Ukraine fordert Patriots

EU gibt 6,1 Milliarden frei

(24.08.2026) Am 24. August feiert die Ukraine ihren 35. Unabhängigkeitstag. Doch auch 2026 steht der Nationalfeiertag ganz im Zeichen des russischen Angriffskrieges. Präsident Wolodymyr Selenskyj nutzte den Tag, um erneut auf den dringendsten militärischen Bedarf seines Landes hinzuweisen: mehr Luftabwehr und vor allem mehr Patriot-Abfangraketen. Nach Angaben Selenskyjs benötigt die Ukraine für den kommenden Winter rund 300 bis 360 Patriot-Raketen. Gleichzeitig hat die Europäische Union weitere 6,1 Milliarden Euro aus ihrem 90-Milliarden-Euro-Hilfspaket freigegeben. Das Geld ist für Luftabwehrsysteme, Lenkwaffen, Munition und Radarsysteme bestimmt.

Selenskyj fordert Hunderte Patriot-Raketen

Die Ukraine warnt seit Monaten vor Engpässen bei der Flug- und Raketenabwehr. Besonders wichtig sind Patriot-Systeme, weil sie auch gegen ballistische Raketen eingesetzt werden können.

Selenskyj machte zuletzt deutlich, dass die Ukraine die benötigten Raketen nicht zwingend geschenkt bekommen wolle, sondern bereit sei, sie zu kaufen. Das Problem liege daher nicht nur bei der Finanzierung, sondern auch bei verfügbaren Beständen, Produktionskapazitäten und politischen Freigaben.

Für den Winter bezifferte der ukrainische Präsident den Bedarf auf rund 300 bis 360 Patriot-Abfangraketen.

EU gibt weitere 6,1 Milliarden Euro frei

Parallel dazu hat die EU eine neue Tranche ihrer Ukraine-Hilfe freigegeben. Die 6,1 Milliarden Euro sollen unter anderem in Luftabwehr, Raketen, Munition und Radartechnik fließen.

Der gesamte europäische Kreditrahmen umfasst 90 Milliarden Euro. Davon sind rund 60 Milliarden Euro für militärische Unterstützung vorgesehen, weitere 30 Milliarden sollen zur finanziellen Stabilisierung des ukrainischen Staates beitragen.

Ein großer Teil der neuen Rüstungsbeschaffungen soll bei europäischen Unternehmen erfolgen.

376 russische Raketenangriffe allein im Juli

Die EU-Kommission verwies bei der Begründung der neuen Hilfe auf die hohe Zahl russischer Angriffe. Allein im Juli wurden demnach 376 Raketenangriffe registriert.

Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen erklärte anlässlich des ukrainischen Unabhängigkeitstags, Europa werde die Unterstützung weiter verstärken. Die Luftverteidigung müsse angesichts der anhaltenden russischen Angriffe dringend gestärkt werden.

„Koalition der Willigen“ berät in Kiew

Der ukrainische Nationalfeiertag ist zugleich Anlass für neue politische Gespräche. Vertreter der sogenannten „Koalition der Willigen“ beraten in Kiew über weitere militärische und politische Unterstützung.

EU-Ratspräsident António Costa erklärte, Europa werde die Ukraine so lange und so umfassend unterstützen wie nötig. Gleichzeitig kündigte er weiteren Druck auf Russland an, sollte Moskau keinen ernsthaften Friedenswillen zeigen.

Nach Angaben Costas haben die EU und ihre Mitgliedstaaten seit Beginn des russischen Großangriffs bereits mehr als 220 Milliarden Euro für die Ukraine mobilisiert.

Norwegen sagt weitere Milliardenhilfe zu

Auch Norwegen kündigte neue Unterstützung an. Für 2027 sollen weitere 85 Milliarden norwegische Kronen, umgerechnet rund 7,8 Milliarden Euro, bereitgestellt werden.

Die Mittel sind sowohl für militärische als auch für humanitäre Zwecke vorgesehen.

Finnland und die Ukraine wollen zudem bei der Entwicklung und Produktion unbemannter Systeme enger zusammenarbeiten. Geplant sind unter anderem gemeinsame Projekte bei Drohnen und unbemannten Überwassersystemen.

Großbritannien unterstützt Raketenproduktion

Auch Großbritannien will die ukrainische Rüstungsindustrie stärker unterstützen.

London kündigte an, die Weitergabe bestimmter technischer Informationen über britische Bauteile der Marschflugkörper Storm Shadow beziehungsweise SCALP zu ermöglichen. Dadurch sollen Frankreich und die Ukraine beim Aufbau eigener Produktionskapazitäten unterstützt werden.

Langfristig soll die Ukraine dadurch weniger stark von direkten Waffenlieferungen abhängig werden.

Deutschland sichert weitere Unterstützung zu

Bundeskanzler Friedrich Merz bekräftigte am Unabhängigkeitstag ebenfalls die deutsche Unterstützung für die Ukraine.

Deutschland gehört seit Beginn des russischen Angriffskrieges zu den wichtigsten europäischen Unterstützern der ukrainischen Luftverteidigung und hat unter anderem Patriot- und weitere Flugabwehrsysteme bereitgestellt.

Außenminister Johann Wadephul wollte zudem mit seinem US-Amtskollegen Marco Rubio über weitere Unterstützung und diplomatische Initiativen sprechen.

(fd/apa)

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