalters aus. Anlass ist eine neue Reform in Deutschland, wo das Renteneintrittsalter künftig an die steigende Lebenserwartung gekoppelt werden soll.

Deutschland macht Druck auf Europas Pensionssysteme

Deutschlands Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) kündigte an, die Empfehlungen der deutschen Rentenkommission umzusetzen. Kernpunkt: Nach dem Anstieg auf 67 Jahre soll das Rentenalter künftig automatisch mit der Lebenserwartung mitwachsen. Vorbild ist das schwedische Modell, das bereits seit Jahren auf diesen Mechanismus setzt.

Nach Berechnungen der deutschen Kommission würde das reguläre Renteneintrittsalter bis 2041 auf rund 67,5 Jahre steigen. Eine oft diskutierte „Rente mit 70“ sei laut den Experten derzeit hingegen nicht geplant.

NEOS: „Weiter wie bisher ist verantwortungslos“

NEOS-Sozialsprecher Johannes Gasser sieht darin auch für Österreich ein wichtiges Signal.

„Die Menschen leben heute nicht nur länger, sondern bleiben auch länger gesund und arbeitsfähig“, erklärte Gasser.
Deshalb dürfe eine Diskussion über eine Anpassung des Pensionsantrittsalters an die Lebenserwartung „kein Tabu“ sein. Wer die demografische Entwicklung ignoriert, verschließe die Augen vor den Herausforderungen der kommenden Jahrzehnte.

Bereits im Frühjahr hatte Gasser erklärt, dass eine frühzeitige Anhebung des Pensionsalters langfristig für mehr Planungssicherheit sorgen würde. „Je früher, desto besser“, sagte er damals in einem Interview.

Jeder vierte Budget-Euro fließt bereits in Pensionen

Die NEOS verweisen auf die steigenden Kosten des Systems. Nach Angaben der Partei fließt derzeit bereits rund jeder vierte Euro des Bundesbudgets in Pensionen. Durch die Alterung der Bevölkerung dürfte dieser Anteil in den kommenden Jahren weiter wachsen.

Die Partei argumentiert, dass dadurch immer weniger finanzieller Spielraum für Investitionen in Bildung, Gesundheit, Infrastruktur oder Entlastungsmaßnahmen bleibe.

Industriellenvereinigung unterstützt den Vorstoß

Rückendeckung erhalten die NEOS von der Industriellenvereinigung (IV). Die IV begrüßt die deutsche Reform ebenso wie die Bereitschaft der NEOS, über weitere Schritte zu diskutieren.

Aus Sicht der Wirtschaft brauche es den Mut, unbequeme Fragen offen anzusprechen. Dazu gehöre auch die Diskussion über das gesetzliche Pensionsantrittsalter und mögliche Einschränkungen bei Frühpensionen.

SPÖ und Gewerkschaften lehnen höhere Altersgrenze ab

Widerstand kommt hingegen seit Jahren von Arbeitnehmervertretern und der SPÖ. Vizekanzler Andreas Babler hatte erst vor wenigen Wochen betont, dass eine Erhöhung des gesetzlichen Pensionsalters nicht im Regierungsprogramm vorgesehen sei.

Auch Gewerkschaften argumentieren regelmäßig, dass viele Arbeitnehmer – insbesondere in körperlich belastenden Berufen – bereits heute Schwierigkeiten hätten, bis zum regulären Pensionsalter durchzuarbeiten.

Faktisches Pensionsalter bleibt zentrale Baustelle

Unabhängig von der Diskussion über eine gesetzliche Anhebung sehen Experten vor allem ein anderes Problem: Viele Österreicher gehen deutlich früher in Pension als gesetzlich vorgesehen.

Deshalb fordert die Bundesregierung bereits Maßnahmen, um das faktische Pensionsantrittsalter näher an das gesetzliche heranzuführen. Dazu zählen strengere Regeln bei Frühpensionen sowie Anreize für längeres Arbeiten.

OECD und Fiskalrat sehen Reformbedarf

Die Debatte dürfte in den kommenden Monaten weiter an Bedeutung gewinnen. Sowohl internationale Organisationen wie die OECD als auch der Fiskalrat haben zuletzt auf den wachsenden Finanzierungsdruck im österreichischen Pensionssystem hingewiesen und strukturelle Reformen angeregt.

Ob Österreich dem deutschen Beispiel folgt und künftig ebenfalls eine automatische Koppelung des Pensionsalters an die Lebenserwartung einführt, ist derzeit offen. Klar ist jedoch: Mit dem Vorstoß der NEOS ist das Thema wieder ganz oben auf der politischen Agenda.

(fd/apa)

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