Rapid-Welle & Austria-Krise
Vor Derby am Sonntag
(28.10.2026) Während der SK Rapid derzeit von Sieg zu Sieg marschiert, steckt die Wiener Austria weiter tief im Krisenmodus fest. Der erhoffte Trainereffekt blieb beim Debüt von Interimscoach Max Uhlig aus, die Veilchen schieden am Dienstag im ÖFB-Cup-Achtelfinale gegen den TSV Hartberg im Elfmeterschießen aus. Die Grün-Weißen jubelten nach einem 3:0 bei der Vienna indes über den Viertelfinal-Einzug, die Ausgangslage vor dem Derby am Sonntag (17.00 Uhr) könnte kaum unterschiedlicher sein.
Die Austria begann gegen die Oststeirer mit einer hohen Intensität vielversprechend und ging durch Johannes Eggestein verdient in Führung. Doch dann verfielen die Violetten im ersten Spiel nach der Ära Stephan Helm in alte Muster, die gezeigte Spritzigkeit wandelte sich in Inaktivität. Es folgte eine spielerisch überschaubare Vorstellung, die in einer bitteren 3:5-Niederlage im Elferschießen mündete. "Dass wir nicht mehr in die Aktivität gekommen sind, muss man ankreiden", sagte Uhlig. "Es war aber nicht alles schlecht."
Austria überzeugte nur 30 Minuten
Besonders die erste halbe Stunde imponierte dem 33-Jährigen. "Dass sie es können, hat man gesehen. Jetzt geht es darum, es von 30 auf 90 Minuten auszudehnen." Eggestein sah Potenzial für die kommenden Wochen. "Ich würde nicht zustimmen, dass der Trainereffekt ausgeblieben ist", sagte der Deutsche. Es seien einige Dinge angepasst worden, das habe man nach nur zwei Tagen unter Uhlig schon gesehen. "Da hat Max was in der Mannschaft bewegen können. Wir haben sehr dominant mit dem Ball gespielt und uns viele klare Torchancen herausgespielt. Jetzt müssen wir uns dafür belohnen."
Nach der vierten Niederlage hintereinander richtet sich der violette Fokus nun ganz auf die Liga. Als Tabellenvorletzter müssen Erfolgserlebnisse her, was derzeit aber besonders schwerfällt. "Dass die Situation durch das Ausscheiden nicht einfacher wird, ist jedem bewusst. In dieser Woche ist die Devise, dass wir das so schnell wie möglich abhaken", kündigte Uhlig an.
Derby als Flaschenöffner
Die Austria-Fans hatten nach dem Schlusspfiff eine klare Forderung: "Wir wollen den Derbysieg", hallte es von den Rängen in Wien-Favoriten. Aber: Wenn man es am Papier analysiert, spricht nicht so viel für die Austria, bekannte der Neo-Coach. "In dieser Situation bringt es aber nicht so viel, über Tabellenkonstellationen oder Favoritenrollen zu sprechen. Wir wissen, dass das Derby immer ganz eigene Gesetze hat."
Eggestein sieht das Duell gegen den Tabellenführer als möglichen Flaschenöffner. "Das Derby ist eine gute Möglichkeit, das Ruder rumzureißen und die Stimmung in eine andere Richtung zu bringen", sagte er. Reinhold Ranftl schaffte es im Cup angeschlagen nicht in den Kader, könnte gegen Rapid aber als Rechtsverteidiger der neuen Viererkette zurückkehren. "Wir haben das so entschieden, damit er am Sonntag fix ein Thema ist. Ich rechne stark damit, dass er zurückkommt", betonte Uhlig.
Hütteldorfer auf der Euphoriewelle
Die Stimmung im Lager der Hütteldorfer ist freilich eine ganz andere. Der 13. Sieg im 16. Pflichtspiel der Saison war der siebente in Folge - mit einem Torverhältnis von 24:4. "Es steckt harte Arbeit hinter unserem Erfolg, wir geben in jedem Training Gas", betonte Kapitän Matthias Seidl. Der Zweitliga-Meisterkandidat Vienna hielt auf der Hohen Warte zwar ganz gut dagegen, der große Favorit ließ auch aufgrund des frühen Führungstreffers von Yusuf Demir (18.) nichts anbrennen.
Für Trainer Johannes Hoff Thorup war nur der Fakt wichtig, trotz einer dreiköpfigen Rotation ins Viertelfinale eingezogen zu sein. "Für die Vienna war das Cupspiel wahrscheinlich das wichtigste Spiel der ganzen Saison, für uns war das nicht der Fall", erinnerte der Däne. Claudy Mbuyi traf bei seiner Rückkehr in die Startelf nach längerer Verletzungspause gleich doppelt (69., 86.). Der Stürmer drängte sich damit auch für einen Einsatz am Sonntag auf.
"Das Derby wird eine ganz andere Partie. Ich weiß, dass das Derby das wichtigste Spiel für uns, den Verein, die Fans ist, deshalb gilt es, die Partie unbedingt zu gewinnen", sagte Hoff Thorup. Mit der Favoritenrolle muss der Tabellenführer leben. "Im Derby war aber der Sieger zuletzt nicht immer klar vor dem Match. Und jedes Spiel beginnt bei 0:0", meinte Seidl.
(apa/mc)