Sonntagsöffnung im Handel?

WKÖ mit Vorstoß

(23.09.2026) Die Debatte über eine Sonntagsöffnung im österreichischen Handel bekommt neuen Schwung. WKÖ-Handelsobmann Rainer Trefelik kann sich vorstellen, Geschäfte künftig österreichweit an bis zu zehn Sonntagen pro Jahr öffnen zu lassen. Eine völlige Freigabe der Ladenöffnungszeiten lehnt er jedoch ab. Statt einer „Radikallösung“ soll es gezielte Ausnahmen geben.

Damit nähert sich die Wirtschaftskammer einer Forderung des Betreibers von Shopping City Süd und Donau Zentrum, Unibail-Rodamco-Westfield, an. Dieser hatte zuletzt sechs bis zehn verkaufsoffene Sonntage jährlich vorgeschlagen.

Handel erhofft sich zusätzlichen Umsatz

Teile des Handels versprechen sich von geöffneten Geschäften am Sonntag einen zusätzlichen Umsatzschub und mehr Besucher in Einkaufszentren sowie Innenstädten. Als Argument werden auch andere europäische Länder genannt, in denen die Sonntagsöffnung wesentlich flexibler geregelt ist.

Trefelik spricht von einer „hochemotionalen Debatte“, hält aber Änderungen bei der derzeitigen Regulierung für notwendig. Gleichzeitig möchte er keine generelle Öffnung an jedem Sonntag.

Zusätzlich fordert der WKÖ-Handelsobmann flexiblere Öffnungszeiten am Samstagabend. Geschäfte sollen seiner Vorstellung nach künftig nicht nur bis 18 Uhr, sondern teilweise bis 21 Uhr offenhalten können.

Sonntagsöffnung derzeit nur eingeschränkt möglich

Der österreichische Handel muss an Sonn- und Feiertagen grundsätzlich geschlossen bleiben. Es gibt allerdings zahlreiche Ausnahmen, etwa für Tourismusregionen, Bahnhöfe, Flughäfen, bestimmte Verkaufsstellen oder spezielle regionale Regelungen.

Gerade Wien hat vergleichsweise strenge Bestimmungen. Die nun diskutierte Reform würde daher für viele klassische Handelsbetriebe erstmals regelmäßige zusätzliche Sonntagsöffnungen ermöglichen.

Verkaufsflächen in Österreich schrumpfen

Hinter der neuen Forderung stehen auch deutliche Veränderungen im stationären Handel. Laut einer aktuellen Analyse von Standort + Markt im Auftrag der Wirtschaftskammer sind die Einzelhandelsverkaufsflächen in Österreich zwischen 2015 und 2025 insgesamt um 3,5 Prozent gesunken.

Besonders stark betroffen sind klassische Innenstadtlagen. Dort ging die Verkaufsfläche innerhalb von zehn Jahren um 13 Prozent zurück.

Anders sieht es bei Einkaufszentren und Fachmarktzentren aus. In Shopping-Centern stiegen die Flächen seit 2015 um rund zwei Prozent, in Fachmarktzentren um etwa 0,8 Prozent.

Mode- und Schuhhandel unter starkem Online-Druck

Besonders der stationäre Mode- und Schuhhandel spürt die Konkurrenz durch große Onlineplattformen.

In österreichischen Innenstadtlagen sank der Anteil der Bekleidungsgeschäfte innerhalb von zehn Jahren von 25,5 auf 21,2 Prozent.

Gleichzeitig übernehmen zunehmend Gastronomie, Gesundheitsangebote, Dienstleistungen und Freizeitbetriebe ehemalige Handelsflächen. Ihr Anteil in den Städten erhöhte sich um 2,6 Prozentpunkte.

Die Innenstädte würden deshalb nicht verschwinden, sondern sich zunehmend von reinen Einkaufszentren zu multifunktionalen Stadtzentren entwickeln.

Kika/Leiner-Pleite hinterlässt große Lücke

Besonders sichtbar ist der Strukturwandel bei den österreichischen Fachmarktzentren. Der Konkurs von Kika/Leiner Anfang 2025 hinterließ vielerorts riesige leerstehende Flächen.

Der Anteil des Einrichtungshandels an den Fachmarktagglomerationen ist seit 2015 von 32,4 auf nur noch 20,4 Prozent gefallen.

Viele ehemalige Kika- und Leiner-Gebäude werden mittlerweile umgebaut oder anders genutzt. Teilweise entstehen daraus neue Einkaufszentren mit Diskontern, Lebensmittelhändlern, Fitnessstudios, Gastronomie und Dienstleistungen.

Onlinehandel wächst deutlich schneller

Beim Umsatz zeigt sich ein ähnliches Bild. Seit 2015 stiegen die österreichischen Einzelhandelsumsätze nominell um 49,4 Prozent. Berücksichtigt man allerdings die Inflation, bleibt real nur ein Plus von 15,2 Prozent.

Deutlich stärker wuchs im gleichen Zeitraum der B2C-Onlinehandel. Dessen nomineller Umsatz erhöhte sich innerhalb von zehn Jahren um 76,1 Prozent.

Genau darin sehen viele stationäre Händler ein Wettbewerbsproblem: Während Online-Shops praktisch rund um die Uhr verfügbar sind, gelten für klassische Geschäfte weiterhin fixe Öffnungszeiten.

WKÖ fordert auch bessere Bedingungen gegenüber Onlinekonzernen

Trefelik fordert neben flexibleren Öffnungszeiten deshalb auch faire Wettbewerbsbedingungen gegenüber Onlinehändlern außerhalb der EU.

Gleichzeitig müsse die Kostenbelastung für heimische Händler sinken. Vor allem Energiepreise, Mieten und andere Betriebskosten hätten in den vergangenen Jahren stark zugelegt und würden die Rentabilität vieler Geschäfte belasten.

Kommen bald bis zu zehn offene Sonntage?

Eine Änderung der Sonntagsöffnung ist derzeit noch nicht beschlossen. Die Forderung der WKÖ zeigt allerdings, dass die Diskussion innerhalb des Handels deutlich konkreter wird.

Statt einer vollständigen Freigabe könnte am Ende ein Kompromiss stehen: sechs bis zehn verkaufsoffene Sonntage pro Jahr, möglicherweise ergänzt durch längere Öffnungszeiten an Samstagen.

Damit würde Österreich zwar am grundsätzlich arbeitsfreien Sonntag festhalten, dem stationären Handel aber wesentlich mehr Spielraum geben als bisher.

(fd/apa)

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