Rekord an Ärzten in Österreich
Medizinerinnen in der Mehrheit
(29.07.2026) Die österreichische Ärzteschaft wird zunehmend von Frauen geprägt. Herrschte 2024 noch mehr oder weniger Gleichstand, waren Ende 2025 laut der am Dienstag präsentierten Jahresstatistik schon 400 Frauen mehr Mitglieder der Ärztekammer als Männer. Insgesamt wurde mit 51.501 Ärzten in Österreich ein Höchststand erreicht. Dennoch warnt die Ärztekammer vor einem möglichen Mangel.
Wie Kammeramtsdirektor Lukas Stärker bei einem Pressegespräch ausführte, erreichen in den kommenden zehn Jahren etwa 18.000 Ärzte das Pensionsalter. Das heißt, es würde rund 1.800 neue Mediziner jährlich im System brauchen. Dabei ist freilich zu beachten, dass laut Statistik aktuell mehr als 6.100 Ärzte auch nach dem 65. Geburtstag noch aktiv sind.
Kürzere Arbeitszeiten machen mehr Ärzte notwendig
Ärztekammer-Präsident Johannes Steinhart gab zu bedenken, dass man die heutigen Ärzte-Zahlen nicht mehr mit jenen früherer Jahre vergleichen könne. Denn die Arbeitszeiten seien gesunken, auch Teilzeit werde begehrter: "Ein Kopf vor 20 Jahren war mehr Vollzeit-Äquivalent, als es heute ist." Damit habe man auch weniger Arbeitsleistung.
Was zu tun ist, um genug Ärzte ins System zu bringen, ist für Steinhart vielfältig. Mehr Studienplätze erscheinen ihm nicht notwendig. Vielmehr würde der Kammer-Präsident zunächst bei der nach dem Studium anstehenden Basis-Ausbildung ansetzen, bei der die Wartezeiten viel zu lang seien und die so zum Nadelöhr geworden sei. Er könne nur an die Spitäler appellieren, genügend Ausbildungsplätze zur Verfügung zu stellen. Von Zwang hält Steinhart dabei nichts. Er denkt eher an, Plätze mit finanziellen Anreizen zu schaffen. Zu den weiteren Forderungen, den Job attraktiver zu machen, zählen etwa jene nach einer Entbürokratisierung und besseren zeitlichen Rahmenbedingungen.
Mehr als 9.000 ausländische Ärzte in Österreich
Gar nicht so gering ist die Zahl der in Österreich tätigen Ärzte aus anderen Herkunftsländern. Ende 2025 wurden 9.240 ausländische Mediziner gezählt. Knapp 3.900 davon waren Deutsche, gefolgt von Italienern, Ungarn und Slowaken. Besonders hoch ist der Anteil ausländischer Mediziner bei den Turnusärzten. 7.002 Österreichern stehen 3.200 Mediziner aus anderen Staaten gegenüber. 1.302 davon sind Deutsche.
Dass dies der Annahme widerspricht, dass Studenten aus den Nachbarländern nach Abschluss der Ausbildung wieder in die Heimat zurückkehren, bestreitet die Kammer. Natürlich blieben manche für einige Jahre in Österreich. Es zeige sich jedoch, dass ein Drittel bis ein Viertel der Absolventen nicht in der österreichischen Ärzteliste aufscheine.
Rechnet man Kammer-Mitgliedschaften, gibt es in Österreich sogar 53.353. Allerdings scheinen hier Doppelzählungen auf, wenn Mediziner in mehreren Bundesländern tätig sind. Die größte Gruppe bilden dabei Fachärzte mit gut 29.900 Mitgliedschaften. Bei ihnen fällt in der Detail-Statistik auf, dass jene, die (zumindest zum Teil) selbstständig sind, zum größten Teil ohne Kassenvertrag tätig sind. Knapp 3.400 Kasse-Fachärzten stehen etwa 9.200 ohne Vertrag gegenüber. Bei den Allgemeinmedizinern gibt es noch deutlich mehr Kassen-Ärzte als solche ohne Kassenvertrag (knapp 4.200 gegenüber fast 2.700).
(mt/apa)