Spritpreisbremse ab heute

Nur 1,7 Cent pro Liter?

(01.06.2026) Die Bundesregierung hat sich auf die Zukunft der Spritpreisbremse geeinigt. Autofahrerinnen und Autofahrer in Österreich können auch im Juni mit einer Entlastung an der Zapfsäule rechnen. Allerdings wird das Modell deutlich verändert: Während die Senkung der Mineralölsteuer (MöSt) bestehen bleibt, endet die bisherige Begrenzung der Gewinnmargen für Tankstellenbetreiber.

Spritpreise: Entlastung durch niedrigere Mineralölsteuer

ÖVP, SPÖ und NEOS haben am Wochenende beschlossen, die Spritpreisbremse über das Monatsende hinaus zu verlängern. Konkret wird die Mineralölsteuer weiterhin um 1,7 Cent pro Liter gesenkt. Die Maßnahme gilt zunächst bis Ende Juni und soll die zusätzlichen Einnahmen aus der Umsatzsteuer ausgleichen, die der Staat aufgrund höherer Treibstoffpreise erzielt.

Ob die Steuererleichterung auch in den Sommermonaten Juli und August fortgeführt wird, soll monatlich überprüft werden. Gleichzeitig müssen Tankstellen bis Ende August sinkende internationale Öl- und Treibstoffpreise verpflichtend an die Verbraucher weitergeben.

Margeneingriff endet nach nur zwei Monaten

Während die Mineralölsteuersenkung bestehen bleibt, läuft die bisherige Begrenzung der Gewinnmargen aus. Diese war Anfang April gemeinsam mit der Spritpreisbremse eingeführt worden und hatte zuletzt einen Preisvorteil von 2,5 Cent pro Liter gebracht. Zusammen mit der MöSt-Senkung wurden die Preise bisher um insgesamt 4,5 Cent pro Liter gedrückt.

Vor allem die ÖVP und die NEOS hatten sich gegen eine Verlängerung des Margeneingriffs ausgesprochen. Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer (ÖVP) betonte, funktionierender Wettbewerb sei der beste Garant für faire Preise. Die Regierung setze daher auf marktwirtschaftliche Mechanismen statt auf dauerhafte Eingriffe in Unternehmensgewinne.

Warum die Spritpreise zuletzt gestiegen sind

Die Verlängerung der Spritpreisbremse erfolgt vor dem Hintergrund der zuletzt gestiegenen Rohölpreise. Auslöser waren unter anderem geopolitische Spannungen im Nahen Osten und Unsicherheiten auf den internationalen Energiemärkten. Zwar liegen die aktuellen Preise noch unter den Höchstständen aus März und April, dennoch zahlen Autofahrer deutlich mehr als vor den jüngsten Krisenentwicklungen.

Nach Daten der E-Control lag der österreichweite Medianpreis zuletzt bei:

Kraftstoffpreis pro Liter

  • Diesel 1,84 Euro
  • Superbenzin 1,76 Euro

Diese Werte beinhalten bereits die derzeit geltende Spritpreisbremse.

Wirtschaft begrüßt Ende der Margenbegrenzung

Positive Reaktionen kamen aus der Wirtschaft. Die Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) bezeichnete staatliche Eingriffe in Unternehmensmargen als problematisch und sprach von einem wichtigen Schritt zurück zu marktwirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Auch der ÖVP-Wirtschaftsbund begrüßte das Auslaufen der Margenbegrenzung und die gleichzeitige Fortsetzung der steuerlichen Entlastung.

Kritik von Grünen, FPÖ und Umweltschützern

Wenig begeistert zeigen sich hingegen Opposition und Umweltorganisationen. Die Grünen werfen der Regierung vor, Ölkonzerne zu schonen und Verbraucher nicht ausreichend zu entlasten. FPÖ-Verkehrssprecher Christian Hafenecker bezeichnete die Maßnahmen als „halbherzig“ und fordert stattdessen eine Halbierung der Mineralölsteuer sowie die Abschaffung der CO₂-Bepreisung.

Auch der WWF sieht die Verlängerung kritisch. Die Umweltschutzorganisation argumentiert, dass günstigere fossile Treibstoffe das Grundproblem der Abhängigkeit von Öl und Gas nicht lösen würden. Statt kurzfristiger Preisbremsen brauche es langfristige Investitionen in alternative Energien und klimafreundliche Mobilität.

ÖAMTC fordert mehr Transparenz

Der ÖAMTC verlangt von der Bundesregierung eine transparente Offenlegung der tatsächlichen Umsatzsteuer-Mehreinnahmen aus den gestiegenen Spritpreisen. Aus Sicht des Autofahrerclubs sei nicht nachvollziehbar, warum die Mineralölsteuer nun lediglich um 1,7 Cent und nicht wie bisher um zwei Cent gesenkt werde. Zusätzlich fordert der Club weitere Entlastungen über niedrigere Steuern und Abgaben auf Kraftstoffe.

Was Autofahrer jetzt wissen müssen

Für Autofahrer bedeutet die neue Regelung, dass die Entlastung an der Zapfsäule auch im Juni bestehen bleibt, allerdings etwas geringer ausfällt als bisher. Ob die Preise tatsächlich stabil bleiben, hängt nun vor allem von der Entwicklung der internationalen Ölpreise und dem Wettbewerb unter den Tankstellenbetreibern ab.

Fest steht: Die Bundesregierung verabschiedet sich vorerst von direkten Eingriffen in die Gewinnmargen der Mineralölbranche und setzt stattdessen auf steuerliche Entlastungen sowie die Verpflichtung zur Weitergabe sinkender Einkaufspreise an die Konsumenten.

(fd/apa)

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