Start von Mordprozess in Tirol

Studentin 2005 getötet

(19.10.2026) In Tirol beginnt heute der Mordprozess in einem der spektakulärsten Kriminalfälle in der Geschichte des Bundeslandes. Im Jahr 2005 ist eine damals 19-jährige niederösterreichische Studentin erstochen in einer Telefonzelle aufgefunden worden. Der mittlerweile 42-jährige Tatverdächtige muss sich heute wegen Verdachts des Mordes am Innsbrucker Landesgericht verantworten. Der Mann, der mittlerweile seit Jahren in Australien lebt, wo er als Manager tätig ist, war ein Studienkollege der Getöteten. Der in Innsbruck stattfindende Prozess ist für zwei Tage angesetzt, ein Urteil soll am Freitag fallen.

Der 42-jährige Verdächtige reist freiwillig zur Hauptverhandlung an. Im Mai ist überraschend Anklage gegen den Mann erhoben worden. Laut der Anklage wird dem Mann vorgeworfen, die junge Frau in den frühen Morgenstunden des 23. Juni 2005 mit zwei wuchtigen Messerstichen in die Brust und den Rücken getötet zu haben. Die Leiche der Niederösterreicherin ist von einem Pensionist in einer Telefonzelle vor dem Innsbrucker Rapoldipark gefunden worden. Laut Angaben haben sowohl der Tatverdächtige als auch das Opfer vor der Tat eine Studenten-Party besucht.

Zigarettenfilter mit DNA-Spuren

In der Telefonzelle ist ein wenig angerauchter Zigarettenstummel mit Spuren seiner DNA gefunden worden, weshalb er erneut ins Visier der Ermittler geraten ist. Adelheid Steiner, die öffentliche Anklägerin, hat in ihrem Eröffnungsplädoyer betont, dass auch "Signale der DNA" des Mannes in einer Blutspur der Getöteten am Tatort nachgewiesen werden konnten. Die Anklägerin berichtet zudem: "Es gibt zudem DNA unter den Fingernägeln der Frau". Auch am Fahrrad der toten Studentin sind DNA-Spuren des 42-jährigen Mannes sichergestellt worden. Bei der Tatwaffe dürfte es sich um ein rund 16 Zentimeter langes Küchenmesser gehandelt haben. Die Tat hat sich zwei Tage vor dem 20. Geburtstag des Opfers ereignet, eine Tatwaffe konnte nie gefunden werden. Die Staatsanwältin erklärt, dass ein mögliches Tatmotiv jedoch unbekannt ist.

Erhebliche Alkoholisierung

Beide Personen sind in der Nacht der Tat "erheblich alkoholisiert" gewesen. Bei dem Opfer sind 2,1 Promille im Blut festgestellt worden. Laut dem Angeklagten ist das Opfer von der Feier, auf der sich beide befanden, mit dem Fahrrad weggefahren. Steiner hat festgehalten: "Zwei Zeugen betonten aber, dass sie eine Frau, auf die die Beschreibung des Opfers passt, torkelnd gehend gesehen haben". In der letzten Lebensstunde sollen der Angeklagte und das Opfer alleine gewesen sein, unklar ist, was dort passiert ist. Auch ein mögliches Motiv ist nicht bekannt. Die Staatsanwältin erklärt: "Den Grund, wieso sie sterben musste, kennt bisher nur der Täter". Jedenfalls würden die Ergebnisse der Ermittlungen "erheblich für eine Täterschaft" sprechen.

Angeklagter erneut im Visier

Vor fast 13 Jahren ist der Angeklagte bereits ins Visier der Ermittler geraten. Damals hat er als "dringend tatverdächtig" gegolten. Kurz vor Weihnachten ist er damals von "Cold Case" Expertem des Bundeskriminalamtes festgenommen worden. Damals hat sich der Verdacht auf verschiedenen Indizien gestützt, wie DNA-Spuren an der Leiche und an den Griffen des Fahrrades der jungen Frau. Nach sieben Wochen ist der Angeklagte enthaftet worden, nachdem die gesicherten DNA-Spuren als nicht aussagekräftig erwiesen haben.

Bisher beteuert der Mann seine Unschuld vehement. Der Verteidiger des 42-jährigen Mannes hat im Vorfeld die DNA-Spur auf dem Filter nicht als den geringsten Beweis gesehen und erkennt auch kein Tatmotiv. Für den heutigen Prozess sind acht Zeugen geladen worden.

(apa/ep)

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