Social Media macht süchtig
Safer Internet Day
(10.02.2026) Am Internationalen Safer Internet Day hat die Arbeiterkammer Wien am Dienstag in einer Pressekonferenz zwei wissenschaftliche Studien zu den Gefahren von Social Media Apps vorgestellt. Die Ergebnisse sind alarmierend: Plattformen wie TikTok und Instagram setzen nachweislich auf psychologische Manipulation, um Nutzer möglichst lange online zu halten – mit negativen Folgen vor allem für Kinder und Jugendliche in Österreich.
Social Media als Suchtfalle: Wissenschaftlich bestätigt
Laut Gabriele Zgubic, Leiterin der Abteilung Konsumentenschutz bei der Arbeiterkammer Wien, ist Social Media so gestaltet, dass selbst Erwachsene ihre Nutzung kaum kontrollieren können.
👉 Viele Apps nutzen sogenannte Addictive Designs – technische Funktionen, die gezielt darauf abzielen, Nutzer*innen zu binden. Dazu gehören:
- Endloses Scrollen
- Automatische Video-Wiedergabe (Autoplay)
- Push-Notifications
- Täglicher „Zwang“, die App zu öffnen
Diese Tricks halten Menschen länger online und belohnen sie mit kurzen Dopamin-Kick-Momenten – ein Mechanismus, der laut Studie ein hohes Suchtpotenzial besitzt.
TikTok und Instagram schneiden schlecht ab
Das Institut für Höhere Studien (IHS) hat für die Arbeiterkammer ein einzigartiges Ampelsystem entwickelt, um das Suchtpotenzial von Social-Media-Apps objektiv zu bewerten.
📊 Ergebnis:
- TikTok: 44 von 55 Kriterien im roten Bereich
- Instagram: 40 von 55 Kriterien im roten Bereich
Besonders kritisch bewertet wurden Features wie das unendliche Feed-Ende und automatisch startende Videos – Elemente, die Nutzer*innen länger im Netzwerk halten, als sie eigentlich wollen.
Suchtverhalten ist Geschäftsmodell
IHS-Studienautorin Laura Wiesböck macht klar:
„Suchtverhalten zu erzeugen ist die Geschäftsstrategie von Social-Media-Plattformen.“
Nicht nur TikTok oder Instagram, sondern viele digitale Dienste – von Dating-Apps bis Online-Shops – hätten ähnliche Mechanismen eingebaut, um Aufmerksamkeit und Zeit zu monetarisieren.
Datenschutzproblem bei Alterskontrollen
Die zweite Studie wurde vom Institut für Technikfolgen-Abschätzung (ITA) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften erstellt und beleuchtet ein weiteres großes Problem: Altersfeststellung bei Jugendlichen.
👉 Viele Plattformen verarbeiten dabei hochsensible Daten – oftmals werden Selfies im Abgleich mit Lichtbildausweisen genutzt, was nach Experten Einschätzung ein hohes Missbrauchs-Risiko birgt.
Studienautor Fabian Fischer erklärt:
In der EU wird derzeit eine App zur Altersüberprüfung pilotiert. Bis Ende des Jahres soll außerdem die digitale Brieftasche verfügbar sein, über die nur bestätigt wird, ob eine Nutzerin älter als 14 Jahre ist – ohne zusätzliche sensible Daten preiszugeben.
Österreich will strengere Regeln für Minderjährige
Mit Blick auf den wachsenden Druck kündigte Vizekanzler Andreas Babler (SPÖ) an, bis Sommer 2026 einen Gesetzesentwurf für strengere Social-Media-Regeln in Österreich vorzulegen.
Damit könnte Österreich zu einem der Vorreiter beim Schutz von jungen Nutzern werden – ähnlich wie bereits andere Länder, in denen über Altersbeschränkungen oder Nutzungsverbote für Minderjährige diskutiert wird.
AK fordert: Mindestalter, Suchtdesign-Verbot & Algorithmus-Transparenz
Die Arbeiterkammer begrüßt ein Mindestalter zwischen 14 und 16 Jahren für soziale Medien, betont aber, dass das allein nicht ausreicht.
Gefordert werden außerdem:
✅ Verbot von Addictive Designs
✅ Transparente Algorithmen
✅ Datensparsame Altersfeststellung
✅ Rückgabe der Zeithoheit an Nutzer*innen
Zgubic dazu:
„Endloses Scrollen, Autoplay und Push-Notifications sind keine Spielerei, sondern Suchtmechanismen.“
Tipps für Eltern und Jugendliche
Die AK Konsumentenschutz-Experten empfehlen:
🔹 Gespräche zwischen Eltern und Kindern über Social-Media-Nutzung
🔹 Gemeinsame Nutzungsregeln festlegen
🔹 Push-Notifications in den Einstellungen abschalten
🔹 Eigene Bildschirmzeit bewusst reflektieren
Fazit: Österreich reagiert auf Social-Media-Risiken
Am Safer Internet Day hat sich gezeigt:
✔ Social Media ist kein harmloser Zeitvertreib mehr –
✔ Österreichische Studien warnen vor Psychotricks und Suchtgefahr,
✔ Die Politik plant konkrete Schutzmaßnahmen für Kinder und Jugendliche,
✔ Eltern sind gefragt, verantwortungsvoll mit dem Thema umzugehen.
(fd/apa)