Rot-Blauer Schlagabtausch
am Ersten Mai
(01.05.2026) In traditioneller Manier ist heute der Tag der Arbeit begangen worden. Beim Maiaufmarsch der SPÖ, der jedes Jahr mit Reden der Parteigranden am Rathausplatz endet, sparte Parteichef Andreas Babler nicht mit Lob an der eigenen Regierungsarbeit, aber auch nicht mit Kritik an FPÖ-Chef Herbert Kickl. "Wir brauchen keinen Trump auf österreichisch", richtete er diesem aus. Gut 150 Kilometer westlich polterte Kickl am Linzer Urfahranermarkt gegen den ORF und die "Systemparteien."
Babler lobte vor Tausenden SPÖ-Anhängern und Mitgliedern die eigene Arbeit in Sachen Teuerungsbekämpfung, aber auch den Budgetverhandlungen könne man einen roten Stempel aufdrücken, befand der Parteiobmann. Es sei gelungen, jene, "die sich immer gedruckt" haben, ordentlich zur Kasse zu bitten. Dazu würden etwa "Immobilienmenschen, die große Gewinne machen" gehören. Unterstützung bekam er vom Wiener Bürgermeister: "Lieber Andi, du kannst dich der Unterstützung der Wiener Sozialdemokratie sicher sein."
Scharfe Worte fand Babler am Rathausplatz für den FPÖ-Chef Herbert Kickl. Dieser sei der heimische Konnex zur "Achse des Chaos" der Autokraten. Kickl und seine Leute seien etwa die größten Zujubler von US-Präsident Donald Trump, hielt Babler fest. Darum sollten diese sich auch hinstellen und erklären, warum die Spritpreise steigen oder die Lebensmittel teurer würden. Bei Letzteren sei dies etwa der Fall, weil Düngemittel nicht durch die Straße von Hormuz gelangen könnten.
Kickl will ORF "zusperren"
Der Angesprochene holte bei der Kundgebung seiner Partei in Linz wie erwartet zum Rundumschlag aus. Beginnen will er den "Systemwechsel" beim ORF: "Wir sperren das Werkl zu, wir machen eine Neuaufstellung." Einen Systemwechsel solle es auch im Asyl-, Gesundheits- und Bildungssystem geben. "Wenn wir das machen, tun wir nichts anderes, als dass wir die Demokratie auf ihren gesunden Kern zurückführen", skizzierte er sein "Projekt Volkskanzlerschaft".
Hatte er bisher immer den abgewählten ungarischen Regierungschef Viktor Orbán gelobt, will er es nun dessen Nachfolger nachmachen: "Wenn alle, die mich dafür kritisieren, beim Peter Magyar in Ungarn klatschen können, wenn er jetzt Ordnung macht im Rundfunk, dann werden sie bei uns auch klatschen können", so Kickl, der seine Forderung "weg mit der Haushaltsabgabe" wiederholte. Auch für bekannte extrem rechte Schlagworte fand Kickl in seiner Rede Platz, etwa die LGBT-"Lobby" oder die geforderte "Remigration".
Der oberösterreichische FPÖ-Chef Manfred Haimbuchner nutzte den Feiertag auch, um seine Anhängerschaft schon auf die im kommenden Jahr bevorstehende Landtagswahl einzupeitschen. "Einen Tuscher" solle es da machen, zeigte sich der Landeshauptmannstellvertreter selbstbewusst.
Grüne Verteilaktion, Maibaum gestohlen
Entspannt begingen den Ersten Mai die Grünen, die am Praterstern mit einer "Umverteilaktion" ihrer Forderung nach einer Reichensteuer Nachdruck zu verleihen versuchten. Unruhe gab es dagegen in St. Pölten: Der Maibaum vor dem Landhaus ist in der Nacht auf Freitag in traditioneller Manier von Unbekannten gefällt worden.
(mt/apa)