Rechtstrend bei Jungwählern
Extremismus trifft Jugend
(24.03.2026) Berlin/Wien – Immer mehr junge Menschen wenden sich politischen Rändern zu. Neue Wahldaten aus Deutschland zeigen: Die AfD erzielt bei Jungwählern weiterhin überdurchschnittlich hohe Ergebnisse. Gleichzeitig weisen aktuelle Zahlen aus Österreich darauf hin, dass rechtsextreme Tendenzen insgesamt zunehmen – und zunehmend von jungen Menschen getragen werden.
AfD bei unter 25-Jährigen stärkste Kraft
Bei der jüngsten Landtagswahl in Rheinland-Pfalz wurde ein klarer Trend bestätigt:
Rund ein Fünftel der unter 25-Jährigen stimmte für die AfD. Damit liegt die Partei in dieser Altersgruppe vorne. Auch im längerfristigen Vergleich zeigt sich, dass sich dieses Muster verfestigt. Bereits bei der Bundestagswahl 2025 erreichte die AfD bei jungen Wählern ähnliche Werte. Auffällig ist dabei: Die Zustimmung junger Wähler liegt regelmäßig über dem Gesamtergebnis der Partei.
Regionale Unterschiede bleiben bestehen. Während in westdeutschen Bundesländern teilweise niedrigere Werte gemessen werden, liegen die Anteile im Osten deutlich höher – teilweise bei über 30 Prozent.
Politische Ränder bei Jungen besonders stark
Nicht nur die AfD profitiert vom Zuspruch junger Menschen. Auch andere Parteien an den politischen Rändern erzielen in dieser Altersgruppe überdurchschnittliche Ergebnisse. In Summe zeigt sich ein deutliches Bild:
Bis zu rund 40 Prozent der jungen Wähler entscheiden sich mittlerweile für Parteien außerhalb der politischen Mitte.
Experten sehen darin einen strukturellen Wandel im Wahlverhalten – insbesondere bei Erstwählern und jungen Erwachsenen.
Österreich: Mehr rechtsextreme Straftaten und jüngere Täter
Parallel zu den politischen Entwicklungen in Deutschland zeigen aktuelle Daten aus Österreich eine ähnliche Tendenz. Rechtsextreme Straftaten haben in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. Laut Innenministerium wurden zuletzt fast 2.000 Anzeigen wegen rechtsextremistischer, rassistischer oder antisemitischer Delikte registriert – etwa doppelt so viele wie noch wenige Jahre zuvor.Dabei fällt besonders auf:
Die Täter werden im Schnitt jünger, teilweise handelt es sich sogar um Minderjährige.
Soziale Medien verstärken Radikalisierung
Fachleute sehen einen zentralen Treiber dieser Entwicklung in digitalen Plattformen.
Soziale Netzwerke wirken zunehmend als Verstärker für extremistische Inhalte, die oft emotional, vereinfacht und visuell aufbereitet sind.
Gerade junge Menschen kommen dadurch häufig früh mit entsprechenden Ideologien in Kontakt – auch ohne direkte Verbindung zu organisierten Gruppen.
Zusammenhang zwischen Wahlverhalten und Trends
Experten betonen, dass Wahlergebnisse und gesellschaftliche Entwicklungen nicht isoliert betrachtet werden sollten. Steigende Zustimmungswerte für Parteien wie die AfD und die Zunahme extremistischer Straftaten könnten Ausdruck ähnlicher gesellschaftlicher Dynamiken sein. Dazu zählen unter anderem Unsicherheit, politische Entfremdung und der Einfluss digitaler Informationsräume.
Junge Generation rückt politisch nach außen
Die aktuellen Daten aus Deutschland und Österreich zeichnen ein klares Bild:
Die politische Orientierung junger Menschen verschiebt sich zunehmend an die Ränder. Während die AfD bei Jungwählern weiter zulegt, warnen Experten gleichzeitig vor einer wachsenden Radikalisierung und steigender Gewaltbereitschaft im rechtsextremen Spektrum. Die Entwicklungen stellen Politik und Gesellschaft vor neue Herausforderungen – insbesondere im Bereich Bildung, Prävention und Medienkompetenz.
Datenquellen
Die genannten Entwicklungen basieren auf mehreren öffentlich zugänglichen Datenquellen: Wahlanalysen der Forschungsgruppe Wahlen und Infratest dimap (Deutschland) sowie auf aktuellen Zahlen und Berichten aus Österreich. Letztere stützen sich unter anderem auf den Rechtsextremismusbericht, der vom Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (DÖW) im Auftrag von Innen- und Justizministerium erstellt wird, sowie auf Daten des österreichischen Innenministeriums.
(fd/apa)